01.05.2010 / Kommentar

Aus der Krise nichts gelernt?

Die Gier mancher Banker ist schon längst wieder da, stellt Horst Marquardt fest.

Das weltweit bekannte, Jahrzehnte hindurch führende Bankhaus Goldman Sachs in den USA machte allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres einen Gewinn von 3,5 Milliarden Dollar. Zusätzlich wurden 5,5 Milliarden als Bonus für die Mitarbeiter gezahlt. Auch wenn es 33.000 „Goldmänner“ sind, die weltweit für dieses Bankhaus tätig sind, und wenn Zahlungen sicherlich in unterschiedlicher Höhe geleistet wurden, ergibt das einen ansehnlichen Betrag! Es heißt im Allgemeinen, jede Arbeit sei ihres Lohnes wert.

Was am 1. Mai Thema sein wird

Einmal abgesehen davon, dass unzählige Arbeitnehmer in unserem Land und weltweit nicht ihrem Einsatz entsprechend belohnt werden (wovon am 1. Mai wieder die Rede sein wird), bleibt eine unvergleichlich hohe Vergütung, wie sie Goldman Sachs und andere Geldinstitute zahlen, ein Unrecht. Das umso mehr, da bekannt geworden ist, mit welch betrügerischen Methoden diese Bank Geld scheffelte. Endlich greift die US-amerikanische Börsenaufsicht ein. Endlich wird nicht mehr beschönigt, dass das Geldhaus zum Beispiel 2007 ein Finanzprodukt anbot, das von vornherein zum Scheitern verurteilt war.

Eine Bank – mächtiger als Staaten

Viele Kundige und Unkundige haben zugeschaut, sich geärgert und auf Veränderung bei Banken und internationalen Konzernen gehofft. Bisher vergebens. Inzwischen haben sich Literatur und Film des Themas „Weltweite Finanzmärkte“ angenommen. Autoren – einige von ihnen im Bankgewerbe zu Hause – beschreiben die Praktiken der wahren Weltbeherrscher. Noch haben weder Filme noch Literatur einen Wandel im Denken unlauterer Banken bewirkt.

Bisher war Goldman Sachs ein Name, der Gewicht hatte. In diesem Geldhaus liefen die Fäden des internationalen Finanznetzes zusammen. Diese Bank war bisher mächtiger als ganze Länder. Doch jetzt sieht es so aus, als sei Goldman Sachs vielen Konzernlenkern und Politikern zu mächtig geworden. Der Chef des Unternehmens, Lloyd Blankfein, tut bisher wenig, um die Bedrohung abzuwehren. Er kritisiert im Gegenteil die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen als „komplett politisch motiviert“ und schädlich für Amerika.

Hoffen auf Barack Obama

Viele Geschädigte in aller Welt – darunter auch deutsche Banken – hoffen, dass Präsident Obama mit Goldman Sachs und anderen Banken hart ins Gericht gehen wird. Er hat dafür die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich. In guter Zeit Reichtümer anhäufen und in Krisenzeiten die Steuerzahler zur Kasse zu bitten, das wird nicht länger gelingen. Wir müssen Politikern den Rücken stärken, die dafür sorgen, dass die Gier solcher, die nie genug kriegen, endlich gestoppt wird.

Ein Rat von Christen

Vielleicht hört man nun auch wieder den Rat der Christen, die biblische Wahrheiten weitersagen und vor Unehrlichkeit, Betrug, Gier und Habsucht warnen. Der Apostel Paulus – von Beruf ein reisender Handwerker – schrieb in einem seiner Briefe: „Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen“ (Philipper 4,11). Er schrieb das sogar aus einem Gefängnis, in das man ihn wegen seiner Glaubensüberzeugung gesperrt hatte. Von Paulus spricht man heute noch, die Gier aber frisst am Ende ihre eigenen Kinder.

(Quelle: ideaSpektrum 17/2010; mit freundlicher Genehmigung)

Foto: Leonardini / sxc.hu

Autor/-in: Horst Marquardt