15.08.2011 / Nachgedacht
Das Unsichtbare sehen
In Leid und Hilflosigkeit für Gottes kommende Güte zu danken, klingt absurd. Doch genau das macht eine lebendige Hoffnung aus.
Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen.
Psalm 17,7
Dieser Vers gehört zu Psalm 17, der in Wirklichkeit ein Gebet ist: Vor rund 3000 Jahren betete König David in diesen Worten zu Gott um Rettung vor den Feinden, die sich offen gegen Gott stellten und David bedrohten. Heute, Jahrhunderte später, ist keiner von uns ein König, aber Davids Lage können viele ohne weiteres nachvollziehen. Wenn ich mich ungerechten Vorwürfen, falschem Klatsch und Tratsch oder regelrechtem Mobbing ausgeliefert sehe - was empfinde ich? Was bitte ich von Gott?
Natürlich sehnt sich David nach Befreiung aus seiner Lage. Natürlich wünscht er sich, Gottes Güte auch in den konkreten Einzelheiten seines Alltags zu erfahren: „Beweise deine wunderbare Güte...“. Natürlich möchte David in seinem Leben sehen, wie gut Gott ist.
Aber noch ist es nicht soweit. Noch steckt David mittendrin im Chaos aus äußerer Bedrohung, inneren Zweifeln, gemischten Motiven und einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Zu sehen ist die Güte Gottes in seinem Alltag noch nicht. Und doch steht für David felsenfest: „Du [bist ein] Heiland derer, die dir vertrauen“.
David hat sich dazu entschlossen, seinem Gott zu vertrauen, bevor die Güte Gottes in seiner Situation sichtbar und begreifbar wird. Dass Gott uns retten und zutiefst Gutes für uns will - das hängt nicht davon ab, ob die Wohltaten Gottes für uns sichtbar werden. Sondern es steht und fällt mit dem Charakter Gottes: Gott ist ein „Heiland“, ein Retter. Während David die Worte betet, die wir als Psalm 17 kennen, sieht er das noch nicht in seinem Leben - aber er glaubt es.
Der Glaube schaut über das jetzt Sichtbare hinaus, und begreift die ewige Realität Gottes, die für unsere Augen unsichtbar ist. In seiner verzweifelten Lage ist das Davids Hoffnung. Was ist unsere?