30.07.2012 / Andacht
Geöffnete Augen
Warum Wunder nicht immer so wichtig sind. Ein Impuls zu Lukas 16,19-31.
Beim Lesen der Bibel habe ich mich oft gefragt, weshalb Gott all die Wunder damals tat, und heute so wenig davon zu sehen ist. Ließen sich nicht auch die jetzigen Menschen leichter für den Glauben gewinnen, wenn man ihnen die großen Taten Gottes vor Augen halten könnte?
Einen ähnlichen Gedanken hatte auch der reiche Mann, von dem Jesus erzählte (Lk 16, 19-31). Er wollte den armen Lazarus von den Toten zu den Lebenden geschickt haben, damit seine Brüder zum Glauben kommen können. Der ebenfalls anwesende Abraham erteilt diesem Ansinnen jedoch eine deutlich Absage: Die Brüder glaubten nicht an Gottes Wort und würden - so führt Abraham aus - selbst bei der Auferstehung eines Toten auch nicht glauben.
Kann das sein? Sind die Augen, denen wir ein so große Maß an Objektivität bei dem Erkennen der Wahrheit beimessen, nicht in der Lage, jeden Menschen von Gott zu überzeugen? Wer hat nicht schon Gedanken geäußert wie: "Ich glaube nur was ich sehe", oder "Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich es nicht glauben."
Ein Mann sagte einmal: "Die Augen sehen nur das, was das Herz will." Unsere Augen sind nicht das Maß aller Dinge. Was wir sehen ist - gerade im Zeitalter der virtuellen Realität - wesentlich öfter nicht real, als wir uns darüber bewusst sind. Der erste Blick täuscht und die oft zitierte "rosarote Brille" lässt nicht viel an Objektivität übrig. Unsere Augen lassen sich ebenso in die Irre führen, wie alle anderen unserer Sinne auch. Auf den Glauben kommt es an, und er wird nicht durch unsere Augen hervorgerufen. Eher ist es anders herum: Wenn wir etwas nicht sehen wollen, so werden wir es nicht sehen - und umgekehrt.
Der Glaube, von dem Jesus spricht, ist jedoch kein menschliches Produkt: Er wird von Gott geschenkt. Gott öffnet uns die Augen für die Dinge, die wirklich da sind und wird nicht erst durch die Augen erschaffen. Die Augen lassen uns nicht glauben, sondern der Glaube lässt uns sehen. Ursache und Wirkung sind damit umgekehrt worden.
Geöffnete Augen lassen mich auch sehen, dass die vielen Wunder Gottes gar nicht auf die Zeit der Bibel beschränkt sind. Tag für Tag geschehen große und kleine Wunder in meinem Leben und im Leben vieler Menschen. Hinzu kommt das biblische Versprechen, dass denen die Gott lieben alle Dinge zum Guten dienen müssen (Röm 8, 28). Selbst die Dinge also, denen wir nichts aber auch gar nichts Gutes abgewinnen können, sind nicht in der Lage uns von Gott zu
trennen.
Das macht mir Mut: Mut, meine Augen zu öffnen. Mut, hinzusehen auf die Dinge, die Gott tut und zu wissen, dass er alles in der Hand hält. Geöffnete Augen wünsche ich Dir und mir in dieser Woche!