09.09.2016 / Kommentar
In der Burka auf die Alm?
Wieso die Diskussion um das Verschleierungsverbot gerechtfertigt ist.
Wenn ich in einem meiner Lieblings-Urlaubsorte in Bayern durch die Innenstadt laufe, kommen mir immer öfter ganze Pulke von verhüllten Frauen in schwarzen Gewändern entgegen. Selbst auf Wanderwegen zwischen Kuhherden und Holzhütten begegnet man ihnen. Ganz egal, ob es Touristen oder Migranten sind – auf mich wirkt dieses Bild irritierend und befremdlich. Die Schleiervarianten Burka und Nikab verhüllen das Gesicht so, dass nur noch die Augen zu sehen sind, beziehungsweise sich auch davor noch ein Gitter befindet. Beide Schleier sind zudem schwarz, was dem Ganzen kein besonders freundliches Aussehen gibt. Ich fühle mich unwohl, weil das Bild von schwarz verschleierten Personen nicht in mein gewohntes Umfeld passt. Ich empfinde es als einen Fremdkörper.
Als unangenehm würde ich die Vollverschleierung auch dann empfinden, wenn Burkas nichts mit dem Islam zu tun hätten, sondern zum Beispiel zu einer neuen Modeform gehören würden. Schließlich weiß ich nicht, wer darunter steckt und welchen Grund derjenige hat, sich nicht zeigen zu wollen. Die Identität der auf mich zukommenden Person ist für mich nicht geklärt – kein Wunder, dass ich misstrauisch werde. Burka oder Nikab sind allerdings nicht nur Tücher, die zu einem bestimmten Kleidungsstil gehören – sie transportieren vielmehr eine eindeutige Botschaft, der ich nicht zustimmen kann. Deshalb bin ich der Meinung, dass ein Verschleierungsverbot in Deutschland durchaus gerechtfertigt ist.
Die Stellung der Frau im Islam und ihre Integration
Laut traditioneller islamischer Vorstellung müssen die muslimischen Männer vor der zerstörerischen Kraft der Weiblichkeit geschützt werden. Deswegen soll sich die Frau nach der Auslegung der meisten Gläubigen verschleiern und damit für die Männer kontrollierbar werden. Für mich bedeutet das: Viele muslimische Frauen werden von Geburt an in ein Korsett gesteckt, das angestaubten Traditionen und der fehlenden Anpassung des Islams an die Moderne entstammt. Und das, obwohl der Koran in Sure 7,189 beschreibt, dass Frau und Mann den gleichen Ursprung haben. Ich frage mich: Müssten sie dann nicht auch die gleichen Rechte haben? Und zwar das Recht zu entscheiden, wie sie sich kleiden wollen? Doch das bleibt vielen Frauen verwehrt. Nikab oder Burka sind ein Zeichen dieser Diskriminierung. Deswegen sollte dem wenigstens in den westlichen Ländern Einhalt geboten werden.
Der Islam ist wie das Christentum in verschiedene Gruppen gespalten. Aleviten kennen zum Beispiel kein Kopftuchgebot. Wohingegen es für andere islamische Gruppierungen ganz klar zur Auslebung ihrer Religion gehört, dass Frauen ein Kopftuch tragen. Manche tun das eher locker um den Kopf geschwungen und erachten es vielleicht wirklich mehr als ein modisches Detail – andere tragen es fest und lassen keine Strähne herausfallen. Die Vollverschleierung ist ein Resultat der sehr strengen Auslegung von islamischen Gemeinschaften, wie zum Beispiel den Wahhabiten.
Diese tun sich jedoch in unserer Gesellschaft nichts Gutes damit, ihrer radikalen Auslegung der islamischen Kleidervorschriften Folge zu leisten. Denn dadurch, dass eine extreme Verschleierung oft auch einem extremen islamischen Glauben zugeordnet wird, empfinden viele Deutsche Abneigung oder gar Angst vor ebendiesen Gläubigen. Der Islam – und da wird oft kein Unterschied zwischen extrem oder gemäßigt gemacht – hat momentan in Europa einfach keinen guten Ruf.
Eine Muslima im Ganzkörperschleier strahlt außerdem eines sicher nicht aus: Den Willen zur Integration in Deutschland. Es fällt schwer, einer vermummten Gestalt Vertrauen entgegen zu bringen. Noch schwieriger wird es, wenn sie der Religion angehört, die durch vermehrte islamistisch motivierte Terroranschläge in Europa in ein immer schlechteres Licht rückt. Gleichzeitig steht die Verhüllung wie eine Mauer zwischen der westlichen Kultur und der Heimatkultur der Moslems. Die Vollverschleierung erweckt den Eindruck, dass die Burka-Trägerin und eventuell auch die dazugehörige Familie es vorziehen, in einer Subkultur zu leben und sich dadurch automatisch von ihren Mitbürgern abgrenzen.
Wir müssen unsere christliche Kultur schützen
Ich glaube deshalb, dass ein sogenanntes Verschleierungsverbot in Deutschland durchaus seinen Sinn hat. Muslime können und dürfen ihre Religion in unserem Land ausüben. Die im deutschen Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit ist ein Gut, auf das wir stolz sein können. Trotzdem sollte Deutschland ein christlich geprägtes Land bleiben, in dem christliche Traditionen gepflegt und in Politik und Gesellschaft christliche Werte hochgehalten werden. Wenn alle praktizierten Religionen in Deutschland die gleiche Vorrechtstellung erhalten, die dem Christentum durch unsere Kulturgeschichte vorbehalten ist, dann – so befürchte ich – könnten irgendwann die Länder mit christlicher Kultur ganz „aussterben“ und der Islam auch hier überhandnehmen.
Schon jetzt geschieht seine Verbreitung immer rasanter und unbeobachteter. Laut einer Studie des PewResearchCenter ist der Islam die Religion, die am schnellsten wächst. Allerdings liegt das wahrscheinlich auch an der hohen Geburtenrate in muslimischen Familien. In islamisch geprägten Ländern, wie der Türkei, dem Sudan oder Saudi Arabien würde zudem auch niemand auf die Idee kommen, das Christentum als gleichberechtigten Bestandteil von Kultur und Gesellschaft anzuerkennen. Warum sollten wir in einem christlich geprägten Land wie Deutschland also der Vollverschleierung Vorschub leisten, die selbst unter Muslimen umstritten ist?
Die Burka passt nicht zum deutschen Lebensstil
Aus diesen Gründen glaube ich, dass es mein Recht ist, als deutscher Bürger auf die Überschreitung meiner persönlichen Grenzen zu achten und darauf zu reagieren. Wenn ich finde, dass schwarz umhüllte Burka-Trägerinnen nicht ins deutsche Straßenbild passen, muss ich nicht so tun, als stünde ich „darüber“ und sei offen für alles und jeden. Sondern ich sollte die Freiheit und den Mut haben, meine Meinung zu äußern. Davon abgesehen, muss eine Person, die einen neuen Kulturraum betritt, sich darauf gefasst machen, dass sie sich an die dortigen Gegebenheiten anpassen muss. Dabei ist es erst einmal irrelevant, ob dieser Kontakt zum Fremdkulturellen freiwillig, gezwungenermaßen, für eine längere Zeit oder nur einen kurzen Reiseaufenthalt vollzogen wird. Genauso wie ich bereit dazu bin, mich in einem anderen Land an dortige Sitten und Gebräuche anzupassen, wünsche ich mir das auch von Gästen, die nach Deutschland kommen – ganz gleich, welcher Religion sie angehören.
Meine Meinung zu diesem Thema frei heraus zu schreiben, finde ich nicht einfach. Während ich an diesen Zeilen sitze, schleicht sich bei mir das ungute Gefühl ein, als politisch unkorrekt wahrgenommen oder fremdenfeindlich eingestuft zu werden. Schließlich sind unter uns Deutschen kritische Kommentare gegenüber Ausländern ganz besonders verpönt. Ich gehe das Risiko trotzdem ein, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Denn wir leben Gott sei Dank in einem Land, in dem es für jeden möglich ist, seine Meinung offen zu sagen. Gegen Menschen mit anderer Religion, anderer Kultur und anderer Kleidung habe ich nichts. Ganz im Gegenteil: Ich möchte ihnen freundlich und mit Respekt begegnen – auch wenn sie in einer Burka vor mir stehen. Auf der anderen Seite möchte ich aber nicht, dass sich in Deutschland eine religiöse Kleiderordnung durchsetzt, welche die Wertevorstellungen meiner Kultur und meines Landes in Frage stellt.