26.12.2014 / Serviceartikel
„Das habe ich mir aber nicht gewünscht“
Wenn ein Geschenk nicht meinem Geschmack entspricht
Ein pinker Filzpulli, eine kitschige Porzellanfigur, ein gähnend-langweiliges Buch: Nicht über jedes Weihnachtsgeschenk war ich bisher hellauf begeistert. Kennt ihr das? Beim Auspacken hat man noch leuchtende Augen. Man kann es gar nicht erwarten, das Geschenk von seiner Verpackung zu befreien. Das Leuchten erlischt dann aber ganz plötzlich, wenn sich der Inhalt offenbart: Ein Reinfall. Was mache ich jetzt mit dem Geschenk? Bei Ebay zum Verkauf anbieten, weiterverschenken oder in die hinterste Ecke des Schranks stellen? Noch schlimmer ist aber diese Frage: Was sage ich, wie ich es finde? Ein sensibles Thema.
Keine Show veranstalten
Damit mir niemand erwartungsvoll zusieht, packe ich meine Geschenke am liebsten alleine aus. So versucht keiner anhand meiner Mimik abzulesen, ob mir sein Geschenk gefällt oder nicht. Das Auspack-Spektakel empfinde ich als puren Stress für beide Seiten! Falls ich doch mal Zuschauer haben sollte, mache ich keine Show daraus. So gehe ich einem möglichen dramatischen Ende aus dem Weg.
Wenn mir ein Geschenk nicht gefällt, schaue ich zuerst, von wem es kam. Einer guten Freundin kann ich auch etwas Unangenehmes sagen, bei der Schwiegermutter würde ich aufpassen. Eine langjährige Freundschaft hat eine solide Basis. Die wird durch diese kleine Lappalie nicht erschüttert. Wenn ich meinen Schenker allerdings noch nicht lange kenne, nehme ich das Geschenk dankbar an und freue mich über die nette Geste. Auf die kommt es schließlich an.
In Watte gehüllt
Wenn es zu einem Gespräch über ein unerwünschtes Geschenk kommt, achte ich auf meine Wortwahl. Ich sollte nicht mit der Tür ins Haus fallen und sagen, dass der Pulli „extrem hässlich“ oder die Porzellanfigur „oberkitschig“ ist. Ich überlege mir manchmal schon vorher, welche Formulierung ich für die unbequeme Wahrheit nutzen möchte. Wenn ich an dem Gegenstand einen schönen Aspekt finde, integriere ich ihn auf jeden Fall. „Der Pullover ist wirklich flauschig, aber leider nicht mein Geschmack.“ „Die Figur ist exquisit, passt aber leider nicht in meine Wohnzimmereinrichtung.“
Auch sollte ich auf die Umstände achten, in denen ich die Bombe platzen lasse. Wenn der Schenker sowieso schon einen schlechten Tag hatte, macht es ihn nicht besser, wenn ich Kritik an seinem mühevoll ausgesuchten Geschenk äußere. Ich halte mich auch zurück, wenn ich die Person das erste Mal seit langer Zeit wiedersehe. Solche Momente will ich nicht kaputtmachen. Spricht die Person mich allerdings drauf an, kann ich mit der Sprache – in Watte gehüllt – rausrücken.
Weiterverkaufen oder -verschenken würde ich auch immer nur dann, wenn ich mit der betreffenden Person gesprochen habe. Sonst kann es zu bösen Überraschungen kommen! Packe ich fröhlich mein Geschenk aus, geht die andere Person davon aus, dass es mir gefällt. Findet sie die Porzellanfigur anschließend bei lokalen Kleinanzeigen oder dem Cousin dritten Grades im Wohnzimmer, reißt das tiefere Wunden als eine ehrliche Antwort von mir.
Zeit statt Zeug
Manche Personen tun sich wirklich schwer, anderen ein Geschenk zu kaufen. Ihnen graut regelrecht vor der Weihnachtszeit. Wenn das zutrifft, kann ich der Person auch entgegenkommen. Ich schlage vor, dass wir uns gegenseitig nichts schenken brauchen. Stattdessen gehen wir Essen oder ins Kino. Dann verbringt man eine schöne gemeinsame Zeit – ohne den Druck des Schenkens oder Beschenkt-werdens.