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© Jordan Whitt / unsplash.com

29.12.2025 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Tobias Schier

Die Kraft der Neugier

Staunen, fragen, wachsen: Wie Neugier dich Gott, dem Leben und dir selbst näherbringt. Eine Andacht.

Frisch verliebt, neu im Job, auf Reisen in ferne Länder. In solchen Zeiten sauge ich alle Eindrücke um mich herum auf wie ein Schwamm. Das sind Situationen, in denen jeder Mensch seine eigene Neugier hautnah erlebt. Es ist, als ob dieser neugierige Wesenszug tief mit der menschlichen DNA verwoben ist, als hätte sie der Schöpfer selbst seinem Geschöpf in die Wiege gelegt.

Die Schattenseiten der Neugier

Allerdings ist einer der ersten Momente, in denen die Neugier in der Bibel eine Rolle spielt, eher negativ besetzt. Ich denke da an Adam und Eva. Gott setzte die beiden in den Garten Eden, wo sie sich frei bewegen konnten und jede Frucht an jedem Baum essen durften, bis auf eine. Die Frucht vom Baum der Erkenntnis war ihnen verboten. Trotzdem aßen sie davon. Wegen dieser Fehlentscheidung warf Gott sie aus dem Garten und lebten daraufhin von ihm getrennt. 

Diese Geschichte sorgte dafür, dass Neugier in der christlichen Welt lange als etwas Schlechtes angesehen wurde.

Ich frage mich: War das eine gute Idee Gottes, als er den Menschen die Neugier gab?

Tatsächlich erlebe ich mich selbst in meinem Alltag eher selten als neugierig. Wo ist die Neugier im Trott am Arbeitsplatz? Wenn ich unter Zeitdruck Herausforderungen zu meistern versuche, kommt mir die Neugier leicht abhanden. Sicher ist Routine wichtig, aber sie sollte nicht dazu führen, dass ich meine Offenheit ablege, nur um alles erledigt zu bekommen. Das gilt nicht nur für den Arbeitsplatz, sondern genauso für alle anderen Lebensumfelder.

Neugier zahlt sich aus

Stopp! Was ist mit all den positiven Beispielen aus der Bibel? Eines möchte ich hier beispielhaft nennen. Da gibt es den Zöllner Zachäus, der aus Neugier auf einen Baum steigt, um Jesus zu sehen. Seine Neugier zahlt sich aus: Jesus lädt sich bei ihm zum Essen ein, Zachäus krempelt sein Leben um und erfährt eine charakterliche Erneuerung, die er dringend nötig hat (vgl. Lukas 19,1-10).

Neugier ist notwendig, weil sie mich voranbringt. Sie hilft mir, mich auf Unbekanntes einzulassen und Neues auszuprobieren. 

Neugier ist der Motor für Innovationen, sie sorgt für Verbesserungen und Weiterentwicklungen. Dank der Neugier von Menschen nutzen wir heute die Windkraft zur Energiegewinnung, fahren mit Autos statt mit Kutschen und drücken auf einen Schalter, damit es hell wird, anstatt den Docht einer Kerze zu entzünden.

Und: Keine Achtsamkeit ohne Neugier. Wenn ich neugierig bin, nehme mich selbst in der Welt, im Hier und Jetzt wahr. Ich urteile dann nicht vorschnell, sondern beobachte interessiert, ohne gleich an Lösungen, Konsequenzen oder weitere Schritte zu denken. Erst die Neugier macht den Augenblick erlebbar.

Zu guter Letzt hält Neugier jung. Hier mal ein paar Zahlen: Kleinkinder feuern pro Stunde schon mal bis zu 50 Fragen auf ihre Mitmenschen ab. Ein Erwachsener stellt durchschnittlich nur noch 6 Fragen pro Stunde.

Zurück zur Neugier

Wenn du dir Fragen stellst, statt Antworten zu sammeln, wirst du deine verschollene Neugier wiederentdecken. Denk doch einmal bewusst über alltägliche Dinge nach und entdecke dabei eine neue Perspektive auf die Welt! Denn die kindliche Neugier öffnet dir unterschiedlichste Türen. Unter anderem vielleicht auch die zum Himmelreich.

In der Bibel lese ich dazu: „Wenn ihr euch nicht ändert und den Kindern gleich werdet, dann könnt ihr in Gottes neue Welt überhaupt nicht hineinkommen“ (Matthäus 18,3). Das gilt auch für die Beziehung zu Gott.

Egal, ob du am Anfang stehst oder schon seit Jahren mit Gott gehst, mach dich auf die Suche nach ihm, frage nach und höre hin. Rechne mit Gottes Eingreifen und seinem Reden.

Gott ist real und mit Neugier wirst du ihn jeden Tag besser kennenlernen und neu entdecken.

Denn das Staunen kommt immer noch vor dem Erklären und das Erkunden vor dem Verstehen. Werde wieder neugierig!
 

Autor/-in

Tobias Schier

  |  Chapter Lead Redaktion

Tobias ist Developer Redaktion beim ERF. Er hat Germanistik und Medienwissenschaften studiert. In seiner freien Zeit schreibt er gerne und produziert Hörspiele. Tobias ist glücklich verheiratet und hat drei Kinder.

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