24.03.2014 / Andacht

Jesus zieht um

Wohin bewege ich mich, wenn Gott mein Herz bewegt?

Wenn ein Umzug ansteht, herrscht viel Trubel. Zum Glück ist es heute nicht meiner. Ich helfe nur mit. Leute drängen sich durch das Treppenhaus des Mehrfamilienhauses. Hoch in den dritten Stock und wieder hinunter, immer wieder.

Heute bin ich Umzugshelfer, so hat es mich in diesen Stadtteil verschlagen. Da, wo ich herkomme, beschreibt man diesen Teil der Stadt als „sozialen Brennpunkt“. Die Menschen, denen ich hier beim Umzug helfe, kenne ich durch einen gemeinsamen Gemeindebesuch.

Geschrei an der Kasse

Der LKW ist fast voll, ich bin fokussiert: Bald ist es geschafft. Dann kann ich heim und unter die Dusche. Doch Gott ist der Meinung, ich solle heute nicht nur beim Umzug helfen, sondern auch etwas für die Zukunft lernen. Am Fenster der Wohnung im Erdgeschoss fällt mir ein kleiner Junge auf, der das Umzugstreiben mit seiner Mama beobachtet. Der Kleine sieht – pädagogisch betrachtet – nicht besonders gut versorgt aus. Ein frecher Kerl sei er, erfahre ich aus dem Smalltalk mit der Mutter. Er wolle immer eine bestimmte Süßigkeit haben, wenn er mit den Eltern einkaufen ist. Da gebe es jedes Mal Geschrei im Laden, erzählt sie.

Da passiert es: Äußerlich bleibe ich zwar cool und souverän, innerlich aber schießen mir die Tränen in die Augen. Der kleine Kerl tut mir einfach leid. Seine Situation, die Umstände, in denen er aufwächst, das ganze Paket. Sein Lebensweg scheint vorherbestimmt zu sein – und er sieht nicht besonders rosig aus. Wie soll ich mit diesem Leid vor meinen Augen umgehen? Ich wollte doch nur beim Umzug helfen und dann wieder verschwinden!

Jesus im sozialen Brennpunkt

Jesus versteht meine Gefühle gut. Oft wurde er in seiner Zeit auf der Erde ebenfalls ergriffen von dem Leid, das er vorfand. Zum Beispiel, als er eine Frau sah, die um ihren toten Sohn trauerte: „Und als der Herr sie sah, wurde er innerlich bewegt über sie und sprach zu ihr: Weine nicht!“ (Lukas 7,13).

Um an diesen Ort voller Leid zu gelangen, hatte Jesus einen weiten Weg auf sich genommen. Ich musste mich nur ins Auto setzen und von unserer schönen Wohnung aus fünf Minuten fahren, um den strukturschwachen Stadtteil zu erreichen. Jesus hingegen verließ die Herrlichkeit, die er bei seinem Vater hatte, und kam auf die Erde, um sich mit dem Leid der Menschen auseinanderzusetzen.

Der kleine Kerl braucht Ihre Hilfe

Soweit – so gut. Aber was Jesus für Leidende tat, muss auch bei dem kleinen Kerl auf der Fensterbank ankommen. Ich hatte in diesem Moment keine bessere Idee, als ihm zwei Euro für seine Lieblingssüßigkeiten in die Hand zu drücken. Doch das war nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein.

Hier kommen alle anderen ins Spiel, deren Herz Gott hin und wieder anrührt. Vielleicht kann ich nicht allein das Leben dieses kleinen Jungen ändern, aber ich bete dafür, dass Gottes Liebe ihn erreicht und in diesen Stadtteil hineinwirkt. Handeln statt Wegschauen, darum geht es. Deshalb bitte ich Sie, liebe Leser: Tun sie, was möglich ist. Begeben Sie sich mit mir aus der Komfortzone. Trauen sie sich, Menschen nach ihren Bedürfnissen zu fragen. Denn wir sind Gottes Arm in dieser Welt – und sie braucht uns mehr denn je.