17.11.2010 / Gedanken zum Buß- und Bettag

Der Bußgeldbescheid meines Lebens

Was hat ein Bußgeldbescheid eigentlich mit Buße zu tun? Eine Antwort gibt die Andacht zum Buß- und Bettag.

Ein paar Monate nachdem unser Sohn geboren wurde, musste meine Frau eines Morgens überraschend mit ihm ins Krankenhaus. "Wahrscheinlich ist es nichts", meinte der Kinderarzt "aber sicher ist sicher". Meine Frau wollte schnell sicher sein und fuhr dementsprechend. Die Polizei war sich auch sicher, dass sie zu schnell fuhr. Denn sie hatten ein schönes Beweisfoto. Und einen netten Brief dazu. Trotzdem musste meine Frau den Bußgeldbescheid nicht bezahlen. Denn das habe ich für sie erledigt.

Der Schuldschein meines Lebens ist mehr als nur ein Bußgeldbescheid. Er ist die nüchterne Bilanz eines Lebens mit seinen Höhen und Tiefen. Und unterm Strich kommen mehr Tiefen als Höhen raus. Mehr Fehler als Heldentaten. Mehr Schuld und viel zu wenig Gerechtigkeit. Wenn ich ehrlich bin.

Ich würde Gott gerne bitten, einfach ein Auge zuzudrücken. Doch er wäre nicht Gott, wenn er es täte. Und anderseits will ich ja, dass er ein offenes Auge hat für all das Unrecht, das in der Welt geschieht. Ich will, dass einer zahlen muss für all das Unrecht, das geschieht. Für die sechs Millionen Kinder, die jedes Jahr an Hunger sterben, für die 100.000 Babys in Deutschland, die nie das Licht der Welt erblicken. Deshalb kann ich Gott nicht bitten, dass er ein Auge zudrückt, wenn es um meine Schuld geht.

Deshalb setze ich meine ganze Hoffnung auf den, der bezahlt hat. Meine Schuld - und die Schuld der ganzen Welt. Und ich danke ihm dafür. Denn er hat es sich etwas kosten lassen. Sein Leben.

„Den Schuldschein, der auf unseren Namen ausgestellt war und dessen Inhalt uns anklagte, weil wir die Forderungen des Gesetzes nicht erfüllt hatten, hat er für nicht mehr gültig erklärt. Er hat ihn ans Kreuz genagelt und damit für immer beseitigt.“ Kolosser 2,14

Gott hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben.