Manchmal fühle ich mich als Versager! Auch wenn ich das über mich sage, denke ich: Dieses unangenehme Gefühl hat jeder Mensch hin und wieder. Einmal falsch abgebogen, eine Deadline verschlafen oder Erwartungen enttäuscht und schon fühlt es sich an, als hätte ich auf ganzer Ebene versagt.
Das ist bei weitem kein Phänomen des 21. Jahrhunderts. 1968 beginnt der Chemiker Spencer Silver seine Tätigkeit beim amerikanischen Technologie-Unternehmen 3M in Minnesota. Schon sein erstes Projekt hat es in sich: Die Entwicklung eines Superklebstoffes, oder kurz: Spencer soll den stärksten Klebstoff der Welt entwickeln.
Spencer macht sich an die Arbeit: Er experimentiert, probiert aus und tüftelt wochenlang. Und er entwickelt tatsächlich einen Klebstoff … Allerdings ist der das Gegenteil des Arbeitsauftrages. Der Klebstoff hält kaum und löst sich einfach.
Man könnte also sagen: Thema verfehlt und damit eine glatte 6.
Genauso fühlt es sich für Spencer Silver auch an – direkt beim ersten Projekt ein wahres Komplettversagen.
Wie aus Versagen ein Millionenumsatz wird
Doch die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende! Das Leben geht weiter und Spencer bleibt trotz seines Versagens bei 3M. Sein Kollege Arthur Frey hat die Entwicklung des schwachen Superklebers mitbegleitet und singt in seiner Freizeit im Kirchenchor. Dabei stößt er auf ein Problem: Die Zettel, die er zum schnelleren Finden der Notenblätter in den Chorsatz legt, rutschen immer wieder heraus. Da kommt Spencers Projekt des Versagens wieder ins Spiel.
Gemeinsam forschen Spencer und Arthur an dem Projekt weiter und im April 1980 entsteht daraus der größte Markterfolg des Unternehmens: Die Haftnotiz „Post It!“. Knapp 50 Jahre später wird diese Haftnotiz jährlich über 50 Milliarden Mal produziert und weltweit vertrieben.
Wie aus kleinen Gaben Großes entstehen kann
Seit ich diese Geschichte kenne, fasziniert und motiviert sie mich! Wie oft denke ich nach Scheitern oder Versagen, das sei das Ende des Weges. Ich denke dann, ich kann nichts leisten, was Erfolg liefert, und enttäusche immer wieder Menschen, die mir lieb und teuer sind.
Wie es dann weitergehen kann, zeigt mir nicht nur diese Begebenheit, sondern auch eine Geschichte aus der Bibel. Im Johannes-Evangelium wird berichtet, dass Jesus durch sein Handeln große Aufmerksamkeit erregt und ihm eine große Menschenmenge folgt. Als es dunkel wird, fragt Jesus seine Jünger: „Wo bekommen wir jetzt genug Essen her, damit diese Menschen nicht hungern müssen?“(vgl. Johannes 6,5)
Vor Jesu Freunden liegt eine gigantische Aufgabe: Abseits der Märkte des Landes und ohne grenzenlosen Reichtum sollen sie Essen für weit über 5 000 Menschen heranschaffen.
Sein Freund Andreas sagt deshalb zu Jesus: „Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das schon für so viele Menschen?“ (Johannes 6,9). Ich kann mir vorstellen, dass er sich in dieser Situation ähnlich fühlt wie Spencer nach der Entwicklung seines Klebstoffes.
Er hatte einen klaren Arbeitsauftrag erhalten und nach einer Lösung gesucht, doch diese erscheint schlicht nicht gut genug.
Aber Jesus nimmt die Brote und die Fische, dankt Gott dafür und bittet seine Freunde das Essen auszuteilen. Und obwohl das verrückt klingt, beginnen die Freunde damit. Sie teilen das Essen aus und es reicht. Tatsächlich bleibt sogar Essen übrig.
Vertrauen ist das Einzige, was zählt
Jesus zeigt in diesem Fall ganz klar: Bei ihm zählt nicht, wie viel ich ihm geben kann oder wie toll meine Lösungen sind – er nutzt sie, um damit Großes zu tun.
Wichtig ist dabei lediglich, dass ich ihm die Kontrolle überlasse und vertraue. Dann kann aus fünf Broten und zwei Fischen eine gigantische Menge Essen werden. Oder aus einem schwachen Kleber ein absoluter Kassenschlager.
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Kommentare (1)
Danke für die Ermutigung. Ich kenne beide Geschichten - die mit den post-it und die mit den Broten & Fischen. Und doch: es tut gut, sie immer wieder zu lesen. Ich bringe meinen Teil und Gott schenkt … mehrdas Wachstum. Es ist so entspannend und ermutigend, damit in den Tag zu gehen. Danke für die Erinnerung.