20.08.2012 / Andacht
Ich - Kamel?
Manchmal sind es Kamele, die uns darauf aufmerksam machen, wo wir hingehören.
Vor einiger Zeit bin ich auf dem Weg zur Arbeit einem Kamel begegnet. In Gedanken versunken, wollte ich wie immer die Abkürzung über einen großen Parkplatz nehmen, als ich feststellte: Ein Kamel versperrt mir den Weg.
Natürlich war es kein einzelnes Kamel, es hatte eine kleine Herde und einen großen Zirkus bei sich. Interessant war, dass es sich alle anderen Kamele unter einer Zeltplane gemütlich gemacht hatten. Nur dieses eine trottete seine Runden in einer kleinen Manege. Als es mich bemerkte, schaute es kurz zu mir rüber und sah mich fragend an.
Im selben Moment fing es an zu regnen. Da blieb das Kamel für einen Augenblick stehen – und schaute mit einem Blick voller Verwirrung erneut zu mir und dann in den Himmel. Dann trottete es fast trotzig weiter. Es schien mir, als wolle es sagen: "Was soll ich eigentlich hier in diesem Zirkus - in einem Land, in dem es ständig regnet. Ich bin für die Wüste geschaffen, für Weite und Wärme!"
Was soll ich eigentlich hier? Das fragt sich mancher vielleicht in einer zerrütteten Ehe, angesichts einer schweren Krankheit oder mitten in finanziellen Schwierigkeiten.
Und die Frage ist zutiefst berechtigt. Ich glaube, wir spüren tief in uns drin, dass wir eigentlich nicht für ein Leben voll Leid und Widerständen gemacht sind. Gott hatte sich das anders gedacht. Doch täglich spüren wie die Nachbeben des Sündenfalls. Wir spüren, dass die Welt aus den Fugen geraten ist - und mit ihr oft unser eigenes Leben.
Doch wer Gott begegnet und ihn in Jesus kennen lernt, der spürt auch, dass diese Sehnsucht in uns ein Ziel hat: Die Ewigkeit. Und in dieser Ewigkeit wird auch unsere persönliche, aus den Fugen geratene Welt wieder zurechtgerückt und wir wissen: Hier gehöre ich hin!