15.05.2010 / Leben als Vater

Väter eben

Der Vatertag ist gefeiert. Was nun, liebe Väter? Es bleibt viel zu lernen im Leben als Vater. Eine persönliche Retrospektive.

Du begegnest ihnen überall. Als Kind ist einer von ihnen einfach da: Entweder ist er nur dieser Mann deiner Mutter oder, wenn’s gut geht, ist er dein wirkliches Gegenüber. Das dich versteht, ermahnt, mit dir Blödsinn macht, dir Taschengeld zusteckt oder mit dir bolzt. Deine Tränen abwischt oder Computer spielt. Dir zeigt, wie man(n) ein Loch in die Wand bohrt oder Papierflieger faltet.

Andauerndes Training

Später wirst du vielleicht selbst einer dieser Spezies. Bekommst das schreiende Etwas in die Hände gedrückt und hast Sorge, nichts kaputt zu machen. Fühlst dich hilflos, weil du nicht wie andere Familienmitglieder das Baby einfach “andocken” kannst, um es zu stillen, fährst es aber gerne spazieren, damit seine Mutter mal zur Ruhe kommt. Du lehrst ihn das Sprechen. Vor allem, dass “Papa” zuerst gelernt wird, ehe “Mama” dran ist - was dir natürlich nicht gelingen wird.

Noch später wird dein Argumentationsvermögen trainiert. Am Beispiel der abendlichen Nach-Hause-Komm-Zeiten. An der Höhe des Taschengeldes. Zum Thema Ausleihen des Familienautos. Zum Begutachten der weiblichen Begleiter deines Sohnes, des neuen Freundes deiner Tochter. Und du merkst in all diesen Trainingsprozessen: Du wirst ruhiger mit der Zeit. Traust deinem Sprössling immer mehr Initiative zu. Musst nicht selber alles regeln. Und bist erstaunt: Gott hat deinen Kindern ja auch einen Verstand und noch viel mehr gegeben.

Einfach da sein

Spätestens wenn es wieder neue Schreihälse gibt, eine neue Generation gezeugt wird und heranwächst, merkst du, dass du eine neue Beförderungsstufe erreicht hast. Du bist dann einer dieser “Großen Väter”. Darfst ein wenig ins zweite Glied zurücktreten. Hast deinen Job eigentlich ganz gut erledigt. Zumindest wenn du siehst, dass deine Kinder ganz gut im Leben zurecht kommen. Du kannst dich zurücknehmen und (endlich!) auch mal mehr an deine brachliegenden Hobbys und Sehnsüchte denken.

Aber du stehst jederzeit in den Startlöchern, wenn Not am Mann ist, wenn’s in der Familie brennt, wenn ein Babysitter oder Autofahrer gebraucht wird. Oder einer, der nur dasitzt und zuhört. Ohne Ratschläge geben zu müssen. Ohne ständig die “Jungen” volltexten zu müssen. Du bist einfach da. Verfügbar. Mit deinen Erfahrungen, mit deinem Tank voller Liebe und mit deinen Gebeten. Nicht nur für die, die gerade in Not sind, sondern auch für alle anderen. Enkelkinder sind da, um bebetet zu werden. So wird ein unsichtbarer Schutzwall – immer wieder neu – errichtet. Weil wir vor Gott für sie einstehen. Väter eben.

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