Portrait Lesezeit: ~ 5 min

Zwischen Wickeltisch und Kanzel

Sarah Stopp stellt Gottes Zusage über die Meinungen Anderer.


  • Sarah Stopp ist Mutter und Pastorin und ist davon überzeugt: Beides funktioniert!
  • Ihren Lebensstil verdankt sie Gottes Möglichkeiten.
  • Sie möchte Frauen in Leiterpositionen ermutigen und hat dafür eine Konferenz ins Leben gerufen.

 

Sarah Stopp (Foto: privat)
Sarah Stopp (Foto: privat)

Sarah Stopp ist Mutter von drei Kindern im Kindergartenalter und leitet die Herzstück Jesusfreaks Gemeinde Ehrenfriedersdorf im Erzgebirge. Mama und Pastorin: Funktioniert das überhaupt? Leiden ihre Kinder nicht darunter? Reicht es ihr nicht, Mutter zu sein? Jahrelang ist Sarah sich selbst nicht sicher. „Ich lebte in einem ständigen inneren Kampf zwischen dem, was ich sein sollte und dem, was ich sein möchte – nämlich beides: Mama und Pastorin“, bringt es die Theologin auf den Punkt.
 

Als Frau an der Spitze der Gemeinde

Aufgewachsen ist Sarah Stopp in einem christlichen Umfeld, in dem Frauen nicht predigen durften. Später besucht sie eine Jugendgruppe, in der es normal ist, dass Frauen Leiterpositionen übernehmen. „Ich habe mich mit beiden Sichtweisen auseinandergesetzt und kann beide akzeptieren und irgendwie auch nachvollziehen“, erklärt Sarah nachdenklich. „Für mich geht es dabei um Berufung und um Gottes Willen.“ Mittlerweile hat sich die Jugendgruppe zu einer eigenständigen freien evangelischen Gemeinde entwickelt, die Sarah gemeinsam mit ihrem Ehemann Michael leitet. Geplant war das nicht. „Ich bin ehrlich gesagt in die Leitung reingeschlittert“, erzählt die 30-Jährige noch immer erstaunt darüber, wie sich ihr Leben entwickelt hat. „Ich hatte nie vor, Pastorin zu werden“, erklärt Sarah und erzählt von ihren Plänen, sozial schwachen Familien in Großstädten zu helfen. Doch Gott führt sie nicht nur in ein Leben auf dem Land, sondern auch in die Leitung der Gemeinde.
 

Gottes Antwort auf Sarahs Schamgefühl

Als Sarah ihr erstes Kind bekommt und bald darauf das Zweite ändert sich einiges in ihrem Leben. Sie wird immer nachdenklicher und kommt schneller an ihre Grenzen. „Jede Mama weiß, dass mit zwei Kindern alles etwas komplizierter wird. Das Erste konnten wir immer überall mitnehmen, aber mit zwei Kleinkindern ging das nicht mehr so leicht“, erklärt sie. Zu den Gemeindeveranstaltungen, die meistens abends stattfinden, geht deshalb ihr Mann allein. Sarah entscheidet sich bei ihren Kindern zu bleiben. „Ich spürte, dass meine Kinder mich brauchten. Aber ich bemerkte auch, dass mich das Mama-sein allein nicht ausfüllt“, gibt sie ohne Zögern zu. „Ich sehnte mich danach, noch mehr Verantwortung zu übernehmen und wollte auch außerhalb unserer Familie, Menschen positiv beeinflussen. Gleichzeitig hatte ich aber auch die Vorstellung, dass mir meine Kinder reichen müssten. Deshalb hatte ich oft ein schlechtes Gewissen und schämte mich für meine Träume und Ideen.“

Sarah Stopp hinterfragt sich immer mehr: Bin ich abhängig von dem, was ich leiste? Habe ich ein Egoproblem, weil mir meine Kinder nicht ausreichen? Warum bin ich so, wie ich bin? Während eines Spaziergangs betet die junge Mutter und legt Gott all diese Fragen hin. Dabei darf sie erleben, wie Gott ihr antwortet. „Gott sagte zu mir, dass ich so bin, weil er mich so will. Ich bin so, weil Gott mich so will: Dieser Satz klingt so leicht, aber er hat so viel in mir verändert“, beschreibt Sarah und fügt begeistert hinzu:

Ich hatte auf einmal das Gefühl, dass ich mich nicht schämen muss, weil Gott mich ja so erschaffen hat – mit allen Träumen, Ideen, Visionen und Bedürfnissen! – Sarah Stopp

 

Als Mama lebendig bleiben

Dieser Moment mit Gott motiviert Sarah dazu, sich intensiver mit dem Thema Mama-sein und Leiterin-sein zu beschäftigen. Sie hört sich Podcasts von Frauen an, die ähnlich fühlen wie sie und wird dadurch gestärkt.

Um eine glückliche Mama sein zu können, muss ich auf mich achten. Ich kann nur glücklich sein, wenn ich mir Zeit für Dinge nehme, die mich lebendig halten – auch wenn es nur ein Abend in der Woche ist. – Sarah Stopp

 

Gemeinsam mit ihrem Mann sucht sie nach Möglichkeiten, ihre Berufung als Pastorin weiterhin leben zu können. Frauen, denen es ähnlich geht, möchte Sarah jedoch nicht nur das Gespräch mit dem Partner ans Herz legen, sondern vor allem auch mit Gott. „Ich habe angefangen, ganz konkret für kreative Wege zu beten und seitdem erlebe ich immer wieder, dass Gott die verrücktesten Möglichkeiten schenkt“, erzählt Sarah. Dann beschreibt sie, wie für die letzten neun Monate eine Freundin, die eine Auszeit von ihrem alten Umfeld brauchte, Teil ihrer Familie wurde, um sie zu unterstützen.

Das Muttersein aufgeben, um ganz Pastorin sein zu können, möchte Sarah Stopp trotzdem nie:

Ich glaube, dass Kinder der wichtigste Dienst sind, den wir haben. Für mich heißt das jedoch nicht, dass alles andere liegen bleiben muss. Der Dienst als Mama schließt nicht alles andere aus! – Sarah Stopp

 

Es ist ein täglicher Spagat, allem gerecht zu werden. Aber auch das lässt Sarah nicht aus der Ruhe bringen. „Gerade wir Frauen müssen hin und wieder einfach mal unseren Perfektionismus ablegen und Fehler zugeben. Ich entschuldige mich zum Beispiel bei meinen Kindern und erkläre, warum es nicht ihre Schuld ist, wenn ich mal erschöpft bin“, schildert die dreifache Mutter. Es ist ihr in den letzten Jahren sehr wichtig geworden, Gottes Zusagen ernst zu nehmen. „Ich habe gelernt, seinen Auftrag über die Meinung anderer Menschen zu stellen und das ermöglicht mir heute diesen Lebensstil“, fasst sie zusammen.
 

Eine Konferenz für Frauen, die leiten

Sarah Stopp fühlte sich lange Zeit allein mit diesem Thema und hat deshalb die Wundervoll-Konferenz ins Leben gerufen: Eine Konferenz für Frauen, die leiten. „Auf dieser Konferenz geht es nicht darum, starke Frauen auf der Bühne zu zeigen, sondern um den ehrlichen Austausch: Über Kämpfe und was Gott in diese Kämpfe hineingesprochen hat“, beschreibt Sarah ihre Idee. Die nächste Wundervoll-Konferenz findet 2020 statt. Außerdem bloggt sie gemeinsam mit anderen Frauen, die leiten, auf morethanpretty.


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