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© Jeshoots com / unsplash.com

03.12.2021 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Regina König

Ein Choral zum „Großen Zapfenstreich“

Der Freitagstalk des ERF Aktuell-Teams.

 

 

Die neuen Corona-Beschlüsse gelten bundesweit, doch die Verordnungen für Gottesdienste fallen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aus. An der Grenze zwischen Polen und Belarus bleibt die Lage für Geflüchtete „katastrophal“.

Die Bundesvorsitzende der Bundesvereinigung „Lebenshilfe“, die ehemalige SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, sieht im Koalitionsvertrag eine „große Chance für mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung“. Über das und mehr spricht im Wochenrückblick vom Team ERF Aktuell Katja Völkl mit Regina König.


ERF: Gestern hat die Bund-Länder-Runde neue Corona-Regeln aufgestellt, diese Regeln gelten bundesweit und zwar unabhängig von der Sieben-Tages-Inzidenz. So wird u.a. 2G für den Einzelhandel gefordert (außer in Geschäften des täglichen Bedarfs), für Kinos, Theater und Restaurants. Zudem kommen Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte. Regina, verändern sich damit auch Regeln für die Feier des Gottesdienstes?

Regina König: Die Infos, die ich dazu weitergeben kann, entsprechen einem Informationsstand von Freitagmittag. Nach einer Umfrage des epd verzichtet bis jetzt die Mehrheit der Bundesländer auf 2G- oder 3G-Vorschriften für Religionsgemeinschaften. Ausnahmen sind Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Dort gilt schon seit vergangener Woche die 3-G-Regel im Gottesdienst.

Die hessische Landesregierung macht bewusst keine Vorgaben für Gottesdienste. «Das entspricht unserem Verständnis vom Verhältnis zwischen Staat und Kirche», sagt CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier. Die westfälische Landeskirche empfiehlt von sich aus, Gottesdienste nur mit Geimpften, Genesenen und Getesteten zu feiern. Ähnliches raten weitere Landeskirchen und Diözesen.
 

Mehrheit der Bundesländer verzichtet auf Vorgaben für Gottesdienste

ERF: Als nicht weitreichend genug werden die neuen Corona-Beschlüsse währenddessen von Virologen und Epidemiologen kritisiert. Und die Vereinigung der Intensiv- und Notfallmedizin schlägt Alarm.

Regina König: Die Lage sei noch nie so bedrohlich und ernst gewesen wie heute, meldete die Vereinigung in dieser Woche und verknüpfte ihre Analyse mit deutlichen Forderungen: so sollten „alle bundesweit nicht dringend medizinisch notwendigen Eingriffe und Behandlungen nicht mehr vorgenommen werden“, damit Personal in die Intensiv- und Notfallbereiche umgesetzt werden kann. Außerdem fordern die Mediziner mindestens 1 Million Impfungen pro Tag und die allgemeine Impfpflicht für alle Erwachsenen.
 

Intensivmediziner schlagen Alarm

ERF: Die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht scheint immer näher zu rücken, gestern sagte der künftige Bundeskanzler Olaf Scholz, dass seiner Meinung nach darüber der Bundestag abstimmen sollte. Und während wir weiter versuchen, uns gegen das Virus zu wappnen, kämpfen Geflüchtete an der Grenze zwischen Polen und Belarus mit der Kälte. Und das Erschreckende: Hilfsorganisationen haben nahezu keinen Zugang in die Sperrzone. 

Regina König: Ja, das meldet die christliche Hilfsorganisatin Humedica. Mithilfe von lokalen Partnern vor Ort hat das Hilfswerk es aber dennoch geschafft, in die Sperrzone hineinzukommen. Freiwillige verteilen dort warme Jacken, Decken und Winterschuhe.

Auch medizinische Hilfe wird geleistet, meist ginge es dabei um Erkältungen und um die Versorgung von Wunden, sagt Humedica-Mitarbeiterin Katharina Möller. Die Lage der Geflüchteten, die aus dem Irak, Afghanistan oder Syrien kommen, sei dramatisch, so Humedica.
 

Koalitionsvertrag als „große Chance für mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung“

ERF: Im Abseits stehen auch immer wieder Menschen mit Behinderung, an sie denken wir heute ganz besonders, denn heute steht der „Welttag der Menschen mit Behinderung“ im Kalender. Vertreten werden sie in Deutschland u.a. von der Bundesvereinigung „Lebenshilfe“,dessen Bundesvorsitzende ist die ehemalige SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Sie sieht im Koalitionsvertrag eine „große Chance für mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung“.

Regina König: ​​​​​​​Ja, „an vielen Stellen werden Forderungen der Lebenshilfe aufgegriffen,“ sagt Ulla Schmidt. So begrüßt sie den im Koalitionsvertrag angekündigten Beteiligungsprozess für eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe und das Vorhaben, Verfahrenslotsen für Familien von Kindern mit Behinderung bei den Jugendämtern schnell und unbefristet einzusetzen.

„Diese Versprechen“, so Ulla Schmidt weiter, „sollten zügig in Angriff genommen werden so wie die Ankündigung, die Barrierefreiheit in Deutschland auch im privaten Sektor voranzubringen.“
 

ERF: Schließen wollen wir unseren Wochenrückblick nicht, ohne auf die Frau zu sehen, die 16 Jahre lang unser Land geprägt hat: die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie wird in der kommenden Woche ihr Amt niederlegen. Auf ihrem Weg in den Ruhestand hat ihr gestern die Bundeswehr die Ehre erwiesen mit dem „Großen Zapfenstreich“. Drei Lieder durfte sie sich wünschen.

Regina König: ​​​​​​​Ihre Wahl hat den ein oder anderen verblüfft: Angela Merkel wünschte sich zum Abschied, dass es „rote Rosen“ regnen möge – mit diesem Chanson ist Hildegard Knef weltberühmt geworden. Dazu noch ein Titel von Nina Hagen: "Du hast den Farbfilm vergessen" und zu guter Letzt den wohl bekanntesten Choral, den unsere evangelischen und katholischen Gesangbücher zu bieten haben: „Großer Gott wir loben dich.“
 

ERF: Denn schließlich ist Angela Merkel selbst Protestantin und Pfarrerstochter. Beim Abschied des neuen Bundeskanzlers wird allerdings sicher eher kein Choral gespielt….

Regina König: ​​​​​​​…denn Olaf Scholz ist konfessionslos. Aber bevor wir über die Liedauswahl zu seinem Abschied beim Großen Zapfenstreich spekulieren, muss er ja erst einmal vereidigt werden…
 

ERF: …und das geschieht aller Voraussicht nach in der kommenden Woche. Das war für unser Wochenrückblick, am Mikrofon verabschieden sich Katja Völkl und rk. Wir wünschen einen gesegneten 2. Advent.
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 Regina König

Regina König

  |  Reporterin

Für ERF Plus in Mitteldeutschland unterwegs. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.

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