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Hirtinnen im Gefängnis

Durch das „Women of Hope“-Team finden inhaftierte Frauen in Paraguay neue Hoffnung.

 

Einmal jährlich finden Konferenzen für die vier Hauptregionen statt, in denen TWR mit seinen Partnern tätig ist. Claudia Schmidt war für ERF Medien zu Gast bei der Partnerkonferenz in Lateinamerika.

„Vor dreizehn Jahren wollte ich Selbstmord begehen“, beginnt Laura ihre Geschichte. Sie ist keine gewöhnliche Teilnehmerin der Konferenz der lateinamerikanischen TWR-Partner, die in diesem Jahr in Asunción in Paraguay stattfindet. Gespannt lausche ich ihren Worten. Laura ist eine Gefangene auf Bewährung, die nur für eine Stunde Ausgang hat, um uns ihre Geschichte zu erzählen:
 

Eine neue Perspektive für Straftäterinnen

Die anderen Frauen im Gefängnis haben mich abgelehnt und gemieden, wegen der schlimmen Straftat, die ich begangen habe“, fährt Laura fort. „22 Jahre Freiheitsentzug habe ich dafür bekommen. In den ersten Jahren meiner Haft habe ich mich schrecklich einsam und schuldig gefühlt. Ich hatte alles verloren und bereute meine Tat. Aber ich konnte sie nicht ungeschehen machen. Der harte Gefängnisalltag schlug mir aufs Gemüt. Mein Leben war so sinnlos und leer. Alle Hoffnung war zerstört.

Eines Tages, als mir wieder einmal Selbstmordgedanken durch den Kopf gingen, erhielt ich eine Einladung. Ich war eine der Auserwählten, die an einem Programm teilnehmen durfte, das eine Gruppe christlicher Frauen jeden Montag in unserem Gefängnis gestaltete. So kam ich in Kontakt mit „Women of Hope“. Ich durfte kreativ sein, handwerken und malen. Mein erstes Kunstwerk habe ich heute noch. Nach dem handwerklich kreativen Teil erzählten uns die Women of Hope-Frauen von Jesus. Die Geschichten und Wahrheiten aus der Bibel waren neu für mich, aber sie bewegten mich sehr. Ich fing an, in der Bibel zu lesen.

Mit der Zeit verschwanden meine Selbstmordgedanken. Ich hatte etwas, worauf ich mich freuen konnte. Durch die Treffen und die Gedanken aus der Bibel, die die „Women of Hope“-Frauen uns weitergaben, veränderte sich mein ganzes Leben. Mit der Zeit fing ich an, Jesus zu vertrauen.

 

Die Geschichten und Wahrheiten aus der Bibel waren neu für mich, aber sie bewegten mich sehr. Ich fing an, in der Bibel zu lesen. Mit der Zeit verschwanden meine Selbstmordgedanken. Ich hatte etwas, worauf ich mich freuen konnte.  – Insassin des Gefängnisses „Buen Pastor“ in Paraguay

 

Eine biblische Geschichte, die mir besonders gefällt, ist die Begegnung zwischen Jesus und Petrus nach seiner Auferstehung. Petrus hatte einen großen Fehler gemacht. Er hat ihn verleugnet. Doch Jesus verurteilt ihn nicht für sein Versagen. Stattdessen fragt er Petrus, ob er ihn liebt. Als Petrus ja sagt, gibt Jesus ihm einen besonderen Auftrag: ‚Sorge für meine Schafe.‘ Genau das haben Frauen von Women of Hope für mich getan – und auch für viele andere Frauen im Gefängnis. Sie sorgen für uns wie ein guter Hirte, der sich um seine Schafe kümmert.
 

Hohe Mauern verhindern nicht, dass Jesus heilt und befreit

Am folgenden Montag darf ich den Ort besuchen, an dem Laura gut zwei Jahrzehnte ihres Lebens verbracht hat. Mit dem „Women of Hope“-Team nehme ich an einer der Montagsveranstaltungen im Gefängnis „Buen Pastor“ (deutsch: Guter Hirte) in Asunción teil. Wir treffen uns im Innenhof des ehemaligen Klosters. Eine Statue des heiligen Josés, der als guter Hirte dargestellt wird, erinnert daran, dass vor einigen hundert Jahren katholische Ordensschwestern an diesem Ort lebten. Heute büßen etwa 500 inhaftierte Frauen ihre Strafe hinter den hohen und inzwischen verkommenen grauen Mauern ab. Doch der Name dieses historischen Ortes scheint immer noch Programm zu sein.

Etwa zwanzig Frauen dürfen bei unserem Treffen dabei sein. Als Peggy Banks, die Leiterin der weltweiten „Women of Hope“-Bewegung, den Frauen erzählt, dass Jesus sie trotz aller Fehltritte liebt und wertschätzt, fließen Tränen. Die Geschichte der Sünderin aus dem Lukas Evangelium, die Peggy als Beispiel zitiert, spricht genau ins Leben dieser Frauen. Auch sie fühlen sich ausgegrenzt und werden von der Gesellschaft verachtet. Aber Jesus nimmt sie an.

Ich spüre die große Offenheit und Sehnsucht nach der bedingungslosen Liebe und Vergebung, die Jesus allen Menschen schenken will. Hohe Mauern, Stacheldraht und bewaffnete Aufseher können nicht verhindern, dass die inhaftierten Frauen an diesem Vormittag ein Stück innere Befreiung und Heilung erfahren. – Claudia Schmidt, Leiterin International | ERF GlobalHope

 

Offene Türen hinter hohen Gefängnismauern

Seit über 20 Jahren engagieren sich Mitarbeiterinnen von RTM Paraguay in der Gefängnisarbeit. ERF Medien unterstützt die Arbeit seines lateinamerikanischen Partners u.a. durch die Produktion von „Women of Hope“-Radioprogrammen in den Sprachen Spanisch und Guaraní. Unterstützen Sie uns hier mit Ihrer Spende.

„Gott hat uns eine Tür geöffnet, die wir nutzen, um den Frauen Hoffnung zu geben“, erklärt Maralina Alfonso, die Leiterin von RTM (Radio Transmundial) Paraguay. Und scheinbar sorgt er auch dafür, dass die Türen offen bleiben. Das zeigt ein Gespräch mit der neuen Direktorin, die seit vier Monaten die Verantwortung für das Gefängnis „Buen Pastor“ übernommen hat. Im Gespräch erzählt sie uns: „Ich möchte die Frauen unterstützen und ermutigen, ihre Kreativität zu nutzen, damit sie ein neues Leben beginnen, wenn sie irgendwann diesen Ort verlassen und wieder in Freiheit leben dürfen. Die Arbeit des Women of Hope-Teams ist unendlich wertvoll für diese Frauen. Ich wünschte, dass alle 500 Insassinnen dieses Gefängnisses an dem Programm teilnehmen könnten.“


Mehr Informationen zu Claudia Schmidts Reise nach Lateinamerika gibt sie in der „Glaube Global“-Sendung am 12. November 2019 um 20 Uhr auf ERF Plus weiter. Zur Webseite der Sendereihe


Beten Sie für die Gefängnisarbeit des „Women of Hope“-Teams:

  • für kreative Ideen und Weisheit bei der Planung des wöchentlichen Programms
  • dass inhaftierte Frauen wie Laura Jesus kennenlernen und eine neue Perspektive für ihr Leben finden
  • für offene Türen und gute Beziehungen zur Leitung und den Mitarbeitenden des Gefängnisses

 


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Kommentare

Von Gisela W. am .

Ich fahre fast täglich beim BUEN PASTOR vorbei. Irgendwann denk ich garnicht mehr daran, was für Kummer hinter den Wänden vor sich gehen. Ich nehme mir vor, jedes Mal für sie zu beten.

Von Eberhardt S. am .

ich bin mit meiner Frau in Asuncion am Frauengefängnis mit dem Bus immer vorbeigefahren 1982-88


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