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© Til Jentzsch / Unsplash.com

20.04.2022 / ERF Global Hope / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Dr. Peggy Banks

Eine Geschichte zum Danken

Gerade schwierige Erfahrungen sind ein wichtiges Zeugnis für andere. Daher: Teilen, nicht verschweigen!

Betet auch für mich, damit Gott mir zur rechten Zeit das rechte Wort gibt und ich überall das Geheimnis der rettenden Botschaft frei und offen verkünden kann. Auch hier im Gefängnis will ich das tun. Betet darum, dass ich auch in Zukunft diese Aufgabe mutig erfülle, so wie Gott sie mir aufgetragen hat. – Epheser 6,19-20

 

Vor einigen Jahren besuchte ich mit anderen aus dem Women of Hope-Team in Rumänien eins der größten Frauengefängnisse einer dortigen Großstadt. Unser lokales Team engagiert sich schon seit vielen Jahren für die Frauen in diesem Gefängnis. Als wir ankamen, mussten wir durch etliche Sicherheitsschleusen durch. Wir mussten unsere Handys und Pässe an der Gefängnispforte abgeben und durften keine Bilder von unserem Treffen mit den Insassinnen machen.

Es war eine sehr ungewohnte Erfahrung, wie uns die Wärterinnen durch die verschiedenen Bereiche des Gefängnisses hindurchführten, bis wir endlich in den Raum waren, wo wir die Frauen treffen würden. Während wir noch dort warteten und für die Veranstaltung beteten, füllte sich der Saal mit mehr als 100 Frauen. Wir waren zu einem der regelmäßigen wöchentlichen Treffen mitgekommen und die Frauen waren überrascht und begeistert, nun Besucherinnen aus Amerika, Deutschland und Finnland zu treffen.

Bei dem Treffen waren Frauen zwischen 19 und 70 Jahren anwesend und tauschten sich über ihr Leben hinter Gittern aus. Unsere Veranstaltung dauerte mehrere Stunden und keine der Teilnehmerinnen durfte zwischendurch mal aufs Klo oder konnte so mal eben weg. Denn die ganze Zeit standen die Wärterinnen an der Tür.

 

Ein Gebet hinter Gefängnismauern

Bild Dr. Peggy Banks
Dr. Peggy Banks leitet seit 2016 die weltweite Arbeit von Women of Hope. (Bild: Lothar Rühl / ERF)

Als wir die Veranstaltung begannen, erzählte unser Team von persönlichen Erlebnissen mit Gott. Wir sprachen darüber, wie wir Gottes Erbarmen und seine Gnade erfahren hatten und wir er unserem Leben neue Hoffnung gegeben hatte.

Noch heute kann ich mich daran erinnern, dass ich damals neben einer wunderschönen jungen Frau saß, die gerade einmal 19 Jahre alt war. Und ich kann selbst jetzt noch die Tränen sehen, mit denen sich ihre Augen füllten, als sie diese Geschichten hörte.

Ihre Zeit im Gefängnis war beinahe zu Ende, schon in einer Woche sollte sie entlassen werden. Nachdem sie die Zeugnisse von unserem Team gehört hatte, bat sie mich, für sie zu beten. Sie wollte Gott um Schutz bitten für die Zeit, wenn sie wieder Teil der Welt außerhalb der Gefängnismauern sein würde. Während ich mit ihr betete, spürte ich, wie sie neue Hoffnung schöpfte. Wie sie plötzlich verstand, dass Gott ihr nahe und sehr real war.

 

Auch schwere Erlebnisse wollen erzählt werden

Jeder und jede von uns kann eine einzigartige Geschichte darüber erzählen, wie Gott uns Gnade und Erbarmen gezeigt hat. Gleichzeitig ist genau das nicht immer leicht. Ich selbst sorge mich immer noch manchmal, dass es falsch ankommen könnte, wenn ich meine Geschichte der Hoffnung, Freiheit und Heilung mit anderen teile. Ich frage mich dann, ob meine Zuhörerinnen und Zuhörer vielleicht weniger von Gottes Wundern und seiner Wahrheit mitnehmen, sondern eher deprimiert werden durch die Schuld, sexuelle Ausbeutung, Stolz und Todesangst, die auch Teil meiner Geschichte sind.

Hin und wieder haben mir sogar wohlmeinende Christen geraten, dass ich die allzu schmerzhaften Teile meiner Geschichte besser weglassen sollte. Denn manche Zuhörerinnen und Zuhörer könnten davon unangenehm berührt werden. Doch ich habe immer wieder erlebt, dass es genau diese Teile meiner persönlichen Lebensgeschichte sind, die den tiefsten Eindruck bei Frauen hinterlassen, die in einer ähnlichen Lage sind wie ich damals und sich dabei zutiefst einsam fühlen. Bei Frauen wie dieser 19-Jährigen in einem rumänischen Gefängnis.

 

Unsere persönliche Geschichte mit Gott feiern

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Am 29. April laden wir zum Online Event „Gemeinsam sind wir stark!“ mit Dr. Peggy Banks ein. Das Event bietet Impulse für das persönliche Gebetsleben und Erfahrungen aus der Arbeit von Women of Hope. (Bild: Simon Lehmann / stock.adobe.com)

Wir wissen nie, wann und wie Gott unsere persönliche Geschichte der Hoffnung und Heilung gebrauchen wird, um in das Leben eines anderen Menschen zu sprechen.

Deshalb ist meine Frage an dich: Was ist deine Geschichte? Wo hat Gott dich aus einem inneren Gefängnis befreit und was hat dich gefangen genommen? War es Stolz, Gier oder Angst?

Schäme dich nicht, anderen von deiner Geschichte zu erzählen. Ich bin sicher, es gibt etwas in deiner Geschichte mit Gott, mit dem du einem anderen Menschen heute neue Hoffnung schenken kannst. Doch damit das passiert, musst du dich trauen, den Mund aufzumachen.

Und lasst uns nicht aufhören, Gott dafür zu preisen, dass seine Liebe unendlich, verschwenderisch und jeden Tag dieselbe ist. Danke Gott dafür, dass er dir in Jesus Hoffnung und Heilung geschenkt hat. Durch ihn haben wir allen Grund zu jubeln!

 

Dieser Text ist eine übersetzte und überarbeitete Andacht von Dr. Peggy Banks, der internationalen Leiterin der Gebetsinitiative TWR Women of Hope.

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