12.04.2012 / Themenwoche Weltuntergang
Fahrplan bis zum Ende der Welt
Wie wird die Zeit bis zum Weltuntergang aussehen? Wer die Bibel liest, wird auf unterschiedliche Antworten kommen. Ein Anstoß zum Selberdenken.
Die Apokalypse wird in Film und Fernsehen immer wieder gerne phantasievoll ausgemalt. In diesem Jahr sind Spekulationen über das Weltende ganz besonders en vogue: Schließlich endet der Maya-Kalender am 21.12.2012. Auch viele Christen beschäftigen sich mit dem drohenden Weltuntergang.
Sie fragen sich: Leben wir in der Endzeit? Wie wird die Zukunft sein? Müssen wir uns vor ihr fürchten? Deuten die aktuellen Krisen und Katastrophen daraufhin, dass die Welt bald untergehen wird? Wie sieht er eigentlich genau aus, der Weltuntergang?
Mein Standpunkt
Ich beschäftige mich seit Jahren mit solchen Fragen. Im Folgenden versuche ich, Antworten auf diese Fragen zusammenzufassen. Ich weiß: Es ist unmöglich, Antworten zu finden, mit denen alle Christen einverstanden sind. Das versuche ich erst gar nicht. Diese Gedanken sollen vielmehr Hilfe, vielleicht auch Anstoß sein. Anstoß zum Weiterdenken. Für diesen Beitrag beziehe ich mich vorrangig auf konservative Ausleger.
Die Heilszeitalter
Ein meiner Meinung nach sehr brauchbares Modell zum Verständnis der Endzeit scheint mir das Modell der Heilszeitalter zu sein, wie es zum Beispiel das „Bibel Panorama“ von Alfred Thompson Eade darlegt. Das Modell der Heilszeitalter stammt aus dem Dispensationalismus, ausgearbeitet von John Nelson Darby (1800 – 1882), einem Begründer der Brüderbewegung. Es handelt sich folglich also um eine mögliche Herangehensweise an das Thema Endzeit.
Im „Bibel Panorama“ werden 7 Zeitalter des biblischen Heilsweges skizziert. Nach dieser Einschätzung befinden wir uns im sechsten Zeitalter, der Endzeit. Doch keine Panik! Nach dem Modell der Heilszeitalter dauert die Endzeit bereits seit über 2000 Jahren an. Der Beginn der Endzeit wird nämlich mit Pfingsten datiert, das heißt mit der Geburtsstunde der christlichen Gemeinde (Apostelgeschichte 2,14-41). Die Endzeit soll schließlich im Gericht über die lebenden Völker (Matthäus 25,31–46) enden.
Die Endzeit und die sieben Gemeinden
Zwei große Handlungsstränge kennzeichnen die Endzeit: Zum einen die Entwicklungen innerhalb der christlichen Gemeinde, zum anderen die Entwicklungen innerhalb der Welt.
Alfred Thompson Eade und andere Autoren, wie z.B. Arnold G. Fruchtenbaum Tim LaHaye und Thomas Ice sehen die historische Entwicklung der Gemeinde in den sieben Gemeinden aus Offenbarung Kapitel 2 und 3 vorgezeichnet. Die damaligen kleinasiatischen Gemeinden in Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea stehen unter anderem gleichnishaft für verschiedene Abschnitte in der Geschichte der weltweiten christlichen Gemeinde. Es gibt zusätzlich dazu noch andere Auslegungen dieser Kapitel.
Laodizea
Alle Gemeindetypen kommen in allen Phasen der Kirchengeschichte vor, doch einen bestimmten Gemeindetyp kann man vielleicht als vorherrschend, prägend oder sehr einflussreich ansehen. Nach diesem Modell befinden wir uns in der letzten Phase der Gemeindeentwicklung, die durch die Gemeinde aus Laodizea (Offenbarung 3,14-22) repräsentiert wird.
Laodizea gilt als „lauwarme Gemeinde“, sie ist weder heiß noch kalt, ihr Glaube ist „wohltemperiert“, sie steht daher in Gefahr, von Jesus „ausgespien“ zu werden. Man könnte sogar befürchten, dass Jesus gar nicht in dieser Gemeinde ist, denn er steht sozusagen draußen „vor der Tür und klopft an“. Dieser vorherrschende Gemeindetypus könnte mit einer anderen Prophetie von Paulus in 2Thessalonicher 2,3 korrespondieren, in der es heißt, dass vor dem Auftreten des Antichristen „der große Abfall“ kommen werde, was einen großen Abfall vom Glauben bedeuten könnte.
Die Welt in der Endzeit
Parallel zur Gemeindegeschichte nimmt die Geschichte in der Welt ihren Lauf. Das Böse ist Alltag: „Falsche Messiasse und Christusse“ sowie Kriege und Kriegsgerüchte prägen die Endzeit. Jesus sagt jedoch, dass dies noch nicht „das Ende“ sei (Mt 24,4-6).
Interessant ist, dass er von den „Wehen“ der Endzeit spricht (Mt 24,8). Dann wäre die Endzeit einer Schwangerschaft vergleichbar: lange Zeit wächst das Böse in der Welt heran und wird größer, vor der Geburt setzen dann die Wehen ein.
Weltkrieg
Als „den Anfang der Wehen“ benennt Jesus folgendes: „Denn ein Heidenvolk wird sich gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere, und es werden hier und dort Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben geschehen. Dies alles ist der Anfang der Wehen.“ (Matthäus 24,7-8).
Arnold G. Fruchtenbaum deutet diese Verse als Hinweis auf einen Weltkrieg. Er sagt: „Zur Zeit Christi war der Ausdruck "Volk gegen Volk und Königreich gegen Königreich" die jüdische Bezeichnung für einen Weltkrieg, der dem Kommen des Messias vorangeht.“ Der 1. Weltkrieg wurde 1914-1918 ausgefochten. Fruchtenbaum geht davon aus, dass Jesus auf diesen Weltkrieg anspielt.
Außerdem weist er darauf, dass Historiker den zweiten Weltkrieg von 1939 – 1945 gewissermaßen als Fortsetzung des ersten ansehen. Hitler akzeptierte nämlich nicht das Ende des 1. Weltkrieges und wollte die sogenannte „Schmach von Versailles“ tilgen. Man könnte daher von einem einzigen großen Weltkrieg mit einer eingeschobenen „Kampfpause“ sprechen.
Erdbeben, Hungersnöte, Seuchen
Erdbeben, Hungersnöte und Seuchen gehören, wie oben genannt, ebenfalls zu dem „Anfang der Wehen“. Einige Statistiken deuten darauf hin, dass Erdbeben, Hungersnöte und Seuchen zunehmen bzw. in jüngerer Vergangenheit sehr viele Opfer fordern. Zum Beispiel sollen von 1918 bis 1920 schätzungsweise 50 Millionen Menschen an der „Spanischen Grippe“ gestorben sein. Heute gelten AIDS und Tuberkulose als größte Seuchen.
Christenverfolgung
Die „Wehen der Endzeit“ zeichnen sich noch durch andere Zeichen aus, z.B. eine weltweite Christenverfolgung (Matthäus 24,9). Die Hilfsorganisation „Open Doors“ schätzt, dass heute in 50 Ländern rund 100 Millionen Christen verfolgt werden. Viele Christen werden inhaftiert, gefoltert und getötet. Einige vermuten, dass die größte Christenverfolgung der Menschheitsgeschichte daher aktuell stattfindet - das könnte sich noch ausweiten.
„Die Wehen der Endzeit“ hätten demnach begonnen. In dieser Zeit würden wir leben. Was könnte uns dementsprechend erwarten?
Die große Trübsal
Wir steuern offenbar auf Ereignisse zu, die in der biblischen Offenbarung zum Auftreten des Antichristen gehören. Diese Phase wird von einigen Auslegern zum Beispiel als „die große Trübsal“ benannt. Jesus bezeichnet diese Zeit so: „Denn dann wird eine große Drangsal sein, wie von Anfang der Welt an bis jetzt keine gewesen ist und auch keine mehr kommen wird“ (Matthäus 24,21 ).
Diese Zeit soll einigen konservativen Auslegern zufolge sieben Jahre dauern. Sie wird von Kriegen, Katastrophen, Hungersnöten, Leid, Tod und Not gekennzeichnet sein. Die Schilderung dieser Ereignisse nimmt in der Offenbarung den größten Teil ein.
Es ist umstritten, ob Christen diese Zeit miterleben müssen. Dies hängt davon ab, ob man daran glaubt, dass Christen vor der großen Trübsal entrückt werden, während der Trübsal oder danach. Diese Frage kann hier nicht entschieden werden.
Es ist schwierig zu beantworten, wie nah oder wie fern wir der großen Trübsal sind. Wenn wir im oben angesprochenen Bild der Schwangerschaft bleiben und wir uns bereits in den „Wehen der Endzeit“ befinden, dann dürfte die Endzeit bald abgelaufen sein. Vielleicht steht uns demnächst – bildlich gesprochen – die „Geburt des Bösen“ bevor, was sich auf das Auftreten des Antichristen beziehen könnte.
Wiederkehr Christi und tausendjähriges Reich
Am Ende der großen Trübsal kehrt Jesus wieder und wird den Antichristen und sein Heer vernichten (Matthäus 24,29-31; Offenbarung 19,11-21). Nach dem Modell der Heilszeitalter wird Jesus nach seiner Wiederkehr das Tausendjährige Reich errichten, in dem er über die Welt herrscht. In dieser Zeit ist Satan gebunden (Offenbarung 20,1-3). Dies wäre dann das siebte und letzte Zeitalter unserer Weltzeit.
Wenn dieses Modell stimmt, dann steht uns hier auf Erden nicht nur eine besonders schreckliche, sondern auch noch für lange Zeit eine besonders gute Zeit bevor. Nach Ablauf dieser 1000 Jahre wird Satan freigelassen und er verführt die Menschen zu einem letzten großen Krieg. Gott wird die Aufständischen mit Feuer vernichten (Offenbarung 20,7-9).
Der Weltuntergang und die neue Schöpfung
Danach käme dann tatsächlich der Weltuntergang. Petrus deutet an, dass die Erde im Feuer vergehen könnte: "Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb in der Nacht; dann werden die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente aber vor Hitze sich auflösen und die Erde und die Werke darauf verbrennen." (2 Petrus 3,10) Der Prophet Jesaja beschreibt ebenfalls das Verschwinden des Himmels: "Das gesamte Heer des Himmels wird vergehen, und die Himmel werden zusammengerollt wie eine Buchrolle, und all ihr Heer wird herabfallen wie das Laub am Weinstock herabfällt und wie die verdorrte (Frucht) des Feigenbaums." (Jesaja 34,4)
Himmel und Erde sind dann nicht mehr zu sehen (Offenbarung 20,11). Unsere Erde und die Himmel werden verschwunden sein, um einer neuen Schöpfung Platz zu machen: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr.“ (Offenbarung 21,1, siehe auch Jesaja 66,22) Unsere jetzige Erde wird dann untergegangen sein.
Was wir heute tun können
Jesus fordert uns dazu auf, die Zeichen der Zeit zu erkennen (Markus 13,23; 28-29), um uns auf sein Kommen vorzubereiten, in Nöten und Bedrängnissen nicht zu verzweifeln und sich von den Verführungen der Endzeit fernzuhalten.
Wer sich mit dem Ablauf der Endzeit befasst hat, kann daher den kommenden Ereignissen bewusst entgegen gehen. Sicherlich kann man über den konkreten Verlauf der Endzeit im Detail diskutieren, doch im Groben sind einige Stationen der Endzeit erkennbar. Auf diese kann man sich als Christ einstellen.
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