12.11.2010 / Mit Gott erlebt

Leichter leben

Eigentlich alles im Griff, dachte Elke J. – und machte dann die Erfahrung: Auch meine Verletzungen und Unsicherheiten sind bei Gott gut aufgehoben.

Eigentlich dachte ich, ich hätte es geschafft: Endlich, nach 48 Jahren angekommen. Bei mir selbst und bei Gott. Nach langem Ringen, Fragen und Gebet hatte ich eine Ausbildung zur Systemischen Beraterin gemacht. Dann mein erstes Seminar im Oktober, ein Seminarabend in einer befreundeten Gemeinde. Alles verlief sehr gut.

Mein Anliegen wurde sichtbar. Ich wollte Frauen ermutigen, näher hinzuschauen: Wofür ihr Herz schlägt, welchen großartigem Reichtum Gott in sie hineingelegt hat. Ich wollte sie dafür sensibilisieren, dass wir Frauen unsere Träume und Kreativität ernst nehmen dürfen und Gott sich darüber freut, wenn unser Leben aus dem Kokon herausbricht und sich zu einem wunderbaren Schmetterling entfaltet. Zusätzlich der Mut zur Bewerbung um eine Abteilungsleiterstelle an meiner Arbeitsstelle. Und auch wenn eine Absage kam: Immerhin hatte ich mir das endlich zugetraut.

Fängt alles von vorne an?
Eigentlich war alles bestens. O.K., es gab auch viel Stress und Panik vor den Seminaren. Urlaub mit wenig Schlaf, kaum Erholung, auch Erschöpfung, trotz der Halbtagsstelle. Langweile, Grübeln. Und dann auf einmal im August massive Schlafstörungen, drei Wochen lang. Panik kam auf und Fragen. Wechseljahre? Es folgten herrliche sechs Wochen mit wunderbarem Schlaf, dann aber wieder Schlafstörungen sowie ein Reinsteigern in unterschiedliche Sachen.

Eigentlich. Eigentlich hatte ich doch gelernt, damit besser umzugehen. Mich angestrengt. Eigentlich. Doch es klappte nicht so wie ich mir das vorstellte. Ziemlich verzweifelt fragte ich mich, was ich noch alles tun kann? Was habe ich falsch gemacht? Fängt alles von vorne an wie vor 14 Jahren? Warum ist es immer noch da, dieses kleine, verwundete und ängstliche Kind in mir. Kann ich überhaupt irgendetwas gut?

Ein vollkommen neuer Gedanke
Gott sei Dank wusste ich diesmal, dass wir Hand in Hand gehen, Jesus und ich. Dass er mich versorgt. So nahm er mich diesmal in den Arm und sagte mir zu: „Elke, ich habe noch so viel mit dir vor, hab keine Angst. Lass mich dich jetzt ein bisschen versorgen.“ Also nahm ich eine Baldrian und rief meine Psychologin an, um einfach mal wieder ein paar Gespräche zu führen. Hinzugucken. In mir wuchs die Gewissheit, ich bin gut auf der Arbeit und in meinen Seminaren. Ich werde gebraucht in vielen Facetten meines Lebens. Mit Schlafen bin ich eben nicht so gut. Das ist in Ordnung. Da kann ich mir helfen lassen. Ein für mich vollkommen neuer Gedanke.

Und das kleine Kind in mir? Das gehört wohl zu mir. Ich darf es lieb haben. Es ist nicht hässlich, dumm und blöd. Es braucht manchmal einfach ein paar Streicheleinheiten. Trotzdem bin ich auf den Weg, mittendrin, getröstet und geliebt. Auch wenn ich mich gerne anders hätte: leichter, cooler, souveräner. Doch ich bin nicht allein. Gott sagt mir zu: „Du bist meine geliebte Tochter Ich freue mich über Dich. Und das, was ich in dir angefangen habe, das werde ich auch vollenden.“