17.03.2014 / Andacht
Schuldig!
Was der Fall Hoeneß mich lehrt. Eine Andacht.
Der Fall Uli Hoeneß sorgte in letzter Zeit für großes Aufsehen: Der Präsident des FC Bayern München musste sich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Zuerst ging es „nur“ um 5,5 Millionen Euro, doch von Tag zu Tag zog sich die Schlinge um Hoeneß enger zu: Am Ende steht eine dreieinhalbjährige Haftstrafe und ein ramponiertes Image.
Mein Urteil: schuldig
Mit der steigenden Summe der Anschuldigungen vermehrte sich die Häme in der Berichterstattung und die Empörung der Bevölkerung. Liveticker präsentierten im Minutentakt das Ausmaß von Hoeneß‘ Schuld. Proportional dazu wuchs die Zahl der Befürworter einer Gefängnisstrafe. Denn: Schuld muss gesühnt werden. Das ist unser gedankliches System. Je mehr Schuldöffentlich wird, desto höher muss das Strafmaß sein.
Im Gegensatz zu Menschen weiß Gott alles was wir denken, sagen und tun. Würde er einen Liveticker für unsere bösartigen Gedanken, gemeinen Taten oder lieblosen Worte verfolgen, gäbe es wohl im Sekundentakt neue Meldungen. Allein das Fehlverhalten eines Tages würde ausreichen, um uns den Prozess zu machen und das Urteil „schuldig“ zu fällen.
Endlich Reinen Tisch machen
Aber Gott denkt in einem anderen System als wir. Er sagt: „Ich bin Gott und nicht ein Mensch; ich, der heilige Gott, komme, um dir zu helfen, und nicht, um dich zu vernichten.“ (Hosea 11,9) In dem Prozess um unser Fehlverhalten ist Gott der Richter. Doch zugleich stellt er uns den Verteidiger: seinen Sohn Jesus. Jesus hält nicht nur ein gutes Plädoyer für uns, sondern er benennt auch im Prozess klar unsere Vergehen. Gleichzeitig bietet er uns an, das gerechte Strafmaß selbst auf sich zu nehmen. Doch bin ich bereit dafür? Nehme ich den Verteidiger und sein Angebot in Anspruch?
Oft fällt es mir schwer: Ähnlich wie im Fall Hoeneß rücke ich vor Gott oft nur Stück für Stück mit der Wahrheit heraus und versuche, noch irgendwie mein Image zu retten. Doch das ist ein sinnloses Verhalten, das nur mir selbst schadet und den Prozess unnötig verlängert. Denn sowohl der Richter als auch der Verteidiger sind ja über die Sachlage bestens informiert. Je schneller und ehrlicher ich mein gesamtes Fehlverhalten bekenne, desto eher fühl ich mich von meiner Last befreit. Das nenne ich einen guten Start in die Woche: Mich nicht mehr mit einem schlechten Gewissen quälen, sondern mit Gottes Hilfe reinen Tisch machen und mit einem erleichtern Herzen in den Alltag starten.