22.08.2011 / Andacht
Mein Feind, die Angst
Unzufriedenheit und Blockaden mindern unseren Lebensmut und bremsen uns aus. Wie Sie deren Ursprung herausfinden und sie letztlich überwinden.
Ich bin langsam unterwegs – zu langsam. Das Treten ist anstrengend. Irgendetwas bremst mich. Ich steige ab, sehe mir mein Fahrrad an und stelle fest, dass der hintere Reifen fast platt ist und der vordere von der Bremse blockiert wird. Klar, das ist eine einfache Reparatur, keine große Sache. Doch was, wenn das Fahrrad eigentlich mein Leben ist und ich nicht mal weiß, was mich bremst?
Dann wird es schwieriger. Immer wieder habe ich festgestellt, dass ich nicht der Christ bin, der ich gerne sein will. Meine Liebe zu Jesus und meinen Mitmenschen ist nicht bedingungslos, die Kontrolle über das Fahrrad meines Lebens gebe ich sehr selten oder nur teilweise ab.
An den Stellschrauben drehen
Was also tun? Zunächst habe ich an der Oberfläche gekratzt. Ich dachte, dass vieles daran liegt, dass ich zu wenig bete, zu selten in den Gottesdienst gehe und zu sporadisch die Bibel lese. Keine Frage, das sind wichtige Eckpunkte christlichen Lebens. Doch als ich an dieser Stellschraube gedreht habe, hat sich wenig geändert – sieht man von dem Gefühl ab, ein wenig vor mich hinzufrömmeln.
Vielleicht braucht mein Leben mehr Anstoß von außen? Mein nächster Schritt führte mich also in die weite, witzige Welt der christlichen Ratgeberliteratur. Da gibt es viele wunderbare Bücher, etwa wie ich ein besserer Mann werden kann, wie ich eine glückliche Ehe führe oder den Tod meiner Oma verarbeite.
Zehn-Punkte-Pläne fand ich auch immer besonders lustig, nur leider wenig hilfreich. Genauso ging es mir mit den meisten Büchern.
Wildnis, Einsamkeit, Stimmen
Immer wieder habe ich gebetet: „Herr, zeig mir den Weg. Führe mich. Lass mich erkennen, was zu tun ist.“ Lange habe ich keine eindeutige Antwort bekommen. Ich habe also an den Symptomen gearbeitet, mein Leben aktiver gestaltet, neue Kontakte aufgebaut, Spaß gesucht.
Dann habe ich das Filmdrama „Frost/Nixon“ gesehen. Der zurückgetretene amerikanische Präsident Richard Nixon hat Angst, das Interviewduell mit David Frost zu verlieren. Er befürchtet, sich endgültig aus dem politischen Rampenlicht verabschieden zu müssen:
„Ich werde Ihnen mit allem kommen, was ich habe, denn das Rampenlicht kann nur für einen von uns scheinen. Für den anderen bleibt die Wildnis. Dort begleitet uns nichts und niemandem - außer das Läuten der Stimmen in unserem Kopf.“
Nackte, kalte Angst
Es erinnerte mich an einen biblischen Text: „Denn die Paläste werden verlassen sein, und die Stadt, die voll Getümmel war, wird einsam sein, dass Burg und Turm für immer zu Höhlen werden, dem Wild zur Freude, den Herden zur Weide.“ (Jesaja 32, 14)
Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das, was unter meiner Oberfläche lauert, das, was mich bremst, was meine Liebe mit Bedingungen versieht, ist die nackte, kalte Angst. Die Angst zu scheitern, zu versagen, aufzugeben. Mein ganzes Leben und Handeln ist letztlich von ihr bestimmt worden. Deswegen haderte ich mit mir selbst, deswegen war ich gehemmt. Mein Feind heißt Angst.
Vertrauen auf den Geist Gottes
Das war ein bedeutender Moment in meinem Leben. Denn zu wissen, wie der Feind heißt, ist sehr wichtig. Jetzt kann ich mir eine Gegenstrategie überlegen und sie anwenden. Jetzt kann ich endlich zielgerichtet beten und kämpfen.
Die Lösung meiner Probleme liegt nicht darin, die Angst zu umarmen, sondern Vertrauen zu üben. Ich muss mehr lernen, Gott alle Dinge hinzulegen und alles an ihn abzugeben. Dann wird mein Leben nicht mehr von meiner Angst bestimmt, sondern von der Hoffnung auf positive Veränderung. Das ist die Grundlage für ein besseres Dasein.
Doch ich weiß, dass ich das aus eigener Kraft nicht schaffen kann. Dazu brauche ich den Geist Gottes, so wie es auch bei Jesaja weitergeht: „so lange bis über uns ausgegossen wird der Geist aus der Höhe. Dann wird die Wüste zum fruchtbaren Lande und das fruchtbare Land wie Wald geachtet werden.“ (Jesaja 32, 15)
Daran will ich glauben. Dafür kann ich beten. Darauf darf ich vertrauen.