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© Jacob Diehl / unsplash.com

07.10.2026 / Buchauszug / Lesezeit: ~ 5 min

Autor/-in: Deborah Pulverich

Wo sich Fantasie und Glaube berühren

Die Fantasygeschichten von C.S. Lewis bringen Deborah Pulverich Gott näher. Ein Beitrag zur Buchmesse.

Am 6. Oktober beginnt die Frankfurter Buchmesse. Grund genug, mal einen Blick auf die positiven Aspekte des Lesens zu werfen. Ein Buch des Francke Verlages feiert explizit das Lesen – und zwar „Man liest nur mit dem Herzen gut – Eine kleine Liebeserklärung an die Welt der Bücher“. Darin schreiben 11 Autorinnen über ihre eigenen Leseerfahrungen und zeigen damit, warum Bücher einfach guttun. 

Unter ihnen ist auch Deborah Pulverich. Als Kind ist sie mit den Narnia-Geschichten von C.S. Lewis aufgewachsen. Im nachfolgenden Buchauszug beschreibt sie, wie diese Bücher sie Jesus nähergebracht haben. Heute erzählt Deborah Pulverich selbst als Autorin und Fotografin Geschichten.  

Wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung des Francke Verlages ihren Text aus dem Buch. 

 

Die Begeisterung für Geschichten begleitet mich, seit ich denken kann. Als Kind liebte ich es, wenn mein Papa sich fantasievolle Gutenachtgeschichten für mich ausdachte. Mit Mama gab es später Leseabende auf dem Sofa – sie versank in einem ihrer Romane und ich entdeckte den ein oder anderen Schatz unter ihren aufbewahrten Jugendbüchern für mich. 

Eine Reihe, die wir alle sehr mochten, ist „Die Chroniken von Narnia“ vom britischen Schriftsteller C.S. Lewis – nicht nur wegen der spannenden Abenteuer, der besonderen Erzählkunst und der wunderbaren Welt, die der Autor erschaffen hat und die für mich zu einem zweiten Zuhause geworden ist. Die heute zu den Klassikern der Fantasy-Literatur zählenden Bücher enthalten auch Allegorien zum christlichen Glauben, etwa zur Schöpfungsgeschichte und zu Tod und Auferstehung von Jesus Christus. Sie haben mir geholfen, Gottes Wesen besser zu verstehen. 

Noch heute stelle ich mir Jesus manchmal wie den Löwen Aslan aus den Büchern vor – mächtig und weise, sanftmütig, aber nicht zahm. 

„Ich entdecke mich selbst in den Figuren“ 

Immer wieder entdecke ich in den Geschichten Parallelen zu meinem Glaubensleben und Anteile von mir selbst in den Figuren.  

Lucy, die jüngste der vier Pevensie-Geschwister, zeigt, was »kindlicher Glaube« bedeutet, von dem Jesus im Neuen Testament spricht. Sie liebt Aslan, sieht ihn oft als Erste, hört seine Stimme und vertraut ihm bedingungslos – selbst wenn andere zweifeln.  

So etwa ihre Schwester Susan: Sie verliert den Glauben an Narnia, als sie älter wird, sucht Sinn und Erfüllung in anderen Dingen und findet den Weg nach Narnia nicht mehr zurück.  

Edmund gerät auf Abwege und verrät Aslan, doch der vergibt ihm und nimmt seine Schuld auf sich. Der älteste Bruder Peter fühlt sich seiner Verantwortung oft nicht gewachsen. Doch er fasst Mut, nimmt schließlich die große Berufung als König von Narnia an und führt Aslans Armee im Kampf gegen die Weiße Hexe, seine Gegenspielerin, an. 

Fantasy-Literatur erzählt nicht nur spannende Geschichten, sondern spiegelt oft grundlegende Wahrheiten über das Leben, die menschliche Natur und den Kampf zwischen Gut und Böse wider. Gerade Werke wie „Die Chroniken von Narnia“ erinnern mich daran, dass auch ich eine Rolle darin spiele, dass Hoffnung durch dunkle Zeiten trägt und das Gute letztlich siegen wird. 

Neue Glaubenserkenntnisse beim Lesen 

Im vergangenen Winter hat eine sehr berührende Szene aus „Der König von Narnia“ eine neue Bedeutung für mich bekommen. 

In der Mietwohnung, in der mein Mann und ich zusammen mit unseren beiden Katzen leben, gibt es einen Ofen. Wie habe ich mich schon beim Einzug auf den Moment gefreut, wenn es endlich kalt genug ist, um damit zu heizen! Ich liebe diese Extraportion Gemütlichkeit in der dunklen Jahreszeit. Unseren beiden Samtpfoten geht es genauso: Zunächst hatten sie großen Respekt vor den knisternden Flammen, doch inzwischen liegen sie stundenlang auf einem Stuhl neben dem Ofen, lassen sich das Fell wärmen und blinzeln zufrieden in das flackernde Licht.  

Als ich eines Abends mit einer Tasse Tee daneben saß und die zwei so beobachtete, kam mir ein Zitat von C. S. Lewis in den Sinn: „Wenn du dich wärmen willst, musst du in der Nähe des Feuers stehen; wenn du nass werden willst, musst du ins Wasser gehen. Wenn du Freude, Kraft, Frieden, ewiges Leben haben willst, musst du dich dem nähern, der sie hat, oder sogar eins mit ihm werden.“ (Diese Worte stammen nicht aus einem Narnia-Buch, sondern aus „Pardon, ich bin Christ“.) 

Freude, Kraft, Frieden und ewiges Leben – das sind die Dinge, nach denen sich die Menschen schon immer sehnen. Viele sind ihr Leben lang auf der Suche danach und manch einer verirrt sich dabei. 

Dabei ist der Weg dorthin eigentlich so einfach: Wenn ich mich Jesus nähere und mich ihm hingebe, finde ich all das in ihm.  

„Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit Freude, denn du bist bei mir; aus deiner Hand empfange ich unendliches Glück“, heißt es in Psalm 16,11 (Hoffnung für alle). 

Das bedeutet auch: Wenn ich im Alltag mal das Gefühl habe, dass mir Freude und Frieden fehlt, gibt es etwas, das ich dagegen tun kann. Wenn ich Gott um etwas Gutes bitte, bitte ich ihn im Grunde um mehr von ihm! Nicht um ein materielles Ding, das ich festhalten kann, sondern um seine Gegenwart, in der ich bleiben kann. Die mich zutiefst erfüllt und belebt. 

Sich neu von Gott „anhauchen“ lassen 

In „Der König von Narnia“ gibt es eine Szene, in der Aslan Statuen im Schloss der Weißen Hexe anhaucht. Es sind Bewohner Narnias, die die Hexe versteinert hat. Kaum berührt sie der Atem des Löwen, holen die Statuen tief Luft, beginnen sich zu bewegen und sind plötzlich wieder mit Leben erfüllt.  

Genauso geht es uns Menschen, wenn wir uns von Gott „anhauchen“ lassen. 

Nah bei Jesus zu sein, Zeit mit ihm zu verbringen, mich von seiner Liebe wärmen zu lassen, füllt mich mit neuer Freude und neuer Kraft.

Das kann in einer Zeit der Stille geschehen, beim Lobpreis, auf einem Spaziergang in der Natur – oder ganz gemütlich zu Hause vor dem Ofen mit einer Tasse Tee und einer Katze auf dem Schoß.  

So erlebe ich die Kraft des Löwen in meiner Welt. 

 

Zitatquelle: Lewis, C. S.: Pardon, ich bin Christ. 29. Aufl., Basel: Fontis Verlag, 2016 

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