04.10.2012 / Buchrezension
Ritter des Ku-Klux-Klan
Autorin Damaris Kofmehl beschreibt in ihrem neusten Roman den Auf- und Ausstieg des Klanführes Richard C. Harris.
Außenseitertypen gelten als anfällig für starke Organisationen, d.h. Bewegungen, die besonders hierarchisch organisiert und ideologisch geprägt sind. Hier finden sie Anschluss in der Gruppe von Gleichgesinnten und können sich hocharbeiten. So gesehen gleicht das aktuelle Buch der Schweizer Autorin Damaris Kofmehl einem sich ständig wiederholenden klischeehaften Stereotyp: Richard C. Harrys, klein, schmächtig, unbedeutend, Außenseiter und in der Familie verkannt, kommt scheinbar zufällig mit einem Flugblatt des Ku-Klux-Klan in Berührung.
Damit beginnt seine steile Karriere in einer menschenverachtenden Geheimorganisation. Mit 18 Jahren ist er der Großdrache, d.h. Klanführer, des US-Bundesstaates Indiana. Er steht unter dem sogenannten "Fluch", der Verbindung von Rassismus und dem Nährboden der Sklaverei, wie er seit der Gründerzeit bis in die späten 60er Jahre in den Vereinigten Staaten noch sehr massiv möglich war.
Viele der weißen Siedler, die sich das Land ab ca. 1820 zu Eigen gemacht hatten, interpretierten 1. Mose 9,25 rassistisch, vor allem im Hinblick auf Menschen mit dunkler Hautfarbe. Sie gingen davon aus, dass der in diesem Text ausgesprochene Fluch über Kanaan den Afrikanern galt, und legitimierten so deren Unterdrückung. Diese Einstellung hielt sich hartnäckig in der Geschichte vieler amerikanischer Familien und wird in dem Buch als "Fluch" bezeichnet. Ein Fluch, dem man sich praktisch nicht entziehen kann, weil er einen packt und beherrscht: Ist ein Familienmitglied Rassist, oder Rassist gewesen, so kann sich der Fluch in der Familie fortsetzen - so heißt es zumindest innerhalb der Ku-Klux-Bewegung.
Doch Richard C. Harris kommt eines Tages mit der Bibel in Berührung und liest in ihr ohne jeglichen ideologischen Filter. Es kommt zum Bruch mit dem Klan und das Unmögliche geschieht: Richard C. Harries kann den Fluch durch die direkte Konfrontation mit dem Wort Gottes durchbrechen und findet den errettenden Glauben an Jesus Christus. Er kann sich aus den Fängen des Klans befreien und ein neues Leben beginnen. Eine starke Botschaft!
Gefahren extremistischer Verhaltensmuster
Damaris Kofmehl erzählt in Ritter des Ku-Klux-Klan eine spannende Geschichte aus der Perspektive des Hauptdarstellers, welche auf einer wahren Begebenheit beruht. Immer wieder fügt die Autorin dabei historische Hintergrundinformationen ein. Wer sich für den Ku-Klux-Klan früher und heute interessiert, findet in Kofmehls Buch einige Informationen über dessen Anfänge, Entwicklung und wichtige Stationen. Die 300 Seiten des Buches reichen jedoch nicht aus, um jede Entscheidung Richards nachvollziehen zu können. So erscheint die Geschichte oft eher einfach und plakativ.
Wenn man das Buch allerdings auf sich wirken lässt und genauer hinsieht, so werden die Gefahren extremistischer Verhaltensmuster deutlich. Offenbar ist es recht einfach, Menschen, die in einer bestimmten Weise ticken, zu erkennen und zugunsten einer Sache auszunutzen. Im Buch wird dies durch den Klan selbst deutlich, der sein potentielles Mitglied lange beobachtet und entsprechend ködert. Auch aktuelle Beispiele fallen dem Leser dazu ein: Etwa die Mitgliederwerbung der Neonazis, oder Manipulation von Nutzern auf Facebook sowie der ganze Bereich des Social Engineering, wo Menschen Geheimnisse durch geschickte Fragestellungen entlockt werden können.
Das Buch dient auch als warnendes Beispiel für die Gefahr, der man sich aussetzt, sobald man bemüht ist, sich aus solchen Verstrickungen wieder zu befreien. Besonders deutlich wird dies am Ende der Geschichte von Richard C. Harris. Hier zeigt sich, dass einen die Vergangenheit schnell wieder einholen kann. Kofmehl sagt deshalb sehr richtig, dass man gewisse Türen nicht wieder aufstoßen sollte, wenn sie einmal geschlossen sind.
Nach der Lektüre des Buches ist einem allerdings klar, dass es noch besser ist, manche Türen gar nicht erst zu öffnen - egal welchen Namen und welche Farbe der Extremismus hat, der sich hinter der Tür verbirgt. Dafür sensibilisiert diese Geschichte auf sehr schlichte und anschauliche Weise. Damaris Kofmehl hat hier ein Buch geschrieben, das nachdenklich stimmt und in unsere Zeit passt, in der extremistische Gruppierungen wieder häufiger aufzutreten scheinen.