28.10.2013 / Andacht
Salz sein.
Warum Christen sich nicht abkapseln dürfen. Eine Andacht
Das versehentlich ungesalzene Brot meiner Mutter habe ich direkt vor Augen, wenn ich an fehlendes Salz denke. Allein der Gedanke daran ruft bei mir sekundenschnell ein Ekelgefühl hervor. Diesen faden Geschmack konnte ich damals nur mit viel Kaffee und einer doppelten Portion Nutella übertünchen. Weil das Salz fehlte, war nichts mehr von dem Backtalent meiner Mutter zu schmecken. Dabei backt sie sonst wie eine Meisterin.
Anders sein
Auch Jesus findet faden Geschmack ungenießbar. Dabei geht es ihm nicht um ungesalzenes Brot, sondern um die Wirkung seiner Nachfolger in der Welt. Seine Jünger werden von ihm sensibilisiert: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn jedoch das Salz seine Kraft verliert, womit soll man sie ihm wiedergeben? Es taugt zu nichts anderem mehr, als weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.“ (Matthäus 5,14)
Er nutzt das ernüchternde Bild für seine Nachfolger, die nicht die Courage haben, sich offen zu ihm zu bekennen. Sie sind in den Augen Jesu nutzlos. Seine scharfen Worte verdeutlichen, wie sehr er sich wünscht, dass seine Nachfolger sich im persönlichen Umfeld von anderen Menschen unterscheiden.
Abkapseln ist sinnlos
Salz sein bedeutet aber nicht, dass ich mich ständig von einem Vereinsfest oder einer Betriebsfeier abkapsele, weil ich Angst vor schlechtem Einfluss habe und glaube, dass meine bloße Abwesenheit zeigt, dass ich Christ bin. Das ist Blödsinn. Salz sein kann ich nur, wenn ich den Kontakt zu meinen Kollegen und Bekannten suche und mich gerne auf sie einlasse. Nur durch vertrauensvolle Beziehungen und durch gute Gespräche habe ich erst die Chance, Impulse zu geben. Durch näheres Kennenlernen werden meine neuen Freunde feststellen, dass ich anders ticke und das meine Gottesbeziehung dafür ein Grund sein könnte.
Wenn ich momentan nur Beziehungen zu Christen habe: Kein Grund zur Panik. Schon dezente kleine Worte mit der Nachbarin oder ein ermutigendes Wort zur Frau, die auf dem Bus wartet, senken die innere Hemmschwelle. Vielleicht kann ich mich irgendwann auch auf ein wöchentliches Treffen mit meiner Nachbarin zum Laufen einlassen. Allein schon das lockere Gespräch beim Laufen schafft den Raum, offen über Gott und die Welt ins Gespräch zu kommen.
Ich möchte gerne Salz sein. Nah dran am Menschen, der Jesus noch nicht persönlich kennt.