13.11.2024 / Persönlich
Unter dem Lärm der Bomben
Osteuropa braucht Hoffnung auf Frieden und Versöhnung. Maria Wedel setzt sich zusammen mit TWR dafür ein.
Maria Wedel koordieniert für ERF Global Hope die Medienarbeit von TWR in Russland, Belarus und der Ukraine. Sie ist aufgewachsen in Estland und spricht fließend russisch. Sie ist Industriekauffrau, liebt den Baikalsee, herrliche Birkenwälder und schöne Städte wie zum Beispiel St. Petersburg.
Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in Europa. Mit dem Einmarsch russischer Truppen in die
Ukraine hat sich das Leben so vieler Menschen komplett verändert. Auch meine Arbeit.
Schon vor dem Krieg war ich bei ERF Global Hope die Koordinatorin für die christliche TWR-Medienarbeit in Russland, Belarus und der Ukraine. Meine Aufgabe ist es, die Medien-Teams der drei Länder zu unterstützen, gemeinsam neue Projekte zu entwickeln und deren Finanzierung zu ermöglichen.
Doch der Krieg hat gefühlt alles verändert. Meine Aufgabe ist die gleiche, und doch sieht sie im Moment anders aus. Wir alle wünschen uns Frieden in der Region zurück. Doch selbst dann wird nichts wieder so sein, wie es vorher war.
Medienarbeit in Zeiten des Krieges
Die Arbeit von TWR (Trans World Radio) in Russland, Belarus und der Ukraine umfasst christliche Radio- und Videoprogramme, Livesendungen, Social-Media-Beiträge sowie einige Hilfsprojekte. Inmitten des Krieges suchen viele Menschen nach Trost und nach Antworten. Unser Ziel ist, dass die Programme eine Quelle der Ermutigung und der geistlichen Stärkung sind.
Der Krieg betrifft Menschen, überall – ihr Leben, ihr Schicksal und ihre Geschichte. Darüber berichten die Teams natürlich sehr viel. Und in allen drei Ländern droht permanent die Gefahr, dass die Männer aus unseren Teams jederzeit eingezogen werden können. Noch sind alle beschützt. Gott sei Dank!
In der Bibel haben wir schon viel über Krieg gelesen. Aber wir hatten nur eine sehr begrenzte und vage Vorstellung von den Gefühlen der biblischen Personen in Kriegszeiten. Heute erleben wir diese Erfahrung hautnah. Und ich hoffe, dass wir miteinander die Kraft haben werden, diese Prüfung zu bestehen und sie weiter mit anderen zu teilen.
Drei Länder – drei Welten
Der Krieg bringt für mich und die Teams von TWR enorme Herausforderungen mit sich. Es gibt die Zensur in Russland. Die religiöse Freiheit in Belarus ist stark eingeschränkt. Und die Ukraine steht permanent unter akuter Gefahr. Das alles erschwert unsere Arbeit erheblich. Doch suchen wir immer wieder Wege, um trotz der Umstände und Widrigkeiten Programme zu erstellen und sie zu veröffentlichen, sie zu senden.
In der Ukraine verloren wir mit Beginn des Krieges unsere Sendeplattform auf Mittelwelle sowie den Server unserer Website. Wir stiegen um auf Webcasting, also eine Verbreitung der Inhalte nur im Internet. Damit verloren wir die meisten der bisherigen Radiohörer, die uns im Internet einfach nicht mehr gefunden haben. Nun haben wir ein völlig neues Publikum. Der Altersdurchschnitt ist nicht mehr 60+, sondern 20+.
Ohnmacht und Begleitung
Mein Kontakt als Koordinatorin zu den Teams ist in der Zeit noch viel intensiver geworden. In der Ukraine begann es schon im Februar 2022 mit den ersten Bomben um 5 Uhr morgens. Gespräche aus ihren Verstecken in den Kellern, die ersten Versuche, dort in den Kellern weiter Programme zu erstellen, später über längere Zeit mobil Aufnahmen zu machen, an unterschiedlichen Orten, immer wieder Internetverbindungen aufzubauen, Stromaggregate zu finden und mehr.
Trotz des Krieges reiste ich in die Ukraine, um das Team vor Ort zu sehen und sie zu unterstützen. Auch nach zweieinhalb Jahren ist ihr Wunsch so stark, sich mitzuteilen, zu sprechen über das Erlebte, über ihre Verluste, ihre Ängste, ihre Verzweiflung. Jedes Mal wird mir klar: Die Mitarbeiter sind selbst Betroffene. Doch sie wollen Inhalte erstellen, die anderen Trost und Hoffnung geben.
Hier brauche ich viel Kraft, Verständnis und Feingefühl für die unterschiedlichen Schicksale und Themen der Teams. Ich erfahre aber immer wieder, wie Gott ihnen selbst Kraft und Hoffnung schenkt. Wie Gott Herzen berührt und Frieden schenkt. Frieden, der höher ist …
Gott schenkt Frieden?
In Zeiten des Krieges erkennen wir besonders, dass Frieden im Herzen nicht von äußeren Umständen abhängt. Der Frieden, den die Bibel meint, ist begründet in Jesus Christus. Wie die ersten Christen im Altertum unter dem Spott und den Drohungen ihrer Feinde predigten, so predigen auch wir heute unter dem schrecklichen Lärm der Explosion von Bomben über Liebe, Vergebung und Frieden. „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“ (Johannes 14,27).
Der Krieg wird eines Tages enden, doch die Narben, die er hinterlässt, werden bleiben. Es ist meine Verantwortung und die der Teams, durch unsere Programme schon jetzt einen Beitrag zur Heilung und Versöhnung zu leisten. Schon heute kann unsere Arbeit einen Unterschied machen, kann Frieden im Herzen stiften und eine Zeit des Friedens in der Region vorbereiten. Möge sie bald beginnen durch Gottes Erbarmen.