26.05.2014 / Andacht
Ich gegen mich
Warum ich selbst mein größter Feind bin – und Gott das gar nicht möchte. Eine Andacht
Ich stehe im Kampffeld ohne Schild. Die Pfeile meines Gegners werden gnadenlos auf mich abgeschossen. Ich bin wehrlos und habe keine Chance, mich irgendwie vor den Verletzungen zu schützen. Ich bin unterlegen und möchte fliehen, doch die Frage ist nur: Wohin? So ähnlich geht es mir manchmal. Das Fatale an der ganzen Sache ist, dass niemand anderes in diesen Momenten mein Gegner ist als ich selbst.
Mein Selbstwert schrumpft
Ich selbst attackiere mich mit Selbstvorwürfen, konfrontiere mich mit meinem Versagen, reite immer wieder auf negativen Charaktermerkmale rum. Wenn das Gedankenkarussell sich erst einmal anfängt zu drehen, ist es beinahe unaufhaltbar. Dann sehe ich nicht nur meine Disziplinlosigkeit im Sport, sondern bewerte auch meine Leistung im Job und im Ehrenamt als unzureichend. Schnell komme ich zu dem Schluss, dass ich kaum etwas bewirke, nicht bedeutsam und schon gar nicht wertvoll bin. Diesem Ergebnis glaube ich und suhle mich in Gedanken, die mir nicht guttun. Mein Selbstwert schrumpft sekündlich.
Bei meinem letzten abendlichen Spaziergang durch das Feld in der Nähe meiner Wohnung ging mir wieder einmal Ähnliches durch den Kopf. Ich musste negative Gefühle über mich selbst abschütteln und das kann ich in der Natur und im Gespräch mit Gott besser als in einem Raum. Ich ließ Gott teilhaben an meinen destruktiven Gedanken, aber auch an meinen persönlichen Anforderungen, die wie ein Berg anklagend vor mir standen.
„Du bist mein“ verändert alles
Plötzlich wurde das rasende Gedankenkarussell unterbrochen. Es schien mir, als würde Gott selbst das Wort ergreifen. Ein Vers war plötzlich präsent in meinen Gedanken. „Ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1) Das Wort erlösen bedeutet so viel wie befreien oder herausnehmen. So wie ein Sklave von Knechtschaft erlöst werden kann und dadurch ein freier Mann wird, will Gott mich von meiner negativen Selbstsicht befreien. Er will mich aus meinem negativen Denken und Fühlen herausheben. Ich muss nicht mit Leistungen glänzen, um wertvoll zu sein. Ohne Bedingungen sagt er zu mir: „Du bist mein.“ Er will mich ganz haben.
Wenn ich an meinen Fähigkeiten zweifele, zwinkert Gott mir zu und sagt: „Du schaffst es.“ Wenn ich mich selbst nicht leiden kann, sagt Gott zu mir: „Hey, ich mag dich.“ Wenn ich das Gefühl, dass Menschen gegen mich sind, sagt Gott: „Ich bin für dich.“ Dieses klare „Ja“ von Gott zu meinem Leben gibt mir wieder Stärke und Orientierung.
Der Fixpunkt Gott ist mein innerer Anker. Er gibt meinem Leben Stabilität. Sobald sich der Fokus von Gott hin auf mich selbst verschiebt, beschäftige ich mich wieder mehr mit mir selbst. Deswegen will ich mich regelmäßig auf Gottes Gedanken über mein Leben einlassen. Denn nur so erlebe ich, dass mein Wert nicht von der Meinung anderer abhängt oder von meiner Leistung. Sondern allein davon, was Jesus über mein Leben sagt.