19.03.2012 / TV-Interview
Gefährliche Zeiten für Gemeinden
Gordon MacDonald befürchtet einen Mangel an neuen Leitern, wenn Pastoren nicht verstärkt in Kleingruppen investieren. Warum erklärt er im Interview mit ERF 1.
„Wir leben in gefährlichen Zeiten, weil die Gemeinden nicht mehr so viele Tiefgänger produzieren, wie sie sollten.“ Das erklärte Pastor und Referent Gordon MacDonald im Interview mit ERF 1 anlässlich des diesjährigen Willow Creek Kongresses. Tiefgänger seien Menschen, die „eine gewisse Weisheit und Würde ausstrahlen“ und von denen man den Eindruck hat, „dass sie Gott auf wunderbare Weise“ kennen. Heute gäbe es davon nicht mehr viele, weswegen es nach Gordons Meinung die wichtigste Aufgabe eines Pastors ist, solche Menschen zu fördern. Geschieht dies nicht, würden den Gemeinden Willow Creek zufolge kurzfristig die Leiter fehlen.
Um mehr Christen mit Tiefgang zu bekommen, müssten Gemeinden weg von einer Informationsstruktur und hin zu einer Kleingruppen-Methodik kommen. Jesus selbst sei Vorbild für dieses Vorgehen: „Er war ein Rabbi und ja – er hat vor vielen Menschen gesprochen. Aber er hat viel mehr Zeit mit ein paar Dutzend Leuten verbracht. Und ganz speziell mit 12 Leuten. 80 - 85% seiner Zeit hat er in eine sehr kleine Gruppe Menschen investiert.“ Große Gemeinden und Predigten von der Kanzel könnten dies nach MacDonalds Überzeugung nur bedingt leisten.
Rückkehr zu Kleingruppen
In kleinen Gruppen sei aber möglich, dass Menschen in ihrem Glauben wachsen, indem sie ihrem Mentor zuhörten, ihn beobachteten und alles miteinander verarbeiten würden. Das Ergebnis einer solchen Konzeption bringe erstaunliche Resultate, das könne man wiederum an den Jüngern Jesu sehen: „… als Jesus nach drei Jahren die gemeinsame Zeit beendet, da wachsen sie [die Jünger] plötzlich über sich hinaus. Sie werden die bemerkenswertesten Leiter in der Apostelgeschichte, die die Welt je gesehen hat. Erstaunliche Leute.“
Gordon selbst praktiziert dieses Konzept gemeinsam mit seiner Frau Gale: Zusammen laden sie jedes Jahr 15 Menschen ein, das Ehepaar wöchentlich zu besuchen und das Leben miteinander zu teilen. Denn MacDonald ist überzeugt: „Die Pastoren müssen in der kommenden Zeit zu dieser Kleingruppenmethodik zurückkehren, damit sie immer mehr Jünger groß ziehen.“
Auf die Rückfrage von ERF 1, ob dieses Konzept nicht anders sei, als das der Mega-Churches und darüber hinaus mehr Kraft und Zeit koste, antwortete MacDonald: „Ja, das tut es. Aber die Geschichte lehrt uns, dass wir über die Jahrhunderte immer vor und zurück gehen. In einer Generation heißt es: ‚Es ist wunderbar, große Gruppen zu haben.‘ […] Jetzt ist die Zeit, in der wir für eine Weile zu kleineren Gruppen zurückkehren müssen.“
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Der Willow-Creek-Kongress fand vom 26. – 28. Januar in Stuttgart mit über 7.000 Besuchern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich statt. ERF Medien hat die meisten Referenten exklusiv interviewt. Das nächste Interview mit Andy Stanley, Pastor der North Point Community Kirche und Autor, wird ERF 1 am 26. März 2012 ausstrahlen.