30.06.2025 / Andacht
Freiwillig die zweite Geige spielen?
Gott hat klare Vorstellungen für meinen Umgang mit Enttäuschungen. Eine Andacht.
2006 war die Welt zu Gast bei Freunden. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland gelang es der DFB-Elf, wieder Fußballfreude im Land zu entfachen. Und das mit einer großen Überraschung: Noch vor dem Turnier entschied sich Bundestrainer Jürgen Klinsmann für eine neue Nummer 1. Anstelle des langjährigen Stammtorhüters Oliver Kahn setzte Klinsmann auf Jens Lehmann. Deutschland wurde am Ende Dritter und Lehmann war der stabile Rückhalt. Kahn dagegen beendete nach dem Turnier seine Nationalmannschaftskarriere.
Die zweite Geige zu spielen, gefällt niemandem. Da ist es egal, ob ich Nationaltorhüter, Partner oder Angestellter bin.
Wenn ich das Gefühl habe, nur zweite Wahl zu sein, nagt das an meinem Selbstbewusstsein.
Doch auch wenn ich selbst das nie hören möchte, zumindest nicht unmittelbar danach: Jede Enttäuschung bietet Chancen. Zum Beispiel um mich selbst zu reflektieren und das eigene Ego mal wieder herunterzufahren.
Enttäuschungen als Chance?
Die Bibel hat da eine klare Anweisung für mich. Dort kann ich einige Briefe von Paulus an verschiedene christliche Gemeinden lesen. Unter anderem schreibt er an eine Gemeinde in der antiken griechischen Stadt Philippi. In diesem Brief ruft er die Christen zur Einheit auf und führt konkret folgendes Beispiel an: „Tut nichts aus Streitsucht oder Ehrgeiz, sondern seid bescheiden und achtet andere höher als euch selbst!“ (Philipper 2,3 NeÜ).
Wenn ich ganz ehrlich bin, handle ich selten bis nie nach diesem Vorbild – vor allem nicht unmittelbar nach einer Enttäuschung.
Viel eher schießen mir dann Gedanken wie diese in den Kopf: „Ich wäre viel besser geeignet gewesen“ oder „Das können wir so machen, aber meine Idee wäre besser gewesen“.
Zwar sind diese Gedanken nur menschlich, aber doch ziemlich genau das Gegenteil von der Anweisung aus der Bibel.
Das Vorbild saß auf der Bank
Die Bibel macht ganz klar, wie ich mich verhalten soll. Und hier kann ich mich tatsächlich an Oliver Kahn orientieren. Der hatte an seiner Degradierung zur Nummer 2 mächtig zu knabbern, doch als es im Viertelfinale gegen Argentinien ins Elfmeterschießen ging, wusste er, was er zu tun hat: In einem der aussagekräftigsten Bilder des Turniers reicht Kahn Lehmann die Hand und wünscht ihm viel Erfolg.
Dieses Beispiel zeigt mir, wie ich mit Rückschlägen oder Enttäuschungen umgehen sollte. Natürlich darf ich gefrustet sein, aber ich sollte dem oder der anderen gegenüber nicht unfair auftreten. Vielleicht ist meine Rolle in diesem Moment, die zweite Geige zu spielen, um den anderen in seiner Aufgabe zu unterstützen. Und genau dadurch kann ich zu einer erfolgreichen Gemeinschaft beitragen.
Überlege doch mal: Wo wurdest du enttäuscht? Und solltest du deine Reaktion auf diese Enttäuschung nochmal überdenken?
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