Navigation überspringen
© Lukas Rychvalsky / pexels.com

15.01.2025 / Porträt / Lesezeit: ~ 7 min

Autor/-in: Nelli Bangert

Von Albträumen geplagt

Farhad Behzadian kämpft mit furchtbaren Albträumen: Erst das Gebet eines Christen schafft Befreiung.

Seitdem sein bester Freund Hamid bei einem Flugzeugabsturz gestorben ist, leidet Farhad Behzadian unter akutem Schlafmangel. Genauso wie Farhad war auch Hamid ein frommer Muslim. Er lebte seinen Glauben an Allah sehr vorbildlich und hielt sich stets an alle Gebote und Vorschriften. Gemeinsam waren sie sich in der Hingabe an Allah einig, das prägte auch ihre Freundschaft.

Der Verlust von Hamid verändert für Farhad sehr viel. Viele Fragen und Emotionen rauben ihm plötzlich den Schlaf. Nacht für Nacht träumt er von seinem besten Freund. Anstatt ihn glücklich im Paradies zu sehen, wirkt er jedes Mal traurig. Immer wieder sagt Hamid im Traum, dass es ihm nicht gut geht. Farhad machen diese ständigen Träume fast verrückt – ganze vier bis fünf Monate geht das so.

Nichts hilft gegen die Albträume

Der andauernde Schlafmangel setzt Farhad allmählich stark zu. Irgendwann kann er nicht mehr arbeiten gehen, ihm fehlt es an Kraft und seine Nerven liegen blank. Völlig verzweifelt beginnt er, nach Lösungen zu suchen. Aber wo gibt es für ihn Lösungen?

Zunächst holt sich Farhad Hilfe bei einem Imam, der für ihn zu Allah betet. Doch die Wirkung bleibt aus. Auch seine Mutter will ihm helfen. Sie organisiert ein großes Fest mit vielen Frauen, bei dem gezielt für ihn gebetet werden soll. Das Fest findet statt, gebetet wird auch. Wieder hat es ihm nicht geholfen. Dann wählt Farhad den Weg zum Arzt, um Medikamente zu bekommen. Doch die Wirkung bleibt aus. Alle Versuche sind gescheitert.

Auch im Koran beginnt Farhad nach Antworten zu suchen und recherchiert sehr gründlich, was ihm in seiner Lage helfen kann. Dabei liest er den Koran akribisch auf Persisch – auch wenn das nicht von Muslimen empfohlen wird – und notiert sich viele Fragen. Viele Verse versteht er nicht, weil sie sich widersprechen.

Um Antworten zu bekommen, trifft er sich mit muslimischen Theologen. Aber auch sie können ihm nicht helfen und winken seine Fragen ab.

Ein Gebet in seiner Muttersprache

Einem von Farhads Kumpels, mit dem er häufig im Fitnessstudio trainiert, fällt auf, dass er kaum noch ins Training kommt. Er fragt nach Farhad und ermutigt ihn, wieder zum Sport zu kommen. Dieser erzählt ihm, dass er unter akutem Schlafmangel leidet und am Rand seiner Kräfte ist.

Diese Selbstoffenbarung lässt den Kumpel nicht kalt. Er sagt Farhad, dass er ihm jemanden schicken wird, mit dem er sprechen könne. Vielleicht könne Farhad durch ihn sogar Hilfe bekommen. Farhad, der für jede Hilfe dankbar ist, willigt ein und sie machen ein Treffen aus.

Zum vereinbarten Zeitpunkt erscheint in dem Schmuckladen, den Farhad betreibt, ein ihm unbekannter Mann. Ohne viele Worte zu machen, legt er seine Hand auf Farhads Schulter und betet laut auf Persisch. Farhad traut seinen Ohren nicht. Geht das überhaupt, mit Gott auf Persisch zu sprechen? Er hat doch gelernt, dass er mit Allah nur auf Arabisch sprechen darf. Und nun betet hier jemand in seiner Muttersprache Persisch? Innerlich musste er schmunzeln. Wenn doch schon Gebete auf Arabisch nichts gebracht haben, wie sollte dann ein persisches Gebet helfen?

Aber: es geschieht das lang ersehnte Wunder. Nach diesem Gebet werden die Nächte schlagartig besser, Farhad schläft ruhig und hat keine Albträume mehr. Aufgrund dieser Erfahrung trifft Farhad die Entscheidung, diesen Gott zu suchen und mit ihm zu leben.

Er, der so viele Jahre den islamischen Glauben praktiziert hat, ist tief enttäuscht von Allah, der ihm in seiner Notlage nicht geholfen hat. Er will nun diesem Gott folgen, zu dem der Unbekannte gebetet hat.

Neben diesem Herzens-Wunder bleibt das Gebet auch körperlich nicht unbemerkt: Farhad kann wieder ruhig schlafen, die Albträume sind Geschichte. Er ist endlich davon befreit!

Wer ist dieser Gott?

Diese Erfahrung lässt Farhad nicht mehr los. Seine Fragen führen ihn auf eine sehnsuchtsvolle Suche. Zu welchem Gott hat dieser Fremde gebetet? Farhad recherchiert im Internet, doch leider wird er dort nicht fündig. In seiner Heimat im Iran sind viele Webseiten gesperrt, die sich mit anderen Religionen als dem Islam befassen, und so findet Farhad keine Antworten auf seine Fragen. Aber er erfährt durch die Recherche im Internet, indem er mit speziellen Tools die Filter im Internet umgeht, dass im Christentum jeder Mensch in seiner Muttersprache beten kann und Gott ihn versteht.

Das ist für ihn schon mal ein wertvoller Hinweis, dass er sich auf der richtigen Fährte befindet. Um mehr über den christlichen Gott zu erfahren, geht er in eine Sankt-Sarkis-Kathedrale, die in etwa vergleichbar mit der Lehre der römisch-katholischen Kirche ist. Doch die Christen dort wollen ihn nicht in den Gottesdienst lassen und auch keine Informationen weitergeben, weil sie Angst vor Ärger haben und seine Absichten nicht einschätzen können. Sie haben Angst, er wolle sie ausspionieren. Außerdem drohen ihnen Strafen von der Regierung, wenn sie einem Muslim am Gottesdienst teilnehmen lassen.

Auch, wenn Farhad nicht wirklich mehr Infos bekommt, ist die Entscheidung in seinem Herzen glasklar:

Er will hundertprozentig nicht mehr Muslim sein und zu diesem christlichen Gott gehören. Hier spürt er Annahme und Liebe – ein echtes Gegenüber.

Sein neuer Glaube missfällt anderen

Farhads Herzens-Veränderung bleibt nicht ohne Folgen. Hier und da stößt er an Grenzen, weil sein neuer Glaube von vielen Muslimen argwöhnisch beäugt wird. Immer wieder gerät Farhad in schwierige Situationen, auch beruflich werden ihm Steine in den Weg gelegt.

In seiner Arbeit als Teamleiter von 50 Mitarbeitern wird er von der Religionsabteilung angesprochen, warum er nicht mehr öffentlich betet – so wie die anderen Muslime auch. Er sagt, dass er zuhause betet, aber nicht mehr öffentlich. Das wird ihm nicht abgekauft und so wird er beruflich aufgrund seines „neuen Glaubens“ 2 500 km nach Tschabahar versetzt, weit weg von seiner Heimatstadt Teheran.

Dort gehen die Probleme weiter. Obwohl er die Stellung eines Hauptmanns bei der Luftwaffe innehat, wird er benachteiligt und bekommt bei weitem nicht das Gehalt, das andere Hauptmänner erhalten.

Er, der so erfolgreich seine Karriere aufgebaut hat, bekommt immer mehr Probleme aufgrund seines Glaubens. Er wird beobachtet und kontrolliert. Immer mehr Menschen nehmen ihn ins Visier. Sein Vater ermutigt ihn irgendwann, in ein anderes Land auszureisen. Aber das ist nicht einfach – schließlich besitzt er als Ingenieur der Luftwaffe keinen Reisepass.

Komplizierte Ausreise aus dem Iran

Farhad und sein Vater hecken einen Plan aus. Farhad soll mit dem Reisepass seines Bruders verreisen. Doch einen Tag vor der Abreise macht der Bruder aus Angst vor persönlichen Nachteilen und Gefahren einen Rückzieher. Gleichzeitig überlegt nun auch er mit, wie Farhad ausreisen kann.

Er hat wertvolle Kontakte, darunter auch Kontakte zur Polizei. Für 15 000 Dollar werden für Farhad kurzfristig Dokumente gefälscht. Über Kontakte und Geld bekommt er seinen Reisepass. Jetzt muss nur noch die Abreise gelingen. 

Der Plan sieht wie folgt aus: Am 14. März 2014 zwischen 12 und 3 Uhr nachts soll Farhad vom Flughafen Schiraz ausreisen, egal wohin. Aber er muss in dieser Zeit das Land verlassen, weil in diesem Zeitfenster Menschen von ihm wissen und ihm helfen können. Er schaut online nach Tickets und findet einen Flug: Schiraz – Doha – Frankfurt.

Er wählt diesen Flug. Mit nur 400 Euro in der Hosentasche und ohne Rucksack oder Kleidung fliegt Farhad nach Deutschland.

Er fühlt sich sicher und ist zuversichtlich – mit einem Mal hat er keine Angst mehr. Er weiß sich geborgen, obwohl er nicht weiß, was auf ihn zukommen wird.

Farhad sagt selbst, dass Gott ihm dieses Vertrauen geschenkt hat. Zwar kannte er Gott zu diesem Zeitpunkt noch nicht gut, doch das Vertrauen war schon in seinem Herzen. Was für ein Wunder!

Neue Möglichkeiten, neue Herausforderungen

Vom Frankfurter Flughafen meldet er sich bei seiner Familie. Aus Sicherheitsgründen wusste außer dem Bruder niemand von seiner vorzeitigen Ausreise. Diese ist nun geschafft, aber was jetzt? Wohin soll Farhad gehen? Er zieht sich ein Ticket und kommt mit dem Zug in Offenbach an. Dort wird er von einem Mann nach Gießen geschickt, wo er sich als Flüchtling anmelden soll.

In Gießen angekommen will Farhad Asyl beantragen, doch das geht nicht, weil er einen Reisepass dabeihat. Farhad erzählt von der Fälschung des Reisepasses und versucht so, Asyl zu bekommen. Doch niemand glaubt ihm. Bis heute – acht Jahren später – ist sein Asylantrag noch nicht genehmigt, auch wenn er mittlerweile eine Aufenthaltsgenehmigung hat. Er sagt darüber: „Meine Geschichte ist mein Glaube. Jeder kann selbst entscheiden, ob ich glaube oder nicht.“

Farhad freut sich: Endlich hat er die Möglichkeit, den christlichen Gott kennenzulernen. Er sucht und findet eine Gemeinde, in der er sich schnell wohlfühlt. Tag und Nacht liest er die Bibel auf Persisch – ganze 3-4 Mal innerhalb von sechs Monaten.

Er erfährt viel Neues über Gott und ist begeistert. Irgendwie ergibt plötzlich alles einen Sinn. Seine Beziehung zu Gott wird tiefer. Schon bald lässt Farhad sich taufen.

Wissbegierig lernt Farhad die Bibel kennen. Schließlich will er nicht weitere 20 Jahre auf einem falschen Weg gehen. Er will diese neue Entscheidung für den neuen Glauben fundiert und mit dem Herzen treffen. Rückblickend sagt er, dass alles wundervoll von Gott geplant war. Gleichzeitig begleitet ihn ein tiefes Vertrauen im Herzen: „Alles wird gut!“

Genauso ist es auch gekommen. Zwar waren und sind auch in Deutschland viele Hürden zu überwinden – bis heute. Doch all diese Herausforderungen führen dazu, dass Farhad sich noch mehr auf Gott verlässt und sein Glaube wächst. Heute ist er überzeugt: „Ich lebe abhängig von Gott. Ich nehme alles von Gott und nicht von Menschen. Menschen können enttäuschen, aber Gott nicht!“

 

Autor/-in

Nelli Bangert

  |  Freie Mitarbeiterin

Nelli Bangert ist Autorin, Redakteurin und Sprecherin auf Frauenevents. Sie ist davon überzeugt, dass Gott ein Leben in Fülle für jeden Menschen bereithält. Zu diesem Leben möchte sie Frauen durch ihre Events und Bücher einladen und ermutigen. Ihre Webseite: www.nelli-bangert.de

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bitte beachten Sie beim Schreiben Ihres Kommentars unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren