01.07.2013 / Gedanken zum Monatsspruch im Juli

Kein Platz für Muffensausen

Wie Gott unsere Furcht besiegt. Eine Andacht.

Angst hat niemand gern. Angst macht hilflos – dennoch werden wir immer wieder damit konfrontiert. Wir fürchten uns, dass ein geliebter Mensch stirbt oder davor, unseren Job zu verlieren. Hinzu kommen noch die kleinen Ängste: die Angst zu verschlafen oder uns zu blamieren.

Vorsicht ist besser als Nachsicht?

Sehr schnell vereinnahmen diese Ängste unser Denken. Dann bestimmen plötzlich folgende Fragen meinen Alltag: „Was sagen bloß meine Studienkollegen, wenn ich erzähle, dass ich auch in eine Gemeinde gehe?“ oder „Schaffe ich mein Studium trotz Mitarbeit in der Gemeinde?“ Nichts scheint mehr wichtiger als diese Fragen – und mein Auftrag als Christ bleibt auf der Strecke.

Denn vor allem an Stellen, wo es darum geht, mit seinem Glauben nicht hinterm Berg zu halten, werde ich trotz großer Klappe gerne kleinlaut. Es ist nicht immer leicht, in einer Gruppe von Nichtchristen zum eigenen Glauben zu stehen. In einer ähnlichen Situation steckte Paulus in Apostelgeschichte 18. Er hielt sich gerade in Korinth auf und hatte den Juden das Evangelium gepredigt. Seine bisherige Reise war holprig gewesen und Paulus hatte allen Grund, auch in Korinth Schwierigkeiten zu erwarten. Schließlich wurde er bereits in Philippi in den Kerker geworfen. Also wäre Vorsicht geboten, oder etwa nicht?

Warten auf die Stimme aus dem Off

Aber Gott sieht das anders. Er spricht nachts durch eine Erscheinung zu Paulus und sagt ihm zu: „Fürchte dich nicht, sondern rede, und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll dich angreifen, dir Böses zu tun; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.“ (Apostelgeschichte 18, 9-10)

Wow, wenn Gott so in meine Angst hinein reden würde, dann hätte ich keine Angst. Aber erst mal gilt es genauer hinzuschauen. Diese Bestätigung für Paulus kommt interessanterweise in einer Situation, wo zwar Probleme zu erwarten sind, es aber auch großen Grund zur Freude gibt. Denn am Tag zuvor hat Paulus erlebt, wie sich Krispus, der Vorsteher der Synagoge in Korinth, bekehrt hat. Wieso braucht es dann überhaupt Gottes Eingreifen?

Aus dem einfachen Grund, weil Paulus auch kein geistlicher Superheld war. Vermutlich lag er nachts grübelnd wach und dachte: „Herr, nun hat sich zwar Krispus bekehrt, aber woher weiß ich, dass es nicht wie in Philippi wird? Dort wurde ich anfangs auch freundlich aufgenommen und dann bin ich doch im Kerker gelandet.“ In dieser Situation spricht Gott ihm ganz konkret zu: „Fürchte dich nicht!“ So ein „Fürchte dich nicht“ wünsche ich mir auch oft, am besten durch eine Stimme aus dem Off, sodass ganz klar wird: Hier redet Gott.

Mund auf!

Dann wäre es auch leichter zu meinem Glauben zu stehen, wie Paulus es tat. Mir drängt sich die Frage auf, wieso ich Gott nie so eindeutig erlebe. Doch je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr erkenne ich Gottes Führung und Bewahrung in meinem Leben – und das sogar ohne Stimme aus dem Off. So fiel die Reaktion der Kommilitonin doch positiver aus als gedacht. Im Nachhinein war ich froh, nicht geschwiegen zu haben. Ich erfuhr, Gott ist bei mir.

Diese Erfahrung macht auch Paulus. Mehr als anderthalb Jahre bleibt er in Korinth und dort wächst eine riesige Gemeinde. Gut, dass er nicht der Angst nachgegeben und geschwiegen hat. Den Mund aufzumachen, auch wenn ich mit Gegenwind rechne, das möchte ich von Paulus lernen. Schließlich weiß ich, dass Gott auch bei mir ist, wenn ich sein Wort verkünde. Mir gilt ebenso wie Paulus sein „Fürchte dich nicht“, aber daran schließt sich auch die Aufforderung an, nicht zu schweigen. Wage ich es?

Autor/-in: Rebecca Schneebeli