19.09.2011 / Andacht
Hörst du mir eigentlich zu?
Nebenbei zuhören funktioniert nie. Das gilt auch für die Beziehung zu Gott: Wer Gottes Stimme hören will, sollte ihm echte Aufmerksamkeit schenken.
Meine Aufmerksamkeit kann ich nur einmal vergeben. Das wird mir immer deutlich, wenn ich versuche, zwei Dinge auf einmal zu machen. Eine typische Situation: Ich lese gerade einen Artikel im Internet oder ein Buch. Dann kommt meine Frau und will etwas besprechen. Oft versuche ich dann, beides auf einmal zu leisten: Zuhören und lesen – was meist nicht funktioniert. Entweder bekomme ich nicht mehr mit, was der Text sagt. Oder meine Frau fragt irgendwann: „Hörst du mir eigentlich zu?“ Die beste Lösung für den Hausfrieden: Ich höre auf zu lesen und höre erst einmal meiner Frau zu.
Ganz ähnlich wie in Psalm 46. Der Psalm ruft dazu auf, Gott die Aufmerksamkeit zu schenken:
„Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!“
Psalm 46,11
Der Schreiber des Psalms meint mit dem „stille“ nicht, einfach mal zwischendurch den Mund zu halten. Es geht darum, die aktuelle Tätigkeit aufzuhören, zu pausieren, die Hände ruhen zu lassen – und die Aufmerksamkeit auf Gott auszurichten. Im Psalm sind wahrscheinlich diejenigen gemeint, die die bewaffneten Auseinandersetzungen dieser Welt zu verantworten haben. Oder diejenigen, die darunter zu leiden haben. Aber auch für mich hat dieser Satz eine tiefe Botschaft.
Wie oft kämpfe ich mich durch den Alltag und seine Sorgen. Wie oft mühe ich mich selbst ab und versuche, alleine weiterzukommen. Wäre es nicht auch mal wieder Zeit, dieses Kämpfen, Mühen und Sorgen ruhen zu lassen und zu erkennen, wie Gott ist? Zu erkennen, dass er der Gott, der für mich ist - und was das für mich bedeutet?
Ich möchte Gott immer wieder meine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Und mitten in meinem Sorgen und Mühen will ich mir seine Frage gefallen lassen: „Hörst du mir eigentlich zu?“ Erst dann werde ich wirklich erkennen, wer er für mich ist. Jetzt. Heute.