21.02.2012 / Andacht
Alles nur geliehen
Was Gottes Macht mit meinem Besitz zu tun hat: Ein frischer Blick auf eine altbekannte Aussage der Bibel.
Ich liebe es, wenn mich Passagen der Bibel überraschen. Gerade dann, wenn ich sie schon längst abgeheftet, etikettiert und einsortiert habe. So geschehen beim ersten Vers von Psalm 24. „Dem Herrn gehört die ganze Erde mit allem, was darauf lebt“ heißt es da.
Schon etliche Male habe ich diese Aussage gelesen. Die Etiketten, die ich und einige Ausleger auf diesen Vers geklebt haben, lauten in kurzen Sätzen in etwa wie folgt: „Gott hat als Schöpfer alle Fäden in der Hand“ oder „Gott kann souverän über alles verfügen.“ Es geht um Gottes Macht, die Sicherheit und Stabilität verspricht. Gott, der Fels in der Brandung.
Zuspruch ja, Anspruch auch
Neben dem Versprechen schwingt für mich aber auch ein Anspruch in diesen Zeilen mit: Nicht mir gehört die Erde mit allem, was darauf lebt, sondern Gott. Bevor jemand aufatmet und einwendet, dass ihm ohnehin nicht die ganze Welt gehört: Psalm 24 sagt aus, dass alles Gott gehört. Mein Handy, meine Handtasche, mein Wellensittich. Mir gehört nichts. Nicht mal ich selbst. Besonders deutlich wird das, wenn Menschen sterben. Sogar meinen Körper kann ich nicht mitnehmen, ganz zu schweigen von Telefonen und Lederwaren.
In diesem Sinne ist vielleicht Psalm 90, 12 die passende Parallelstelle. Klug handelt, wer eher sein Ende als seinen Besitz im Blick hat. Diese Einstellung passt auch zum Rest von Psalm 24. Der spricht auch davon, sein Herz nicht auf falsche Dinge auszurichten (Vers 4). Gerade mit dieser Einstellung kann Gott in mir wohnen kommen (Vers 7).
Psalm 24 verspricht Sicherheit. Er ist aber auch eine Aufforderung, entspannt mit Besitz umzugehen. Weil er mir ohnehin nicht gehört. Er erinnert daran, großzügig zu sein, weil Gott ebenso großzügig ist. Und er erinnert daran, Besitz als das zu betrachten, was er ist: eine Leihgabe.