Andacht Lesezeit: ~ 13 min

Zoff zu Hause: Zerstritten mit Geschwistern

Zwei Brüder überwinden ihre Feindschaft.


Streit kann furchtbar sein. Besonders dann, wenn Menschen in der eigenen Familie aneinander geraten. Die Geschichte der Brüder Esau und Jakob macht Mut. Denn sie schaffen es nach vielen Jahren, ihren erbitterten Streit hinter sich zu lassen.
 

Das kommt in den besten Familien vor

 

Wo Menschen miteinander zu tun haben, da bleibt Streit nicht aus. Denn jeder einzelne hat Bedürfnisse. Und die können sehr unterschiedlich sein. Ein Beispiel: Meine 14-jährige Tochter hört gerne Musik. Natürlich auch dann, wenn sie sich in unserem Wohnzimmer aufhält. Ich dagegen bin froh, wenn mal nichts auf mich einprasselt. Interessenskonflikt nennt sich das. Dabei ist jedes Bedürfnis für sich genommen absolut berechtigt. Und meine Tochter und ich werden uns auch oft einig. Mal macht sie die Musik aus oder nimmt Kopfhörer. Ein anderes Mal höre ich einfach mit.

 

Aber das Ringen um eine gute Lösung – und zwar für alle Beteiligten – das kann auch zu heftigen Auseinandersetzungen führen. Ja sogar zu einem regelrechten Kampf. Selbst innerhalb der eigenen Familie. Was für viele besonders bitter ist. Jan Bittler, Fachanwalt für Erbrecht, erzählt:

Bei meinen Mandanten sehe ich immer wieder, wie Familien plötzlich miteinander umgehen. Wie verbiestert Geschwister mit einem Mal selbst um Kleinigkeiten kämpfen. Auch bei kleinen Erbschaften kommt es zu Streit, öfter jedoch bei größeren. Bei Summen ab 100 000 Euro sogar in jedem vierten Fall. – Jan Bittler, Fachanwalt für Erbrecht

 

Konkurrenz im Kinderzimmer

Die beiden Brüder, die ich Ihnen vorstellen will, streiten auch um eine Art Erbe. Um den letzten Willen ihres Vaters. Doch die Rivalität der Geschwister tobt schon viel länger. Bereits im Bauch Ihrer Mutter stoßen sie sich gegenseitig weg. Die Brüder sind nämlich Zwillinge. Dabei bedeutet das Wort „wegstoßen“ ursprünglich so viel wie „unterdrücken“ oder gar „zerschmettern“.

Offensichtlich geht es um mehr als um den üblichen Boxkampf, den Zwillinge schon Mal im Mutterleib miteinander austragen. Auch ihre Mutter Rebekka spürt das deutlich. Und sie ist frustriert. Nach vielen Jahren ist sie endlich schwanger. Und nun das. Ihre Kinder bekämpfen sich heftig. Schon in ihrem Bauch. Schließlich fragt sie Gott: Warum mutest Du mir das zu? Und Gott enthüllt ihr, warum sich ihre Kinder streiten. Die Brüder werden Stammväter zweier Völker sein. Dabei werden die Nachkommen des jüngeren Bruders zum stärkeren Volk. Und die Nachfahren des Älteren werden ihm dienen (1. Mose 25,22-23).

So verzweifelt die werdende Mutter ist: Gott kennt die Situation ihrer Familie. Auch wenn die verfahrene Lage in Ihrer eigenen Familie Sie vielleicht niederdrückt. Reden Sie mit Gott darüber. Wie Rebekka es getan hat. Und seien sie versichert:

Gott kennt auch Sie. Und Ihre Lieben. Und Gott hat viele Möglichkeiten. Er kann auch aus schlimmen Umständen Gutes hervorbringen.

 

Ein frustrierender Name - ein frustrierendes Schicksal?

Der Konkurrenzkampf zwischen Rebekkas Söhnen geht weiter. Sogar während der Geburt. Als Esau zuerst das Licht der Welt erblickt, staunen die Hebammen nicht schlecht. Denn sein Bruder hält „mit seiner Hand Esaus Verse fest“ (1. Mose 25,26). Bis zuletzt hat er also noch versucht, seinen Bruder zurückzuhalten. Natürlich wollte er selbst als Erster geboren werden. Doch diesen Kampf hat er wohl verloren. Und dazu bekommt er das auch noch für immer ins Stammbuch geschrieben. Denn der Jüngere bekommt den Namen Jakob. Und das bedeutet: „er greift nach der Verse“.

Was für ein frustrierender Name. Soll der nun für immer seinen Charakter beschreiben? In jedem Fall lässt sich in den kommenden Jahren Jakobs übermäßiger Ehrgeiz erkennen. Und als sich die Gelegenheit bietet, seinem Bruder Esau das Recht des Erstgeborenen abzuluchsen, da greift Jakob zu. Ohne die geringsten Skrupel (1. Mose 25,29-35).

Ich kann Jakob verstehen. Der jüngere von zwei Brüdern zu sein: das kann einen Menschen furchtbar unter Druck setzten. Mein Bruder ist zwei Jahre älter als ich. Und natürlich verschaffte ihm das zwei Jahre Vorsprung. Beim Laufen, beim Sprechen, beim Schreiben, beim Zeichnen. Und nicht zuletzt bei den Kissenschlachten und Ringkämpfen. Auf nahezu jedem Gebiet. Natürlich erleben jüngere Schwestern das oft ähnlich. In der Folge entwickelte ich viel mehr Ehrgeiz als mein Bruder. Ich wollte ihn übertrumpfen. In der Schule, im Sport, in der Berufsausbildung. Dabei ging ich teilweise auch über meine eigenen Grenzen. Und das tat mir natürlich nicht gut. Jüngere Geschwister stehen manchmal zusätzlich unter enormen Leistungsdruck.

Die ganze Familiensituation verschärft sich noch, wenn die Eltern Öl ins Feuer gießen. Bei Esau und Jakob war das der Fall. „Ihr Vater … hatte eine Vorliebe für Esau; Jakob aber war der Liebling der Mutter“ (1.Mose 25,28). Wenn Eltern eines ihrer Kinder bevorzugen, dann tun sie ihren Sprösslingen keinen gefallen. Eine Falle, in die manche Eltern tappen. Natürlich ist jedes Kind anders. Deshalb ist auch die Beziehung zu jedem verschieden. Doch dass jeder Elternteil einen eigenen Liebling hat, das ist furchtbar. Das tut der Beziehung unter den Geschwistern überhaupt nicht gut. Das gleiche gilt übrigens, wenn die Eltern ein gemeinsames Lieblingskind favorisieren. Was für eine Botschaft kommt da wohl bei den benachteiligten Kindern an? Und selbst dem bevorzugten Kind schadet das auf Dauer. Garantiert.

Natürlich ist jedes Kind anders. Deshalb ist auch die Beziehung zu jedem verschiedenen. Doch dass jeder Elternteil einen eigenen Liebling hat, das ist furchtbar.

 

Erbitterte Feindschaft – in der eigenen Familie

Das Verhältnis zwischen Esau und Jakob ist schwer belastet. Durch ihre gegenseitige Konkurrenz torpedieren sie es immer wieder. Und das nun schon ihr ganzes Leben lang. Doch ihre Beziehung erreicht einen neuen Tiefpunkt. Als ihr Vater Isaak alt geworden ist meint er: Jetzt ist es höchste Zeit, dem Esau, meinem Ältesten, den Segen weiterzugeben. Jene Zusage, die Gott einst Abraham gemacht hatte, Isaaks Vater. Und die übergegangen war auf ihn selbst. Doch bei dieser Aktion läuft alles schief. Und zurück bleibt ein riesiger Scherbenhaufen.

Schon vor der Geburt der Brüder hatte Gott angekündigt: dem Jüngeren gilt meine Zusage, die ich Abraham gegeben habe. Aus Jakob soll das Volk entstehen, aus dem die Versöhnung für alle Menschen der Welt kommen wird. Die Versöhnung mit Gott. Diese Tatsache hat Isaak einfach übergangen, als er diese Zusage seinem Lieblingssohn zusprechen wollte. Esau wiederum scheint Gottes Zusage so zu verstehen, dass sein Vater und er einfach darüber verfügen können. So wie es ihnen passt. Dass Gott letztlich entscheidet, mit wem er diesen oder jenen Plan verfolgt – das scheint Esau nicht zu begreifen.

Auch das andere Duo der Familie macht in dieser Situation eine ganz erbärmliche Figur. Rebekka hört von den Plänen ihres Mannes. Und sie stiftet ihren Goldjungen an, den blinden Vater hinters Licht zu führen. Mit einem kaltblütigem Betrug täuscht Jakob vor, er sei Esau. Worauf das Familienoberhaupt seinen jüngeren Sohn segnet. Ohne es zu wissen. Natürlich hatte Gott von Anfang an vor, seine Zusage an Abraham durch Jakob weiterzuführen. Doch wie sich zeigen wird, spricht er dieses Versprechen dem Jakob später selbst zu. Ganz direkt. Ganz ohne das Zutun Isaaks. Der Frevel, den gebrechlichen Greis zu betrügen, der war wohl völlig überflüssig (1. Mose 25,23 vgl. 28,13-15; 26,2-5. 24; 27; Johannes 4,22).

Aber die ohnehin schon extrem gestörte Beziehung zwischen den ungleichen Zwillingen ist nun völlig zerbrochen. In seinem Schmerz, seiner Wut und seiner Enttäuschung fasst Esau einen furchtbaren Entschluss: „Mein Vater lebt nicht mehr lange. Wenn die Trauerzeit vorüber ist, werde ich meinen Bruder Jakob umbringen“ (1. Mose 27,41). Und Jakob flieht. Und kommt zu seinem Onkel Laban. Mehr als 700km entfernt von seinem Bruder, der wutentbrannt auf Rache sinnt (1. Mose 27,43ff). Die beiden sind nicht die einzigen Geschwister, die sich heillos zerstritten haben. Aber ihre Geschichte macht Mut. Weil Gott mit den Zwillingen der Familie Isaak noch nicht am Ende ist.
 

Im Clinch mit Gott

Was ursprünglich ein Trip von ein paar Tagen oder Wochen sein sollte – das wird schließlich zu einem Abenteuer von zwanzig Jahren (1. Mose 31,38.41). Der flüchtige Jakob muss eine Menge lernen in dieser Zeit. Denn nun erfährt der Betrüger am eigenen Leib, wie es ist, wenn er selbst betrogen wird. In seinem Onkel Laban scheint er seinen Meister gefunden zu haben. Der täuscht seinen Neffen. Und das ohne die leisesten Gewissensbisse.

Statt der geliebten Rahel hat Jakob mit einem Mal deren ältere Schwester zur Frau. Und als Jakob sich für seinen Onkel auf Provisionsbasis bei den Viehherden abrackert, ändert der ständig die Vertragsbedingungen. Um seinen Neffen auszutricksen. Ich bin heilfroh, dass ich nicht in dieser Familie aufwachsen musste.

Doch hier lernt Jakob etwas ganz entscheidendes: „Der Gott meines Vaters stand mir zur Seite. Laban hat mich betrogen und meinen Lohn zehnmal verändert; aber Gott hat nicht zugelassen, dass er mir schaden konnte“ (1. Mose 31,5-8). Gott hilft Jakob. Das ist tröstlich. Und zugleich verblüffend. Denn Jakob ist doch auch ein ausgemachter Betrüger. Wieso steht Gott so einem bei? Sicherlich deshalb, weil Gott dem Jakob genau das versprochen hat.

Denn auch wenn Jakob vor der Todesdrohung seines Bruders fliehen musste – Gott hatte immer noch vor, aus ihm und seinen Kindern das Volk Israel zu machen (1. Mose 28,15). Und daran ändert auch Jakobs Fehlverhalten nichts. Das hat mit Gottes Gnade zu tun. Und mit seiner Barmherzigkeit. Jakob wurde nicht von Gott ausgesucht, weil er sich immer vorbildlich verhalten hat. Sondern weil Gott das so wollte. Das ermutigt mich. Auch ich lebe als Christ nicht immer so, wie es Gott gefällt. Aber jeder, der an Jesus Christus glaubt, der ist von Gott angenommen. Ein für alle Mal. Und das ist gut so. Wer kann immer und allezeit nach dem Willen Gottes handeln? Niemand. Und somit ist jeder auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen. Sie und ich auch.

Jakob wurde nicht von Gott ausgesucht, weil er sich immer vorbildlich verhalten hat. Sondern weil Gott das so wollte.

 

Aber das ist noch nicht alles. Gott ist gewiss nicht einverstanden mit Jakobs hinterlistigen Intrigen. Und deshalb nimmt er ihn unter seine Fittiche. Durch das Leben auf der Flucht und bei seinem Onkel Laban lernt Jakob: betrügen ist furchtbar. Er erfährt das jetzt am eigenen Leib. 20 Jahre dauert diese Lernerfahrung, die Gott dem jüngeren Sohn Isaaks zumutet. Das ist wohl ein harter Weg gewesen.

Immer wieder sagen mir Menschen: in den schweren Zeiten meines Lebens habe ich am meisten gelernt. Über Gott – und über mich selbst. Ich wünsche niemandem schmerzliche Lebensphasen. Doch sie gehören wohl zu einer Welt, die Gott den Rücken gekehrt hat. Aber Gott kann auch diese furchtbaren Zeiten einflechten in seine Pläne mit uns. Bei Jakob. Und auch bei mir und bei Ihnen. Es sind oft die Monate und Jahre, die uns verändern. Zum Guten verändern. Jakob lernt: ich muss nicht betrügen, um nur ja nicht zu kurz zu kommen.

Dass mein Leben gelingt, das liegt in einer ganz anderen Hand. Nämlich in der des Höchsten. In der Hand Gottes.

 

Jakobs Lernprogramm strebt nach 20 Jahren einem dramatischen Höhepunkt entgegen. Es ist schon fast eine Art Abschlussprüfung. Gott fordert Jakob auf, Laban zu verlassen. „Kehre in das Land deiner Vorfahren und zu deinen Verwandten zurück! Ich werde dir beistehen“ (1. Mose 31,3). Zurückkehren soll er. Zu seinen Verwandten. Also auch zu Esau, dem Bruder, der ihn töten will. Und Esau zieht seinem Zwillingsbruder auch schon entgegen. Mit 400 Männern. Und Jakob hat Angst. Zum ersten Mal heißt es von ihm: er bittet Gott um Hilfe (1. Mose 32,7.8.12). Und er bereitet sich vor. Ein großzügiges Geschenk schickt er voraus. Um Esau zu versöhnen.

Die Nacht vor der alles entscheidenden Begegnung verbringt er ganz alleine. An einer Furt des Flusses Jabbok. Da geschieht es. Wie aus dem Nichts wird Jakob angegriffen. In der völligen Dunkelheit. „Plötzlich stellte sich ihm ein Mann entgegen und kämpfte mit ihm bis zum Morgengrauen.“ Manche meinen der Angreifer sei einfach ein Mensch. Ich gehe davon aus, dass hier tatsächlich Gott selbst mit Jakob kämpft. Denn der sagt über jenen nächtlichen Ringkampf: „»Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und trotzdem lebe ich noch!«“ „Darum nannte er den Ort Pnuël »Gesicht Gottes«“ (1. Mose 32,23-32).

Zwei Schlüsselszenen will ich hervorheben. Als der nächtliche Angreifer merkt, dass Jakob sich nicht so ohne weiteres niederringen lässt, holt er zum entscheidenden Schlag aus. Und damit renkt sein Gegner dem Jakob das Hüftgelenk aus. Damit ist Jakob eigentlich geschlagen. Aber nun geschieht etwas Wesentliches. Der unbekannte Widersacher ist offensichtlich überlegen. Aber Jakob lässt nicht locker. „Ich lasse dich nicht eher los, bis du mich gesegnet hast!“ Für mich sieht das hier so aus: Jakob begreift nun, wer der Fremde in Wahrheit ist. Nämlich Gott selbst. Und der jüngere Sohn Isaaks will den Allmächtigen nicht loslassen, bis dieser ihn segnet.

Jetzt ist Jakob soweit und versteht: Ich muss nicht ständig selbst darum kämpfen, dass mein Leben gelingt. Ich muss dafür nicht meinen Vater und meinen Bruder betrügen. Ich muss mir keinen menschlichen Segen stehlen und andere damit verletzen und sie mir zu Feinden machen. Nein. Das ist alles unnötig. Was ich brauche, ist das eine: dass Du mich segnest. Du, der lebendige Gott (1. Mose 32,23-32).

Dieser Kampf in der Dunkelheit wird deshalb in der Bibel berichtet, damit wir zu dem gleichen Schluss kommen. Damit auch Sie und ich sagen: vorbei ist das verbissene Kämpfen um Erfolg und Anerkennung. Was ich brauche, das ist der Segen Gottes. Der Zuspruch des Allmächtigen. Natürlich dürfen und sollen wir für unsere Belange eintreten. Aber Sie und ich – wir müssen nicht mehr krampfhaft wegen jeder Kleinigkeit in eine Schlacht ziehen. Und schon gar nicht mit Lüge und Hinterlist. Denn Gott ist es, der unser Leben gelingen lässt. Und es ist sein Segen, den wir brauchen.

Das wird Jakob jetzt klar. Und Gott bestätigt das: „Du sollst nicht mehr Jakob heißen. Du hast schon mit Gott gekämpft und mit Menschen und hast es überstanden. Darum heißt du von jetzt an Israel – d.h. ›Gotteskämpfer‹“ (1. Mose 32,23-32).

Unaufhörlich hat Jakob gekämpft. Zuerst in der Konkurrenz zu seinem Bruder. Und später mit seinem Onkel Laban. Und schon diese Auseinandersetzungen waren wohl auch Kämpfe mit Gott. Denn Jakob musste lernen: seine eigenen Betrügereien bringen ihn nicht weiter. Im Gegenteil. Nichts als Not und Angst und Verletzungen lassen sie zurück. Das versteht er nun. Und deshalb gibt Gott ihm einen neuen Namen. Der alte Jakob muss nun nicht mehr heißen: „der nach der Verse greift“. Auch nicht mehr „der Betrüger“, was in seinem Namen ebenfalls mitschwingt (1. Mose 27,36). Diesen frustrierenden Namen darf er hinter sich lassen. Und damit sein altes Wesen. „Israel“, nennt ihn Gott nun. „Der Gotteskämpfer“ oder auch „Gott kämpft“. Denn in seinem unsäglichen eigenen Bemühen, nicht zu kurz zu kommen, hat Jakob seine Lektion gelernt: Ich brauche – vor allem anderen und zu allererst – Gott. Und seinen Beistand.

Ob ich diese Lektion auch schon gelernt habe? Ich glaube, ich bin noch dabei. Aber ich will von Jakobs Leben weiter dazu lernen. Oh! Ich meine natürlich von Israels Leben.
 

Versöhnung ist möglich

Ich habe den Eindruck: Jakob ist ab diesem Zeitpunkt tatsächlich grundlegend verändert. Jetzt ist er eine Menge Druck losgeworden. Durch die Erfahrung: Gott steht mir bei. Und er lässt mein Leben gelingen. Selbst wenn Menschen es schlecht mit mir meinen. Und so zieht er am nächsten Morgen weiter. Seinem Bruder Esau entgegen. Dem Mann, der ihn vor 20 Jahren umbringen wollte. Und tatsächlich gelingt den beiden eine Versöhnung. Als sie sich schließlich gegenüber stehen heißt es: „Esau rannte Jakob entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Beide fingen an zu weinen“ (1. Mose 33,4).

Die Brüder sind zu diesem Zeitpunkt wohl schon mindestens 60 Jahre alt. Es hat also lange gedauert, bis sie ihre Fehde beenden konnten. Gott war es, der zumindest Jakob soweit gebracht hat, dass er ihm vertraut. Und dadurch in der Lage war, seinem Bruder anders gegenüber zu treten. Nicht mehr als erbitterter Konkurrent um die Gunst der Vaters. Sondern als ein Mann der weiß: was ich brauche, dafür wird Gott sorgen. Inwieweit Gott an Esau gearbeitet hat, wird in der Bibel nicht berichtet. Deshalb will ich auch nicht spekulieren. Aber Gott hat es den beiden geschenkt, dass sie Frieden schließen konnten miteinander. Auch wenn sie anschließend getrennte Wege gehen.
 

Versöhnung ist möglich. Sicher nicht in jedem Fall. Aber was bei den ungleichen Zwillingen gelang, das kann auch heute geschehen. Oft ist es wohl notwendig, dass Gott wenigstens einen der beiden Streithennen und –hähne verändert. So wie Jakob, der zum Israel wurde. Zum Menschen, der mit Gott gerungen hat. Und es kann Jahrzehnte dauern, bis Geschwister ihren Streit beilegen können. In manchen Fällen wird die Versöhnung vermutlich auch gar nicht gelingen. Aber was immer geht – und worauf Sie und ich Einfluss haben:

wir können uns Gott anvertrauen. Ihn an uns handeln lassen. Damit er uns verändern kann. Bis wir mehr und mehr verstehen: ich brauche vor allem ihn. Den lebendigen Gott, der mich in seine Schule nimmt. Und mich dadurch letztlich segnet.


 

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Kommentare

Von Steffen Brack, Redaktion ERF Theologie am .

Das hebräische Wort, um das es geht, kommt in 1. Mose, Kapitel 25, Vers 22 vor. Dabei liegt die erste Bedeutung zunächst einmal auf der Hand, nämlich dass sich die Brüder im Mutterleib gegenseitig "wegstoßen". Doch offensichtlich steckt noch mehr hinter der ganzen Angelegenheit, wie Rebeccas Frage an Gott zeigt. Denn um den üblichen Clinch zwischen Zwillingen im Bauch ihrer Mutter scheint es sich hier offensichtlich nicht zu handeln. Sonst wäre Rebecca nicht derart frustriert. Und Gottes mehr

Von Katrin am .

"Dabei bedeutet das Wort 'wegstoßen' ursprünglich so viel wie 'unterdrücken' oder gar 'zerschmettern'." --> Im Deutschen oder im Hebräischen? Denn fürs Deutsche ergibt es auf den ersten Blick keinen Sinn...


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