16.09.2011 / Nachgedacht
Streit um Symbole: Wohin mit dem Kreuz?
Darf die Leinwand in einer Kirche das Kreuz verdecken? Ralf Mühe über theologische Deko-Diskussionen und die alles entscheidende Frage.
Symbole und Rituale sind für den Glauben wichtig. Handelt es sich dabei doch um Formen oder Abläufe, die Erinnerungspotential haben. Das Kreuz zum Beispiel. Die Frage ist jedoch, ob sie so wichtig sind, dass Christen sich darüber zerstreiten.
Viele Gemeindehäuser und Kirchen sind nicht beamergerecht gebaut. Sobald die Leinwand von der Decke abgefahren wird, ist das Kreuz verdeckt. Ist das hinnehmbar? Für einige Christen ist es das nicht. Andere versuchen zu entschärfen und schlagen vor, das Kreuz aus der Mitte weg an die Seite zu hängen. Da richten sie aber was an! Ähnliche Zerwürfnisse könnte ich über den Standort des Taufbeckens berichten.
Welche Bedeutung nimmt das Kreuz in meinem Leben ein?
Wir müssen schon gründlich vergessen haben, welche Berufung wir als Gemeinde haben, wenn wir uns über solche Dinge aufregen. Wichtiger als die Frage, ob das Kreuz in der Mitte oder an der Seite des Gemeinderaumes hängt ist doch: Welche Bedeutung nimmt es in meinem Leben ein?
In einer Gemeinde hatten sie die Streitfrage ganz pfiffig gelöst. Sie haben die Projektionswand aus vier Teilen zusammengesetzt, so dass die Natstellen die Form eines Kreuzes bildeten. Auf diese Weise ist das Kreuz immer zu sehen. Für mich als Fotoästhet wird damit jede Abbildung gestört. So ist für mich das Kreuz zum Ärgernis geworden. Aber ich habe dadurch die Botschaft besser verstanden als je zuvor.
Ralf Mühe ist Gemeinde-Referent beim Bibellesbund und regelmäßig unterwegs in Kirchen, Freikirchen, Gemeinschaften. Mehr von ihm lesen Sie in seinem Blog Gemeindeperspektiven.