29.09.2015 / Filmrezension
„The Good Lie - Der Preis der Freiheit“
Vier Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Südsudan kommen nach Amerika und kommen mit der neuen Kultur nur schwer zurecht.
In den 80er Jahren des letzten jahrhunderts wütet im Sudan ein erbitterter Bürgerkrieg. Hunderttausende fliehen. Auch Mamere, Abital, Jeremiah, Theo und Paul haben ihre Eltern verloren. Die Kinder nehmen die Strapazen auf sich und fliehen durch die Wüste nach Äthiopien, doch auch dort treffen sie auf Soldaten. Ihr Weg führt sie nach Kenia – mit einem Treck anderer Flüchtlinge. Sie trinken ihren Urin, um zu überleben, dennoch verdurstet einer ihrer Brüder. Einige Gefährten werden erschossen, Bruder Theo wird von Soldaten gefangen genommen. Mamere, Abital, Jeremiah und Paul stranden letztendlich in einem Flüchtlingslager in Kenia.
Erst 13 Jahre später können sie dem dortigen Elend entfliehen und werden von den USA aufgenommen. Jedoch werden die Brüder von ihrer Schwester Abital getrennt. In Kentucky hilft den dreien Sozialarbeiterin Carrie, die ihnen Jobs besorgt und versucht, die einheimische Kultur zu erklären…
Erfrischend klischeefrei
Schwarze Einwanderer in den USA – das klingt nach einer finsteren Story, weil die Flüchtlinge vom Regen in die Traufe kommen könnten. Doch Amerika kommt hier erstaunlich gut weg. Kein Rassismus-Problem, auch die weiße Lady, die den drei schwarzen Wilden die Welt erklären muss, ist nicht das, was das Klischee hergibt.
Die „Frommen“ sind hier nicht die rettenden Amerikaner, sondern die Flüchtlinge. Sie haben die Wüste mit kaum mehr als ihren Kleidern und einer Bibel durchquert. Sie sind trotz allem für so Vieles dankbar – auch für das „amerikanische Wunderessen“ Pizza. Sie werden mit Problemen unserer modernen Gesellschaft konfrontiert und handeln dennoch nach ihrem Gewissen – entgegen jeder westlichen Übereinkunft.
© (c) Constantin / Paramount - DVD Cover
© (c) Constantin / Paramount - Flucht durch die Wüste
© (c) Constantin / Paramount - Jeder hilft jedem
© (c) Constantin / Paramount - Reese Witherspoon alias Carry hilft gern
© (c) Constantin / Paramount - The Good Lie
Dieser Film ist aktueller denn je
„The Good Lie“ ist ein einfühlsames Drama mit all den heiteren Untertönen, die der Zusammenprall der Kulturen eben zulässt. Der Zuschauer erlebt die Tragödie des Bürgerkriegs hautnah mit – dabei wird gerade so viel der Brutalität gezeigt, dass die FSK ihn noch ab 12 freigegeben hat. Jugendliche sollten jedoch meiner Ansicht nach gefestigt und mindestens 14 Jahre alt sein!
Verleih: Paramount
Regie: Philippe Falardeau
FSK: ab 12
Unsere Empfehlung: ab 14
DVD/BluRay im Handel erhältlich
Mehr Infos auf der Filmwebsite
Man ist nah dran an den Figuren, die hier sehr schnell zu Personen werden. Das reißt auch nicht ab, als die vier Geschwister nach Amerika kommen. Sie stehen im Mittelpunkt, weder die Helfer, noch der ins rechte Licht gerückte Star – Reese Witherspoon als Sozialarbeiterin Carrie. Das macht den Film so herzerwärmend und ist ein gutes Beispiel für uns heute – denn der Film könnte kaum aktueller in die Weltsituation sprechen. Man ist unwillkürlich angesprochen:
Wie kann ich den syrischen Flüchtlingen heute helfen? Was kann ich tun?
Die Darsteller waren selbst Flüchtlinge
Der sehr unsentimental erzählte Film gibt Pathos keinen Raum. Er zeigt bei aller Dramatik unterhaltsam und einfühlsam, wie traumatisiert die Menschen aus Kriegsgebieten sind – damals aus dem Sudan, heute aus Syrien, dem Irak oder dem Jemen. Die Darsteller waren teils selbst Flüchtlinge und ehemalige Kindersoldaten. Umso authentischer ist „The Good Lie“ – „Die Gute Lüge“ gelungen. Der ungewöhnliche Titel geht auf eine im Film thematisierte Interpretation von Mark Twains „Tom Sawyer“ zurück: Tom lügt die Weißen Verfolger an, er habe keinen entlaufenen Sklaven gesehen, und rettet damit seinem schwarzen Freund Jim das Leben.
Endbewertung:
Anspruchsvoller Film mit dem Aufruf zum selberhelfen!
| Action | ✓✓✓ | |
| Spannung | ✓✓✓✓ | |
| Aussage | ✓✓✓✓✓ | |
| Note | 1- |