04.04.2012 / Kommentar

Ruhe tut Not

Der Widerstand gegen das Unterhaltungsverbot am Karfreitag wächst. Schade, wo wir gerade heute diesen TÜV für die Seele brauchen.

Einmal im Jahr alles auf „Null“ stellen. Einmal im Jahr einen Ruhetag einlegen und im wahrsten Sinne des Wortes zur Besinnung kommen. Und zwar ganz bewusst und gemeinsam als ganze Nation.

Denn irgendwann einmal muss aufgearbeitet werden, was uns allen auf der Seele brennt. Der Tod des Mädchens in Emden zum Beispiel. Oder die sogenannten Dönermorde, wo allein schon die Wortwahl für diese Taten eine gesellschaftliche Entgleisung ersten Ranges darstellt. Oder die Frage, warum wir hier in der westlichen Welt auf Kosten der meisten anderen Menschen auf diesem Globus leben.
 

Schnell zurück zur Tagesordnung
Gerade der Karfreitag bietet dazu einen hervorragenden Anlass. Denn er handelt davon, wie der Mensch sich von sich selbst entfremdet hat, und wohin seine Gottesferne führt. Und dass er lieber bereit ist, Gott selbst am Kreuz zu opfern statt für seine eigenen Taten einzustehen.

Niemand will ich die Bereitschaft absprechen, darüber nachzudenken. Aber in unserer Mediengesellschaft reagieren wir nur noch reflexartig. Wenn ein Fußballtorwart sich das Leben nimmt, dann sitzen alle betroffen vor dem Fernseher. Wenn die Loveparade in einer Katastrophe endet, steht die Nation Kopf. Aber nur um danach wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Ein TÜV für die Seele
Wir brauchen einen Tag wie Karfreitag. Mindestens. Ein Bußtag zusätzlich würde uns auch nicht schaden. Jeder vernünftige Deutsche bringt sein Auto zum TÜV, damit der Wagen auch in Zukunft rollt. Die halbe Nation ist ständig auf dem Fitnesstrip, damit der Körper lange genug frisch bleibt.

Ich empfehle, das gleiche für den Kopf zu tun und für die Seele. Ja, der Karfreitag ist ein sperriger Feiertag. Ja, der Karfreitag handelt von Schuld und Sühne. Aber billiger geht es eben nicht.

Und gerade deshalb frage ich, ob wir uns diesen Tag mit seiner gesetzlich verordneten Ruhe für alle wirklich nehmen lassen wollen?
 

Autor/-in: Andreas Odrich