27.05.2010 / Buchvorstellung
Ökumene - wozu?
Warum ist die Einheit zwischen den Kirchen für viele Christen so zentral? Das neu erschienene Buch „Ökumene – wozu“ geht dieser Frage nach.
Das zum 2. Ökumenischen Kirchentag ein Buch mit dem Titel „Ökumene – wozu?“ erscheint, ist nicht verwunderlich. Erstaunlich ist eher, dass ein Buch, welches das Anliegen der ökumenischen Bewegung positiv bewertet, im evangelikal geprägten Brendow Verlag veröffentlicht wird. Passt das zusammen?
Worum es geht
A.C. Mayer, Ökumene - wozu?
In der Einführung gibt das Buch einen Rückblick auf die Geschichte der Ökumene im vergangenen Jahrhundert. Wer sich noch nie eingehender mit der Bewegung beschäftigt hat, erfährt hier zum Beispiel, dass der Ökumenische Rat der Kirchen, kurz ÖRK, 1948 gegründet wurde und dass ihm heute 349 Mitgliedskirchen aus der anglikanischen, orthodoxen und protestantischen Kirche angehören.
„Was bedeutet die ökumenische Bewegung?“
Im ersten Teil „Ökumene – wie“ beschreiben Autoren aus unterschiedlichen Konfessionen, wie sie die ökumenische Bewegung beurteilen. Neben einem Vertreter der evangelischen, orthodoxen und der katholischen Kirche kommen hier auch ein Freikirchler und ein Autor mit kirchenkritischer Sicht zu Wort. Daneben werden die regionalen Perspektiven der Ökumene aufgezeigt: Wie beinhaltet die ökumenische Bewegung zum Beispiel im orthodoxen Russland? Welche Bedeutung hat sie im hinduistisch geprägten Indien?
„Was bewirkt die ökumenische Bewegung?“
Der zweite Teil des Buches dreht sich um die Frage, wozu Ökumene gut ist. Neben Autoren wie Gotthold Hasenhüttl – er hatte auf dem 1. Ökumenischen Kirchentag evangelische Christen zum katholischen Abendmahl eingeladen und wurde daraufhin vom Priesteramt suspendiert – kommen hier auch engagierte Laien zu Wort. Gabriele Schenk berichtet zum Beispiel über ihre Erfahrungen in einer konfessionsverbindenden Ehe. Thies Hagge, Pastor und Mitbegründer der Hamburger Arche, schreibt über Ökumene in der Kinder- und Jugendarbeit.
Thies Hagge, Ökumene - wozu?
Fazit
Die eingangs erwähnte Mischung aus Buchthema und Verlag und eine Skepsis gegenüber der ökumenischen Bewegung waren für mich Anreiz „Ökumene – wozu?“ zu lesen. Meine grundsätzlichen Vorbehalte zur Ökumene haben sich durch das Buch nicht aufgelöst. Dazu ist mir das Gottesbild sowie die Bedeutung von Jesu Leben und Sterben in der Ökumene zu unklar umrissen und die Ausrichtung mit dem Schwerpunkt soziale Gerechtigkeit zu einseitig. Trotzdem hat das Buch meine eigene Sichtweise in Frage gestellt. Es hat mich angeregt, darüber nachzudenken, wie ich selbst auf Christen anderer Konfessionen zugehe und wie ich die Beziehung zu ihnen im Sinne von Jesu Gebet um Einheit gestalten möchte. Ökumene im Kleinen also.
Und das Spannungsfeld evangelikaler Verlag und Ökumene? Ein Blick in das Selbstverständnis von Brendow hilft zu verstehen, warum das Buch dort erschienen ist. Da heißt es nämlich: „Zum andern konfrontieren wir ein christlich geprägtes Publikum mit einer Welt voller Zweideutigkeiten und Zweifeln. Der Brendow Verlag möchte ein Forum für unterschiedliche Positionen sein und so zur Diskussion und Annäherung einladen.“
Letzteres ist mit dem Buch „Ökumene – wozu?“ gelungen. Das Buch ist vor allem für Leser interessant, die sich einen ersten sachlichen Überblick zum Thema verschaffen wollen und einen Einblick in vor Ort gelebte Ökumene erhalten möchten.
Gehört Ihre Kirche zum ÖRK? Schauen Sie nach unter oikoumene.org/de/mitgliedskirchen.
Ökumene - wozu? Antworten auf eine Frage, die noch keiner gestellt hat
Koslowski, Jutta (Hrsg.)
Brendow Verlag
ISBN: 3865062903
192 S.
12,95 EUR (D)
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Bild: Brendow Verlag