25.07.2014 / Serviceartikel
Sekte, Kirche, Endzeitfanatiker?
Antworten auf die 5 wichtigsten Fragen zu den Zeugen Jehovas
Steffen Schreinert berichtet in der Sendung ERF MenschGott von seinen Erfahrungen bei den „Zeugen Jehovas“. Als Kind wurde er Teil dieser Religionsgemeinschaft und es dauerte Jahre, bis er sich aus der festen Umklammerung der Gruppierung befreien konnte. Einige der wichtigsten Fragen in Bezug auf die weltweit aktive Organisation im Überblick.
ERF: Wer sind die Zeugen Jehovas?
Die Zeugen Jehovas verstehen sich als einzig legitime christliche, theologische Organisation. 2013 waren weltweit knapp 8 Millionen sog. Verkündiger aktiv. In Deutschland sind es knapp 165.000. Die Struktur der Organisation ist streng hierarchisch. Die „Leitende Körperschaft“, ein Gremium aus acht Männern, leitet die Geschicke der Organisation. Die Mitglieder der Zeugen Jehovas müssen ihren Anweisungen und Bibelinterpretationen strikt Folge leisten.
ERF: Sind die Zeugen Jehovas eine Sekte?
Die evangelische Zentrale für Weltanschauungsfragen (EZW) stuft die Zeugen Jehovas als Sekte schlechthin ein. Das liegt an den strengen Schulungen, gegenseitigen Kontrollen und der Forderung nach blindem Gehorsam. Außerdem lehnen die Zeugen Jehovas alle anderen Religionen als „falsche Religionen“ ab. Sie erwarten das baldige Weltendes. Die Ökumene lehnen die Zeugen Jehovas kategorisch ab.
ERF: Wie sind die Zeugen Jehovas entstanden?
Gegründet hat die Zeugen Jehovas eine Gruppe um Charles Taze Russell (1852-1916). Das erste Weltende erwartete er 1872/73. Danach gründete er einen eigenen Bibelstudienkreis, der 1879 die erste Zeitschrift herausbrachte. Diese Zeitschrift wurde später der „Wachtturm“. Ursprünglich wollte Russell überkonfessionell wirken.
Sein Nachfolger Joseph Franklin Rutherford (1869-1942) hat die Zeugen zu dem gemacht, was sie heute sind. Unter seiner Leitung wurden die Zeugen zu einer straff geführten Organisation. Grundlage der Lehre ist die „Heilige Schrift“ in der von der Wachtturm-Gesellschaft (WTG) genehmigten Form. Seit 1950 existiert mit der „Neue Welt Übersetzung“ (NWÜ) eine eigene Bibelübersetzung, deren Verlässlichkeit einige Bibelforschern anzweifeln.
ERF: Was glauben die Zeugen Jehovas?
Die Zeugen Jehovas glauben nicht, dass Jesus Gott ist und gehen davon aus, dass man das Ende der Welt berechnen und datieren kann. Sie gehen davon aus, dass Gottes heilsgeschichtlicher Plan in der Bibel verborgen niedergeschrieben ist. Deswegen müssen die Zahlen auf eine bestimmte, richtige Weise gedeutet werden. Die Bibel ist ihrer Ansicht nach wörtlich inspiriert. Alle Bibelstellen sind gleichwertig.
Das führt dazu, dass der Kontext der Bibelstellen eine bestenfalls untergeordnete Rolle spielt. Das erklärt beispielsweise die Ablehnung von Bluttransfusionen, Weihnachten, Geburtstagen und Fasching. Vorehelicher Geschlechtsverkehr, das Zusammenleben ohne Trauschein und Homosexualität können Gründe für den Ausschluss aus der Gemeinschaft sein.
Kriegsdienst lehnen die Zeugen ab, persönlicher Umgang mit Nicht-Zeugen ist unerwünscht und das Lesen von Aussteigerliteratur gilt als verwerflich. Die Anzahl der geleisteten für die Zeugen geleisteten Stunden werden Ende jeden Monats im sogenannten Predigtdienstbericht akribisch festgehalten. Das führt zu einem System aus Druck und hoher Angst.
ERF: Wie sollte man sich verhalten, wenn Zeugen an der eigenen Wohnungstür klingeln?
Streitgespräche mit Zeugen Jehovas sind – gerade für Laien – wenig sinnvoll. Die Zeugen Jehovas werden für diese Gesprächssituationen speziell geschult. Sagen Sie deutlich, dass sie keine weiteren Besuche wünschen. Sonst werden die Zeugen sogenannte „Rückbesuche“ versuchen. Das heißt, sie klingeln erneut an der Haustür. Machen sie deutlich, dass sie sich in ihrer Kirchengemeinde wohlfühlen und kein Interesse an Gemeinschaft mit anderen Gemeinschaften haben.
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