7 Wunder Lesezeit: ~ 4 min

Alles wird gut

Manchmal erscheint uns das Handeln Gottes nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar. Aber er bringt alles zu einem guten Ende.


Das Telefon klingelt, mein Sohn ist dran, weint fast und sagt aufgeregt: „Mama, ich bin mit dem Fahrrad ganz doof hingefallen, mein Pedal ist abgebrochen, und ich bin auf den Kopf gefallen, kannst Du mich abholen? Beim Bäcker.“

Zuerst bin ich natürlich erschrocken. Ich hatte auch gar kein Auto zur Verfügung, als das passiert ist.  Also leihe ich mir eins. Hoffentlich passt sein Fahrrad in den kleinen Golf.

Dann fahre ich los. Er steht jammernd an einem Straßenschild und wartet offensichtlich sehnsüchtig, dass ich komme.

Das Fahrrad passt ins Auto, und ich spüre fast körperlich seine Erleichterung, dass er jetzt neben mir sitzt. Hier ist er sicher. Alles fällt von ihm ab. Alles wird gut.

Mit etwas Abstand denke ich: Wie gut, dass er in dieser digitalen Zeit so eine Erfahrung machen konnte. Ja, er ist gestürzt, ja, er hat sich wehgetan. Aber vor allem: Er hat es durchgestanden. Er hat eine Lösung für eine schwierige Situation gesucht und gefunden. Er hatte kein Handy aber ein paar Centstücke in der Hosentasche und hat eine Telefonzelle gefunden, von wo aus er mich anrufen konnte. Er hat eine Erfahrung gemacht, wie er eine Belastungssituation durchstehen kann und ist nicht schon im Vorfeld von seiner „Helikopter-Mutter“ um jegliche Herausforderung herumgeschifft worden. Diese Erfahrung wird ihn lebenstauglicher und widerstandsfähiger machen.

 

An Herausforderungen wachsen wir

Jesus hat seinen Jüngern auch immer mal die Gelegenheit gegeben, besondere Erfahrungen zu machen. Auch dazu bedurfte es manchmal zunächst einer Herausforderung, einer schwierigen Situation. Jesus hat es zugelassen, dass auch seine Jünger und Nachfolger in schwierige Situationen kamen. So z. B. auch Maria und Martha: Ihr Bruder Lazarus ist krank. Sehr krank. Todkrank.

Sie lassen es Jesus wissen, dass Lazarus, mit dem er befreundet war, schwer krank darniederliegt. Jesus ließ sich davon aber nicht beunruhigen, sondern sagte voller Gelassenheit: „Diese Krankheit wird ihn nicht umbringen. Sie ist nur die Bühne für Gottes großen Auftritt, wenn er seine Macht und Herrlichkeit an Lazarus zeigen wird.“ Und Jesus ließ sich Zeit. Er war gerade nicht in Jerusalem, als ihn die Nachricht von der Krankheit Lazarus‘ erreicht. Aber in aller Seelenruhe blieb er noch zwei Tage auf der anderen Jordanseite. Dann erst schlug er seinen Jüngern vor, wieder nach Jerusalem zurückzukehren. Die Jünger waren erschrocken über diesen Gedanken von ihm, denn die Stimmung in Jerusalem war recht feindlich und aggressiv gegen Jesus gewesen. Aber auch das konnte Jesus nicht verunsichern. Er hatte offensichtlich keine Angst vor dem Tod – nicht vor seinem eigenen und auch nicht vor dem von Lazarus.

Etwas provokant sagt Jesus deshalb: „Lazarus schläft, ich gehe mal, um ihn aufzuwecken“. Seine Jünger wollen ihn umstimmen mit dem Argument: „Aber Schlaf ist doch wichtig, um gesund zu werden! Lass ihn doch schlafen, das wird ihm gut tun!“ Sie hatten gar nicht kapiert, dass Jesus trotz räumlicher Entfernung wusste, dass Lazarus bereits gestorben war. Das offenbarte er ihnen nun: „Lazarus ist schon gestorben. Ich bin froh, dass ich nicht da war… – damit ihr glaubt.“

Wie bitte? Lazarus ist seiner Krankheit erlegen, und Jesus sagt: „Wie gut, dass ich nicht da war!“?

Das ist ganz schön heftig. Warum entschuldigt er sich nicht oder erklärt nicht, was ihn daran gehindert hat, rechtzeitig zu kommen, um Lazarus vor dem Sterben zu bewahren?

Das ist der Moment, in dem die Jünger und Schwestern von Lazarus um eine Erfahrung reicher werden. Selbst angesichts des Todes ist Jesus nicht hektisch, nicht hysterisch, sondern völlig gelassen, gechillt, würde man heute sagen.
 

Selbst angesichts des Todes ist Jesus völlig gelassen

Wie kann das sein? Die Lösung liegt in den Worten: „Lazarus schläft!“

Ist das überhaupt die Wahrheit? Ist es nicht eine deutliche Verdrehung der Tatsachen? Ist es nicht eigentlich gelogen? Nicht für Jesus. Für Jesus ist das die reine Wahrheit. Denn, der Tod ist für ihn nicht mehr als ein Schlaf; nicht stärker, nicht bedrohlicher, nicht endgültiger, als ein Schläfchen.  

Jeder Mittagsschlaf endet irgendwann – leider. Jeden Morgen, ob mit oder ohne Wecker, wachen wir auf und müssen oder dürfen in den Tag starten.

Schlaf ist für uns immer endlich. Und so harmlos sieht Jesus auch den Tod. Jedes Tot-Sein geht zu Ende.

 

Für Jesus ist der Tod nicht mehr als ein Schlaf

Und so hat Jesus Lazarus aufgeweckt. Mit lauter Stimme hat er ihn aus der Grabhöhle herausgerufen, in der er schon mehrere Tage gelegen hatte. Jesus konnte und kann den toten Lazarus so leicht aufwecken, wie aus einem Schlaf. Und so kommt Lazarus aus der Grabhöhle, etwas benommen, etwas wackelig auf den Beinen, so als wäre er tief eingeschlafen gewesen. Wenn Jesus aufweckt, ist auch der Tod entmachtet.

Mich beeindruckt diese Geschichte zutiefst. Und so ist es bei jeder Beerdigungsfeier ein Satz, der nicht fehlen darf, wenn Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, WIRD leben – auch wenn er (äußerlich) gestorben ist“. Halleluja.

Diese Erfahrung hätten Maria, Marta und die Jünger nicht gemacht, wenn Jesus den kranken Lazarus geheilt hätte. Dieses Auferweckungswunder setzt im Gegenüber zu Heilungs-Wundern noch einen drauf. Es durchbricht die Schallmauer der Endgültigkeit des Todes – und das bevor Jesus selbst gestorben und auferstanden ist. Schon vorher hatte er die Macht über Leben und Tod, so dass der Tod in seinen Augen nicht mehr als ein Schlaf sein konnte. Daran wird die unfassbare Größe und Macht Jesu deutlich und beeindruckt mich zutiefst. Der Tod ist verschlungen in den Sieg?! (1. Korinther 15,55). Alles wird gut.


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