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07.03.2023 / Zum Schwerpunktthema / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Joachim Bär

„Ich will vor allem in Menschen und Beziehungen investieren“

Über Familienarbeit, Ehrenamt, Arbeit an sich selbst – und, ach ja, auch über den Beruf.

Als Teilzeitkraft und Mama von drei Kindern schlägt Violetta Schicks Herz für die Familie und die örtliche christliche Gemeinde. Gemeinsam mit ihrem Mann achtet sie auf die Balance zwischen Familie und Arbeit.Sie arbeitet als Personalerin und damit professionell mit dem Thema Arbeit.
 

ERF: Violetta, wie viele Stunden hast du letzte Woche gearbeitet?

Violetta Schick: Ich schätze, es waren so 14 Stunden pro Tag. Ich habe hier auf der Arbeit ein paar Überstunden gemacht, und die Stunden zu Hause kann ich gar nicht zählen.
 

ERF: 14 Stunden Arbeit! Das heißt: Für dich bedeutet Arbeit mehr als deine Erwerbstätigkeit?

Violetta Schick: Auf jeden Fall. Zu meiner Arbeit gehört das Mama-Sein, Ehefrau-Sein, ich engagiere mich im Moment auch stark in meiner christlichen Gemeinde. Und dann kommt noch jede Menge zwischendurch dazu.
 

ERF: Bleiben wir erst bei deiner Erwerbstätigkeit. Du arbeitest im Personalmanagement, beschäftigst dich also professionell mit dem Thema Arbeit. Warum?

Violetta Schick: Ich wollte schon immer mit Menschen arbeiten, hatte aber die Wahl zwischen einer Beamtenaufgabe und einer Aufgabe, in der ich Menschen begleiten kann. Angefangen beim Bewerbungsprozess, übers Onboarding bis ins Arbeitsleben. Das macht mir Spaß, weil ich merke, dass ich Menschen helfe und ihren Einstieg erleichtern kann. Das fand ich den besseren Weg.
 

ERF: Darüber hinaus engagierst du dich ehrenamtlich. Was machst du da – und wie viel?

Violetta Schick: Ich spiele seit über 20 Jahren Klavier in meiner christlichen Gemeinde. Dazu arbeiten mein Mann und ich mit Kindern, zumindest bis Corona losging. Da kommen rasch sechs, acht Stunden in der Woche zusammen.
 

ERF: Aber ist das Arbeit? Schließlich machst du das in deiner Freizeit!

Violetta Schick: Für mich ist das schon Arbeit, denn ich könnte die Zeit auch anders gestalten. Die Füße hochlegen, für mich selbst Klavier spielen, fotografieren – alles Dinge, die ich sehr gerne mache.
 

ERF: Kommen wir zu deiner Familie. Ihr habt drei Kinder – da fällt jede Menge Arbeit an. Familienarbeit nennen das manche. Was gehört für dich dazu?

Violetta Schick: Als Mama bin ich die Anlaufstelle für alles. Hausaufgaben, meine Kinder zu Freunden bringen, Vokabeln abfragen, Geburtstagsgeschenke organisieren. Im Haushalt helfen aber alle mit. Und vieles bleibt auch liegen, das musste ich lernen.
 

ERF: Wie viele Stunden kommen zusammen pro Woche?

Violetta Schick: Ich sage immer: Ich mache Feierabend auf der Arbeit und starte in die zweite Schicht. Die geht um 12.30 Uhr los, hört irgendwann um 20.00 Uhr auf, wenn die Kinder im Bett sind. Das werden so sieben, acht Stunden sein.
 

ERF: Wie definierst du Arbeit für dich?

Violetta Schick: Ich will mit meiner Arbeit vor allem in Menschen und Beziehungen investieren. In meiner Lebenssituation ist das zu großen Teilen die Investition in meine Kinder. Arbeit definiert sich für mich also nicht nur dadurch, dass ich etwas zurückbekomme. Ich bin mir sicher, dass Gott das alles sieht und mich belohnen wird. Und das ist für mich Grund genug.
 

ERF: Wie schaffst du in all der Arbeit, dich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren?

Violetta Schick: Zugegeben kommt das etwas zu kurz. Eine Freundin hat letztens gesagt: 70 Prozent solltest du geben, 30 Prozent solltest du für dich sorgen. Da komme ich im Moment nicht hin. Das ist ein Punkt, an dem ich arbeiten muss.
 

ERF: Moment, schon wieder arbeiten?!

Violetta Schick: Ja genau, es ist für mich auch Arbeit, an mich selbst zu denken und mir etwas Gutes zu tun.
 

ERF: Wie setzt du in all der Arbeit die richtigen Prioritäten für dich?

Violetta Schick: Ich versuche, an meiner Arbeitsstelle mein Bestes zu geben. Wo immer es geht, hat aber meine Familie die Priorität. Ich könnte ja zum Beispiel noch mehr Stunden arbeiten. Aber ich weiß, dass das meiner Familie nicht guttun wird. Deswegen ist meine erste Priorität die Familie – und ich arbeite nicht in Vollzeit.
 

ERF: Wenn Familie und die damit verbundene Arbeit deine erste Priorität ist: Wird diese Arbeit aus deiner Sicht auch wertgeschätzt?

Violetta Schick: Ich bin dankbar, dass von meinen Kindern viel Feedback kommt. Mein Mann erinnert sie auch manchmal daran, danke zu sagen für die gewaschene Wäsche und das Essen auf dem Tisch. Ansonsten erlebe ich, dass bei vielen heute vor allem zählt, was du auf der Arbeit schaffst, wie du Karriere machst, wie viel Ansehen du hast. Ich bin persönlich auf Unverständnis gestoßen, weil ich mich in meine Familie investiere.
 

ERF: Was sollte deiner Meinung nach hier anders werden?

Violetta Schick: Ich wünsche mir, dass wir auf die vielen Bereiche der Familienarbeit schauen: Die von den jungen Mamas. Die von denen, die ihre Eltern, ihren Partner oder die Partnerin pflegen – einfach all die, die bewusst ihren Job aufgegeben oder reduziert haben, um für andere Menschen da zu sein. Viele sind benachteiligt, gerade was ihre Rente angeht. Auch in diese Richtung wünsche ich mir mehr Wertschätzung für die Arbeit, die diese Menschen für die Gesellschaft leisten.

 

 Joachim Bär

Joachim Bär

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