16.07.2012 / Andacht

Mit leeren Händen

Hilfe von Gott nehmen wir gerne an. Aber nur so, wie wir sie erwarten.

Unser damals Dreijähriger entdeckte gerade seine Leidenschaft für Lego. Er war zwar noch auf dem Duplo-Level, aber er steckte die bunten Plastikklötze mit Ausdauer zu immer neuen und gewagteren Konstruktionen zusammen. Manchmal litt die Statik unter seinem Enthusiasmus, und dann kam der Notruf: "Papa, hilf mir!"

Leichter gewollt als getan - der Herr Sohn hatte sehr genaue Vorstellungen, wie diese Hilfe auszusehen hat: "Nein, das muss SO sein, nicht so!". Mit beiden Händen sicherte er sich die Kontrolle über den Legonachschub - aber zurecht kam er nicht.

"Selig sind die geistlich Armen", verspricht Jesus in der Bergpredigt (Matthäus 5) - die, die wissen, dass sie nur mit leeren Händen zu Gott kommen können. Wir Fromme haben oft beide Hände so voll mit unseren Problemen oder vermeintlichen geistlichen Errungenschaften, dass Gott unseren Notruf "Papa, hilf mir!" nicht beantworten kann. Es sei denn, wir schaffen es, loszulassen. Wieder andere trauen diesem Gott nicht, der sie "einfach so" liebt. Wertschätzung ohne Gegenleistung: Zu schwer zu glauben? Zu schön, um wahr zu sein?

Erst wenn ich meine eigene Bedürftigkeit vor Gott eingestehe, kann ich aus dem Vollen schöpfen, mich beschenken lassen, unverdient. Wer nicht mit leeren Händen dastehen will vor Gott, der kann keine Gnade kennen.

Für meinen kleinen Legobauer wünsche ich mir, dass er immer selbständiger wird, und dass aus ihm ein reifer, mündiger und von mir unabhängiger Mensch wird - so wachsen Kinder. Wachstum im Glauben verläuft genau in die andere Richtung: Der ist groß in Gottes Reich, der sich seiner Abhängigkeit von Gott voll bewusst ist. Der immer mit leeren Händen vor Gott steht. Und der sich hemmungslos von der Gnade Gottes beschenken lässt.

Sie haben es in der Hand...