16.10.2019 / ERF GlobalHope

Entschuldigung nach 30 Jahren

Ein ehemaliger Sowjet-Soldat entschuldigt sich übers Radio bei seinen früheren Untergebenen.

30 Jahre sind seit dem Mauerfall vergangen und auch die Sowjetunion gibt es seit fast 28 Jahren nicht mehr. Trotzdem leben die Erinnerungen an diese Zeit in den Herzen vieler Menschen weiter. Ein 80-jähriger ehemaliger Soldat aus der Ukraine nutzte jetzt das Radio, um sich noch einmal für etwas zu entschuldigen, was ihn bis heute belastet hat. An unseren internationalen Radiopartner TWR schrieb er:

Ich war früher Kommandant und befehligte als solcher eine technische Militärabteilung. Ich war Kommunist und Atheist. Kurz vor meinem Ruhestand kamen 41 neue Soldaten in mein Regiment. Sie waren alle gläubige Männer aus Baptisten- und Pfingstgemeinden. Als Atheist wollte ich sie deshalb nicht in meiner Abteilung haben und so organisierte ich viele Wettkämpfe in meiner Abteilung. Oft beinhalteten diese die rote Flagge zu hissen und ähnliche Aufgaben.

Meiner Ansicht nach passten die neuen Soldaten nicht zu uns. Deswegen behandelte ich sie schlecht, schon vom ersten Tag an. In meiner Einheit gab es einen Raum für kurzzeitigen Arrest. Alle 41 Soldaten fanden sich in ihrer Zeit in meinem Regiment irgendwann einmal dort wieder. Nicht etwa, weil sie es an militärischer Disziplin mangeln ließen, sondern allein wegen ihres Glaubens. Ich war der festen Überzeugung, dass ich recht damit hatte, sie so zu behandeln, obwohl ich bald feststellen musste, dass sie den Soldaten, die ich eher für meine Einheit gewollt hätte, in Bezug auf ihre militärischen Aufgaben weit überlegen waren.

Versöhnungsbotschaft über das Radio

Dann in den frühen 90er Jahren ging ich in Ruhestand. Das war zur gleichen Zeit, als Gott die Sowjetunion ohne einen einzigen Schuss beendete und die Partei ihrer Macht enthob, die uns gelehrt hatte, wir sollten auf dieser Welt eine Art gottloses Paradies errichten. In dieser Zeit berührte der Heilige Geist die Herzen vieler Menschen in unserem Land – unter anderem auch meines. Gott, der uns bereitwillig alle Schuld vergibt, hat auch mein schlechtes Verhalten gegenüber den Soldaten in meinem Regiment vergeben.

Ich wurde in der ersten Baptistengemeinde Odessas getauft und unsere Gemeinde begann zu wachsen. Später hat Gott mich und meine Frau beauftragt, die erste Gemeinde in Kotovsk zu gründen. Während ich im Glauben wuchs, wurde mir auch immer stärker bewusst, dass ich meine früheren Soldaten, die jetzt meine Glaubensbrüder waren, um Vergebung bitten musste. In meinem Leben war es mir möglich, fünf der 41 christlichen Soldaten wiederzufinden und sie um Entschuldigung zu bitten.

Da ich mittlerweile schon 80 Jahre alt bin und nicht weiß, ob ich die restlichen 36 noch treffen werde, möchte ich euch von TWR bitten, meine Entschuldigung per Radio an meine Männer zu übermitteln. Ich bin mir sicher, dass sie alle eure guten Sendungen hören.

Ich möchte euch von TWR bitten, meine Entschuldigung per Radio an meine Männer zu übermitteln. Ich bin mir sicher, dass sie alle eure guten Sendungen hören. – TWR-Hörer in der Ukraine

Ich möchte sie mit einem ganz bestimmten Versöhnungslied und mit den Worten Jesu aus Matthäus 6,14 grüßen: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.“


Ob die Versöhnungsgrüße dieses ehemaligen Kommandanten seine ehemaligen Soldaten erreichten oder nicht, wissen wir leider nicht. Doch diese kurze Geschichte zeigt, wie wichtig Versöhnung ist und wie Gott auch nach vielen Jahren noch Möglichkeiten zu einer Versöhnung eröffnen kann. Außerdem wird daran die Bedeutung offensichtlich, die das Radio als Massenmedium für Menschen in der Ukraine und in anderen Staaten in der früheren Sowjetunion hat.

Aktuell herrscht seit einigen Jahren Bürgerkrieg in der Ukraine. Mit seinen christlichen Programmen verbreitet TWR in dieser angespannten Lage die gute Versöhnungsbotschaft von Jesus Christus. Erfahren Sie hier mehr über Projekte in Osteuropa.
 

Gebetsanliegen:

Autor/-in: Rebecca Schneebeli

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