06.06.2011 / Kirchentag
Konsens der Kerzen
Warum Andreas Odrich den Mut-Bürgern des Kirchentags mehr Mut für den nächsten Kirchentag 2013 in Hamburg wünscht. Ein Kommentar.
Mut-Bürger hat Katrin Göring-Eckart, die Präsidentin des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages, die Teilnehmer getauft. Ihre Bilanz: Friedlich sei es zugegangen. Aufmerksam habe man einander zugehört und sich ausreden lassen. In der Tat, das ist ein gutes Zeichen in einer Gesellschaft, die vor allem Brüllshows aus dem Fernsehen kennt, und Menschen, die als Wut-Bürger scheinbar prinzipiell gegen alles sind. Das macht Hoffnung. Hoffnung darauf, dass unsere Demokratie auch in Zukunft stabil bleiben kann, dank Menschen wie den Kirchentagsteilnehmern.
Das Motto in Dresden entlehnt aus der Bergpredigt: „Da wird auch dein Herz sein.“ Die Themen wie immer auf evangelischen Kirchentagen geprägt von der aktuellen gesellschaftlichen Debatte: Gerechte Weltwirtschaft, Ausstieg aus der Atomenergie. Und auf der religiösen Seite: Dialog mit den Muslimen. Doch hier muss eine kritische Bemerkung gestattet sein: Abschied vom Mammon, ja bitte! Eine gerechtere Weltordnung, ja gerne! Eine saubere Umwelt, am liebsten sofort! Wer wollte das nicht unterschreiben.
Missionarisch waren die Humanisten
Merkwürdig unscharf in der Darstellung auf dem Kirchentag blieb bei allem aber der, auf den diese Worte zurückgehen. Jesus Christus. Und der ist mit seinen Äußerungen beileibe nicht auf Sommerabendharmonie gebürstet wie beim Konsens der Kerzen am Dresdener Elbufer. Jesus nennt das Evangelium ein zweischneidiges Schwert. Jesus ruft jeden Menschen persönlich zu Umkehr, Buße und Nachfolge auf. Schuld für alles ist bei ihm keine abstrakte Wirtschaftsordnung, sondern immer auch der einzelne Mensch. Wo liege ich schief? Wo zeige ich mit Fingern auf andere, statt meine eigene Rolle zu prüfen? Wann und wo beziehe ich Gott überhaupt noch mit ein, und darf er mich persönlich auch infrage stellen?
Vielleicht ist die Botschaft des Kirchentages versehentlich doch eher die: Wir werden es schon irgendwie schaffen, weil wir es für ein paar Tage schön hatten in Dresden.
Wirklich missionarisch auf dem Kirchentag waren vor allem die Humanisten: Sie hatten in der Dresdener Neustadt eine Gegenveranstaltung gestartet unter dem Motto: „Da wird auch dein Hirn sein.“ Sie suchten bewusst die herausfordernde Debatte mit Christen. Sie wollten wissen, ob der Mensch sich vor einem Gott verantworten muss, oder ob er nicht ganz allein auf sich gestellt ist und die Kerzen am Elbufer das neue Opium fürs postmoderne Kirchenvolk sind.
Lieber christliches Herzchen als atheistischer Hirni
Ich persönlich bekenne es gerne: Ich bin lieber ein christliches Herzchen als ein atheistischer Hirni. Ich setze lieber auf Gottes Gericht und auf Gottes Gnade statt eines Tages in einem schwarzen, sinnlosen Nichts zu enden.
Und deshalb wünsche ich dem 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg im Jahr 2013 mehr Mut. Mut, um mit den Bürgern über die Grundfesten des Evangeliums von Jesus Christus zu streiten, aufmerksam auf ihn zu hören und auf Menschen, die ihre brennenden Fragen dazu haben – und dies dann natürlich herzlich gerne auch bei Kerzenschein an der Elbe.
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