21.10.2026 / Buchauszug
Sich lächerlich machen? Ja, bitte!
Jesus ist sich nicht zu schade, belächelt zu werden. Wie ist das mit mir? Buchauszug aus „Lass Gott den Vortritt“.
Hast du dich schon einmal bewusst lächerlich gemacht? Die meisten Menschen vermeiden das. Ich verstehe, warum. Kaum jemand mag das beschämende Gefühl, das damit einhergeht.
Doch Jesus hat es an einigen Stellen bewusst auf sich genommen. Für die Autorin Mandy Smith ist er darin ein Vorbild. Denn wo Jesus riskiert, belächelt zu werden, um einer wichtigeren Botschaft willen, wird klar: Es geht nicht um den schönen Schein. Es geht um etwas Tieferes.
In ihrem Buch „Lass Gott den Vortritt“ fasst Mandy Smith ihre eigenen ganz persönlichen Erkenntnisse über Gott, ihren Glauben und ihren Dienst als Pastorin zusammen. Wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung des R. Brockhaus Verlages einen Text aus ihrem Buch.
Ich habe die Geschichte von Jesu triumphalem Einzug schon tausendmal gelesen. Bisher fand ich nichts daran lustig. Fröhlich? Ja. Erwartungsvoll? Ja. Aber nie lustig. Der Humor beginnt bei der wunderbaren Verheißung auf den kommenden König, der triumphierend und siegreich einzieht (vgl. Sacharja 9).
Wir kennen das Bild: Krieger auf einem Kriegspferd, Herrscher mit glänzender Rüstung und wehenden Gewändern auf einem hohen Ross. Doch im gleichen Atemzug fügt Sacharja diesem Bild hinzu: „demütig und reitet auf einem Esel“ (Sacharja 9,9). Nicht nur auf einem Esel, sondern auf dem Fohlen eines Esels!
„Ich gebe euch einen Mann auf einem Esel“
Jesus weiß genau, was er tut, als er diese dramaturgische Szene mit genügend königlichen Elementen inszeniert, dass die Menge jubelt: „Gepriesen sei der König, der im Namen des Herrn kommt!“ (Lukas 19,38). Die Menschen denken an den triumphierenden König David. Erinnern sie sich auch an David, den Jüngsten in seiner Familie, den Letzten, der ausgewählt wurde? David mit der Schleuder und den Kieselsteinen? David, der hemmungslos tanzte?
Jesus denkt bestimmt daran. Deshalb richtet er in diesem Moment, als alle mit großen Erwartungen auf ihn sehen, ihren Blick auf etwas anderes. Er ist bereit, sich ein wenig lächerlich zu machen. Nicht, um diesen Moment lächerlich zu machen. Oh nein, der Moment und das, was danach kommt, sind sehr ernst. Der Ernst des Todes und der noch größere Ernst des Lebens.
Jesus hat trotz der Schwere eine Leichtigkeit an sich, eine unerwartete Respektlosigkeit, als er auf diesem Eselfohlen sitzt, das so klein ist, dass seine Füße beinahe über die Erde schleifen.
Ich male mir gern aus, wie Jesus die Erwartungen der Leute unterminiert und ihnen zeigt: Ihr setzt eure Hoffnungen auf einen mächtigen irdischen Herrscher? Ich gebe euch einen Mann auf einem Esel.
Was ist der eigentliche Schatz?
Diese Szene erinnert mich an Schatzsuchergeschichten. Nach vielen falschen Spuren finden sie den heiß begehrten Schatz in einem Tempel oder auf einem Berggipfel, öffnen die Kiste und entdecken darin nicht den erwarteten Schatz, sondern gähnende Leere. Oder manchmal sogar einen Spiegel.
Die Botschaft? „Du dachtest, du suchst einen Schatz, aber das viel größere Geschenk ist der Moment, in dem du zum Nachdenken kommst und dich fragst, welchen Schatz du tatsächlich suchst.“
Jesus ist bereit, sich ein wenig lächerlich zu machen, um uns die Augen dafür zu öffnen, welchen Schatz wir tatsächlich suchen.
Sich klein machen statt in Bewunderung schwelgen
Gestern in unserem Bibelkreis saß ich neben einer Frau, die mir schon vorher einmal erzählt hatte, dass sie manchmal an Panikattacken litt, aber ich hatte bisher noch keine miterlebt. Nun fing sie plötzlich an zu zittern.
Ich hielt ihre Hand und forderte sie auf, tief durchzuatmen. Dann bat ich die Gruppe, für sie zu beten. Allmählich ließ das Zittern nach und sie wurde ruhig.
Die Frau neben ihr flüsterte ehrfurchtsvoll: „Mandy, wie kannst du die Lasten einer ganzen Gemeinde tragen? Das könnte ich nie.“ Der Blick, mit dem sie mich ansah, tat gut. Ich wollte in ihrer Bewunderung schwelgen. Doch dann dachte ich an Jesus auf seinem Esel.
„Oh“, erwiderte ich mit einem scheuen Lächeln. „Ich bin nicht stark. Ich bin völlig unbedeutend. Ich habe keine Ahnung, wie ich hier helfen kann. Aber ich weiß, dass Gott mächtig ist. Ich weiß nur, dass ich Gott um Hilfe bitten darf.“
Die Menschen suchen bei uns, ihren geistlichen Leitern, ihre Hoffnung. Sie sind versucht, ihre Suche zu beenden, wenn sie uns gefunden haben.
Nach dem Motto: „Ich bin auf der Suche nach Gott in diese Gemeinde gekommen und habe einen Pastor gefunden.“ Mögen diese Menschen, wenn sie uns anschauen, sehen, wie wir auf Gott blicken.
Gebet zum Mitbeten
Vater,
ich bekenne, dass mir der bewundernde Blick von anderen gefällt. Die Bewunderung, die sie Präsidenten und Professoren entgegenbringen, schenken sie jetzt auch mir, und es fühlt sich an, als würde ich im warmen Sonnenschein baden.
Aber das, was damit verbunden ist, will ich nicht: die Erwartung, ich wäre göttlich.
Danke, dass sogar du, Gott der ganzen Schöpfung, ein Mensch warst, der sich weigerte, sich von uns vereinnahmen zu lassen.
Danke, dass du dich nicht geschämt hast, ein gewöhnlicher Mensch zu sein.
Danke, dass du bereit warst, dich auf wunderbare, heilige Weise lächerlich zu machen.
Lehre mich, auch so zu sein.
Amen.
Fragen zum Weiterdenken
1. Wo und inwiefern bist du versucht, dich bewundern zu lassen?
2. Inwieweit wird dadurch die Aufmerksamkeit – deine eigene und
die der anderen – von Gott abgelenkt?
3. Was musst du Gott bekennen, um davon frei zu werden?
4. Was musst du bekennen, um sich genauso lächerlich zu machen wie Jesus?
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