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© Elena Mozhvilo / unsplash.com

28.03.2022 / Andacht / Lesezeit: ~ 6 min

Autor/-in: Annegret Schneider

Die anvertrauten Zentner

Warum bei Jesus keine faulen Ausreden gelten.


Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie diese Überschrift lesen?

In unserem Jugendkreis vor vielen Jahren maulte mal jemand bei diesem Thema. Die Person fand das mit den „anvertrauten Zentnern“ wohl irgendwie diskriminierend. Haben Sie vor Ihrem inneren Auge nicht auch sofort eine Waage und die anderen Gewichte, über die man sich bei allen möglichen Gelegenheiten so wunderbar künstlich aufregen kann?
 

Eine aufwühlende Geschichte

Wenn Sie allerdings einigermaßen bibelfest sind, fällt Ihnen bei „anvertraute Zentner“ vermutlich sofort das Gleichnis aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 25 ein, das Jesus seinen Jüngern erzählt. Das hält einige Informationen bereit, die es in sich haben und wirft Fragen auf, die alle betreffen, die Jesus nachfolgen. Ob  es uns passt oder nicht – diesem Gleichnis müssen wir uns stellen.
 

Anvertraute Zentner oder auch Gaben

In diesem biblischen Gleichnis ist die Rede von Zentnern – auch Pfunde oder Talente genannt. Es geht um das, was ein Herr seinen Dienern anvertraut – nämlich einen Teil seiner Habe, also seines Geldes; Gaben jedenfalls, die er während seiner Abwesenheit seinen Knechten überlässt. Und die sollen sie, während er selbst außer Landes ist, gewissenhaft verwalten. Jesus macht da gar nicht viele Worte: „Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an“ (Matthäus 25,14b Luther 1984).

Anscheinend kennen sich Herr und Knechte gut genug, um zu wissen, was jetzt zu tun ist, auch wenn der Herr eine Zeit lang mal nicht in Sichtweite ist und scheinbar nicht kontrollieren kann, was die Einzelnen nun im Detail mit seinem Vermögen anstellen.
 

Das Umgehen mit den Gaben

Im Handumdrehen legt der erste los – der, dem das meiste gegeben wurde, verliert keine Zeit und setzt es ein: „Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu“ (Vers 16). Der zweite, der etwas weniger empfangen hat, macht es ebenso und gewinnt dazu. Auch der dritte, der in diesem Gleichnis das wenigste erhalten hat, geht los ABER – handelt nicht etwa, sondern verbuddelt das ihm Anvertraute in der Erde. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Das geht wohl eine ganze Weile gut – jeder der Knechte macht so „sein Ding“ mit den Gaben, die ihm anvertraut sind, je nach Persönlichkeitstyp, möchte man meinen. Zwei sind aktiv, legen sich überaus geschäftstüchtig ins Zeug, doch der dritte mutet eher etwas phlegmatisch an. Jedenfalls belässt er es bei der „Beerdigung“ dessen, was er von seinem Herrn erhalten hat. Bis sein Herr wiederkommt und ihn zur Rechenschaft zieht.
 

Die vermeintlich „weniger Beschenkten“

Wenn es Ihnen so geht wir mir, dann kommt Ihnen folgendes bekannt vor: Man identifiziert sich auf den ersten Blick gern mal mit dem, der weniger empfangen hat – und meint dann, sich gemütlich zurücklehnen und sich damit herausreden zu können, dass man ja nun wirklich nicht so viel hat wie andere, die mal schön mit ihren Zentnern, ihren Gaben, ihren Talenten, ihrem Geld handeln sollen.

Schließlich haben die ja viel mehr zum Verteilen und Weitergeben, oder? Und wer bin ich schon, was kann ich schon, was habe ich schon? Also brauche ich mir keine weiteren Gedanken zu machen – und lasse einfach alles laufen, wie es läuft. Gaben verbuddeln – aus den Augen, aus dem Sinn.

Vielleicht tut man sich sogar noch selbst leid, denn der arme dritte Knecht hat ja lange nicht so viel bekommen wie die anderen und beruft sich dazu noch auf seine Angst, als er später zur Rechenschaft gezogen wird (siehe Vers 25).

Doch bei Jesus, der der Herr in dieser Geschichte ist, der seinen Menschen Gaben, Talente, Geld, Zeit und etliche Möglichkeiten anvertraut, damit sie – bis er eines Tages wiederkommt – diese einsetzen, läuft das anders. Bei ihm gelten keine Ausreden und auch nicht der Vorwurf, der in den Worten des dritten Knechts mitschwingt: „Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine“ (Vers 24-25).
 

Jesus lässt sich nichts vormachen

Erschreckend, wie der Herr in der Geschichte darauf reagiert: „Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern“ (Verse 26-30).

Das sind harte Worte für den, der seine Möglichkeiten nicht für seinen Herrn genutzt hat, während die beiden anderen Knechte, die diese eingesetzt haben, ein hohes Lob zugesprochen bekommen: „Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!“ (Vers 27).
 

Was ich aus diesem Gleichnis lerne

Dieses Gleichnis hat mir schon viele Rätsel aufgegeben. Ich habe mich immer gefragt, was denn mit den Wechslern gemeint sein könnte, wenn ich dieses Gleichnis ins eigene Leben übertrage und statt „Zentner“ tatsächlich die Begriffe Gaben oder Talente einsetze (und das eben nicht im pekuniären Sinn wie hier im Gleichnis).

Wie dem auch sei – mir hat die Geschichte dennoch viel zu sagen. Zum einen: Jeder Mensch ist begabt und hat die Möglichkeit und auch die Pflicht, diese Gaben zur Ehre Gottes und für seine Mitmenschen einzusetzen. Der eine kann dies gut, die andere das. Und damit gilt es zu „wuchern“.

Ich kenne Menschen, die halten recht wenig von sich selbst, sind aber die reinsten Engel auf Erden, weil sie anderen beistehen im Gebet, im praktischen Anpacken oder einfach durch ihr tröstendes Dasein. Sie stehen nicht im Rampenlicht (wollen da auch gar nicht hin, weil sie so bescheiden sind), tun aber mehr, als sie selbst ahnen, weil sie ihre Gaben einsetzen.

Ist Ihnen schon mal der Gedanke gekommen, dass eine scheinbar einfache Hilfeleistung Wege zu Menschen ebnet, die dann vielleicht auch mal fragen, aus welcher Motivation Sie das tun? Möglicherweise finden Sie so Zugang zu Ihren Nächsten, die dem Glauben noch fernstehen und dann durch Sie ins Fragen kommen. Vielleicht ist es auch dran, anderen Mut zu machen – einfach, indem Sie von Ihrem eigenen Glauben erzählen, von Ihren Erfahrungen, wie Jesus sie auch in schwierigen Situationen begleitet.

Mancher hat mehr Geld, als er für seine eigene Versorgung braucht und kann es beispielsweise für sozial-diakonische und missionarische Zwecke einsetzen. Andere haben viel Zeit, aber wenig Kraft für aktiv tätige Einsätze. Ich denke da an meine Großmutter. Wenn mich nicht alles täuscht, hat sie, wenn sie nachts nicht schlafen konnte, alles Mögliche „durchbetet“. Es gibt also Möglichkeiten, das Anvertraute Gut für den wiederkommenden Herrn einzusetzen.

Zum anderen sagt mir diese Geschichte: Bei Jesus gelten keine faulen Ausreden. Und wenn ich selbst denke, meine Gaben wären zu nichtig, dann kann ich ja ihn selbst – den Geber der Gaben – bitten, mir zu zeigen, was dran ist und mir dann beim „Wuchern“ mit diesen zu helfen. Ich will, dass mein Herr einmal zu mir sagt: „Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!“ (Vers 27).

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