10.04.2012 / Themenwoche Weltuntergang
Kommt 2012 der Weltuntergang?
Sind Kriege und Katastrophen Vorboten des Weltendes? Was Maya-Kalender, Endzeitpropheten und Jesus dazu sagen.
Der Maya-Kalender endet am 21.12.2012. Für esoterische Endzeitverkündiger ist damit sicher: An diesem Tag geht die Welt unter. Den Maya-Kalender sehen sie im Einklang mit anderen populären Endzeitvorhersagen, zum Beispiel von Nostradamus und dem Bibelcode. Sie rechnen daher für dieses Jahr mit furchtbaren weltweiten Erschütterungen: schwere Naturkatastrophen, Zusammenbruch der Weltwirtschaft, atomarer Terroranschlag, dritter Weltkrieg, Kometeneinschlag.
Die breite Öffentlichkeit hat durch die Medien ebenfalls vom Maya-Kalender Notiz genommen. Zu diesem möglichen Weltuntergangsszenario scheinen die aktuellen internationalen Krisen perfekt zu passen. Der Euro schwächelt, der globale Finanzmarkt taumelt, immer wieder ereignen sich schwere Naturkatastrophen. Außerdem schwelen zwischen Atommächten Konflikte mit unabsehbaren militärischen Folgen für die ganze Welt, wenn sie ausbrechen sollten.
Wie lassen sich diese Ereignisse und Konflikte einordnen? Stehen sie tatsächlich in einer Verbindung zu den Weltuntergangsvorhersagen für 2012?
Was der Maya-Kalender wirklich sagt
Seriöse Wissenschaftler auf dem Gebiet der Maya-Foschung geben für 2012 Entwarnung. Laut ihren Aussagen bleiben die alten Mayatexte nebulös, sie erwarten für dieses Datum die „Herabkunft“ eines wenig bekannten Mayagottes namens Bolon Yokte´K´uh. Doch deswegen ging für die alten Maya nicht gleich die Welt unter.
Nicolai Grube von der Universität Bonn, Experte über den Maya-Kalender, sagt gegenüber „National Geographic Deutschland“: „Dieser Tag ist eine Zäsur wie für uns der Wechsel vom Jahr 1999 auf das Jahr 2000.“ Die Maya dachten nämlich nicht linear, sondern zyklisch. Nach dem 21.12.2012 beginne für die Maya einfach nur ein neuer Zeitzyklus mit einer neuen Zeitrechnung, die Welt jedoch bleibt bestehen.
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Bild: tiefpics/ photocase.de |
| Cool bleiben oder in Panik verfallen - die Bibel gibt darauf die Antwort. |
Endzeitvorhersagen behalten ihre Faszination
Doch was bringt es, wenn Wissenschaftler diese Weltuntergangsphantasie entkräften? Wer den Maya-Kalender anders deutet, lässt sich davon nicht beirren. Überzeugte Anhänger von Nostradamus oder vom Bibelcode lassen diese Aussagen ebenfalls kalt.
Warum aber bewegt ein möglicher Weltuntergang immer wieder so viele Menschen? Besonders in Krisenzeiten tauchten diese Prophetien auf - so wie heute. Dann treffen sie auch immer wieder bei verunsicherten Menschen auf offene Ohren. Wer verängstigt ist, sieht seine Befürchtungen bestätigt und bleibt für nüchterne Gegenargumente oftmals taub.
Doch nicht nur Ängste spielen bei der Endzeiterwartung eine Rolle, sondern auch Hoffnungen. Die Sehnsucht vieler Menschen nach einem Ende der problembeladenen Gegenwart und die Erwartung eines neuen, besseren Zeitalters ist wahrscheinlich ebenfalls ein Grund, warum Weltuntergangsvorhersagen nie aus der Mode kommen werden.
Christliche Erwartungen der Endzeit
Erliegen auch Christen der dunklen Faszination eines möglichen Weltuntergangs?
Ein Blick in die Geschichte des Christentums scheint dies zu bestätigen. Es macht den Eindruck, als hätten Christen durch die Jahrhunderte das Weltende in aller Regelmäßigkeit erwartet, vielleicht sogar herbeigesehnt – aber all diese Vorhersagen erfüllten sich nicht.
Bereits der Apostel Paulus sowie die ersten Christen lebten in Erwartung eines baldigen Weltendes. Dies lässt zum Beispiel 1Thess 4,17 vermuten. Mit Spekulationen über ein konkretes Datum hielten sie sich jedoch zurück.
Spätere prominente Vertreter der Annahme eines baldigen Weltuntergangs sollen zum Beispiel Papst Sylvester II und Martin Luther gewesen sein. Papst Sylvester II. soll den Weltuntergang für den 31.12.999 befürchtet haben, Luther soll drei Mal ein falsches Jahr angegeben haben: 1532, 1538 und 1541.
Genaue Endzeitberechnung
Andere christliche Leiter versuchten sich ebenfalls daran, ein Endzeitdatum anzugeben. Zum Beispiel Pfarrer Michael Stifel, ein Freund Luthers in Sachsen. Er berechnete den Weltuntergang für den 19. Oktober 1533 um 8 Uhr früh. Viele Menschen glaubten ihm. Als um 9 Uhr die Welt nicht untergegangen war, wurde er festgenommen und für eine Weile in Wittenberg unter Hausarrest gestellt.
Ein anderes Beispiel ist William Miller, ein Gründungsvater der heutigen Adventisten. Er datierte den Weltuntergang auf 1843, ihm folgten ebenfalls viele Menschen. Als sich 1844 unser Planet immer noch weiter drehte, geriet die Bewegung in eine schwere Krise, einige Anhänger formierten sich danach zu den Siebten-Tags-Adventisten. Auch die späteren Zeugen Jehovas, die für ihre missglückten Endzeitvorhersagen traurige Berühmtheit erlangten, waren adventistisch beeinflusst.
Der aktuellste christliche Irrtum hinsichtlich des Weltuntergangs stammt offenbar von einem amerikanischen Rundfunkprediger: Harold Camping. Er berechnete den 21. Mai 2011 um 18.00 Uhr als Ende der Welt. Natürlich war auch ihm nach diesem Datum Hohn und Spott einerseits und Enttäuschung seiner Anhänger andererseits sicher.
Was Jesus über das Datum der Endzeit sagte
Jesus selbst hatte davor gewarnt, einen genauen Termin für seine Wiederkehr und für das Weltende zu nennen. Im Markusevangelium sagt er: „Doch den Tag oder die Stunde, wann das Ende da ist, kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel – nicht einmal der Sohn. Nur der Vater kennt sie.“ (Mk 13,32).
Allein schon aus diesem Grunde kann man sich als Christ hinsichtlich jeglicher Datumsangaben für den Weltuntergang entspannt zurücklehnen. Aussagen dieser Art sollten für Christen eigentlich ohne jede Bedeutung sein.
Warum Christen verlockt sein können, ein Endzeitdatum anzugeben
Daher stellt sich die Frage: Kannten und kennen all die christlichen Verkünder eines konkreten Zeitpunkts für den Weltuntergang diese Aussage Jesu nicht? Immerhin hielten und halten sich die oben genannten Personen für bibelfeste Christen. Trotzdem erlagen sie der Versuchung, das Ende der Welt zu datieren. Einige Gründe dafür lassen sich erahnen.
Pfarrer Michael Stifel zum Beispiel war Mathematiker. Seine Berechnungen, inspiriert von biblischen Texten, haben ihn zu bestimmten Annahmen verleitet. In seinem „Rechen-Büchlin vom End-Christ“ ersetzte er Buchstaben durch Zahlen und addierte sie.
- Kriege und Erdbeben
- Hungersnöte und Seuchen
- falsche Christusse
- falsche Propheten
- Verfolgung der Christen
- Ausufernde Gesetzlosigkeit
- "Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte"
So kalkulierte er zum Beispiel für einige Papstnamen biblische Zahlen, die den biblischen Büchern Offenbarung und Daniel entnommen sind: 666, 1260, 1290 und 1335. Dies bestätigte ihn in der Annahme, die Endzeit berechnen zu können. Er irrte sich also hinsichtlich seiner Auslegung der Bibel.
Andere Prediger und charismatische Führer wiederum haben mitunter mit der Ankündigung des Weltuntergangs versucht, Menschen zu manipulieren und sie als Gefolgschaft an sich zu binden.
Christen sollen die Zeichen der Zeit beachten
Diese Irrtümer der Vergangenheit haben viele Christen verunsichert. Sie scheuen sich daher davor, sich überhaupt noch mit dem Thema „Endzeit“ auseinanderzusetzen. Ganze Flügel der Christenheit hüllen sich heute zu dieser Frage fast vollständig in Schweigen.
Jesus selbst schwieg darüber nicht. Er nennt zum Beispiel im Matthäus- und Markusevangelium viele Zeichen, an denen man die Endzeit erkennen kann (Mt 24-25, Mk 13), in der Offenbarung äußert er sich zu diesem Thema mit einem ganzen biblischen Buch (Offb 1,1).
Jesus nennt zum Beispiel Kriege, Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben als " Beginn der Wehen" (Mt 24,6-8). Weitere Zeichen sind das Auftreten von „falschen Christussen“ und „falschen Propheten“ als Zeichen der Endzeit. (Mt 24,24) Andere Zeichen sind eine weltweite Verfolgung der Christen (Mt 24,9) und das Überhandnehmen der Gesetzlosigkeit (Mt 24,12). Ein geheimnisvolles Zeichen ist der „Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte“ (Mt 24,15). Um dieses Zeichen zu entschlüsseln, braucht man Kenntnis des Buches Daniel. Jesus ermahnt seine Jünger, diese Zeichen der Zeit zu beachten:
„Lasst euch vom Feigenbaum eine Lehre geben: Wenn der Saft in die Zweige schießt und der Baum Blätter treibt, dann wisst ihr, dass der Sommer bald da ist. So ist es auch, wenn ihr dies alles geschehen seht: dann wisst ihr, dass das Ende unmittelbar bevorsteht.“ (Mk 13,28-29).
Ein genaues Datum über das Ende der Welt gibt es in der Bibel nicht. Aber die Zeichen der Endzeit zu kennen bewahrt Christen davor, auf Irrwege zu geraten oder in schwieriger Lage zu verzweifeln (Mt 24,4-14). Christen sollen Jesu Wiederkehr wachsam und tätig erwarten, damit er sie bei seiner Rückkehr nicht überrascht und unvorbereitet antrifft (Mk 13,32-37). Das geht auch ohne unnötige Panikmache und Endzeithysterie.