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02.01.2008 / Artikel
Albträume
Zum Thema "Träum Weiter" gehören auch diese Art von Träumen, auch wenn wir niemandem wünschen, dass er weiterträumt, wenn er gerade in einem Solchen steckt. Aber unser Autor Andreas Meißner weiß, wovon er spricht. Seine Albträume hinterließen eine bleibende Spur in seinem Leben - wie er damit umgeht, beschreibt er hier.
Ich bin in einer Kleinstadt in Thüringen aufgewachsen. Meine Eltern hatten in einer Kleingartenkolonie einen Garten gepachtet. Auf dem Weg dorthin mussten wir als Kinder auch an einem großen Grundstück vorbei, welches mit einem Lattenzaun abgegrenzt war. Wir machten uns oft einen Spaß damit, mit einem Stock an den Latten entlang zu rattern. Dieses Geräusch höre ich in Gedanken teilweise heute noch.
Albträume
Im Traum bin ich dann auch diesen Weg an dem Zaun entlanggegangen. Und plötzlich tat sich eine Grube auf – und ich fiel und fiel und fiel... An die Angst dabei und die Dunkelheit kann ich mich noch sehr gut erinnern, zumal ich diesen Traum über lange Zeit und auch oft hatte.
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Eine andere Szene: Um unsere imposante Stadtkirche war in Mannshöhe ein rundum laufender Sims angebracht, der alle Einbuchtungen der Kirche mitmachte. Als Kinder kletterten wir gern dort hinauf und - an die Wand gepresst - fand ein Wettbewerb statt, wer die weiteste Kletterstrecke schaffte. Gefährlich war das nicht, denn wir konnten ja nicht tief fallen.
Nachts allerdings stand mir oft diese Situation vor Augen, wie wir da herumkletterten und im Traum rutschte ich dann ab und fiel ins Bodenlose.
Bleibende Spuren
Ob aus dieser Zeit meine (oft undefinierte) Angst in vielen Situationen und vor schwierigen Lebensphasen stammt? Ich weiß es nicht genau.
Ich weiß nur, dass diese Albträume im Moment des Erlebens etwas fürchterlich Bedrohendes an sich hatten. Und dass diese Angst beim Fallen ins Bodenlose Spuren hinterließ.
Später musste ich oft diese Furcht vor neuen Situationen – in denen vielleicht etwas derart schief gehen könnte und ich wieder dieses Gefühl des Ausgeliefertseins empfinden würde – bewusst bekämpfen.
Tröstende Worte
Dabei war mir ein Ausspruch sehr hilfreich. Er stammt von einem bekannten Wanderprediger: „In der Welt werdet ihr von allen Seiten bedrängt (oder: habt ihr Angst), aber vertraut darauf: Ich habe die Welt besiegt.“
Das hat Jesus einmal seinen Schülern gesagt, als sich diese mental überfordert fühlten.
Diese Zusage hat auch mir schon oft neuen Mut gemacht: Jesus negiert meine Angstgefühle nicht. Im Gegenteil: Er weiß selbst zu gut, was Ängste sind. Aber er ist auch der Sieger über jede Art von Bedrohung. Das hat er spätestens nach seiner Auferstehung bewiesen. Und dieser Zuspruch macht auch mich immer wieder ruhig. Das Leben wird nicht einfach sein, aber ich muss es nicht allein durchkämpfen.
Die Albträume aus Kinderzeiten suchen mich nicht mehr heim. Aber jede Menge andere Angst einflößende Situationen sind zu durchstehen: Krankheiten, Existenzängste (momentan entscheidet sich gerade, ob meine Firma weiteren Personalabbau durchführt), Teuerungswelle, Beziehungsstress. Aber in all dem darf ich mich trotz allem ein Stück geborgen fühlen – bei dem, der die Angst besiegt hat.
Das gibt mir neuen Mut für den nächsten Tag.