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© Jeshoots com / unsplash.com

18.06.2021 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 5 min

Autor: Regina König

Was Mütter und andere Führungskräfte dringend brauchen...

…und was sonst noch in dieser Woche wichtig war.

 

 

ERF: Heute ist Freitag! Und wir blicken zurück auf die Woche. Mein Name: Oliver Jeske. Und den Überblick hat: Regina König. Regina, was war los in Kirche und Gesellschaft?

Regina König: Fangen wir mit dem heutigen Tag an - im Kalender steht der „Weltflüchtlingstag“. Auf einen speziellen Gesichtspunkt weist dabei die Kinderhilfsorganisation „World Vision“ hin und zwar auf die Impfquote unter Geflüchteten weltweit. Laut einer Umfrage von World Vision gibt nur einer von 2.000 Geflüchteten an, gegen Covid-19 geimpft worden zu sein. Geflüchtete würden teilweise ausgeschlossen von Covid-19-Impfungen und stünden in der Impfhierarchie ganz unten – obwohl gerade sie einem sehr hohen Infektionsrisiko ausgesetzt seien.

Der Grund dafür ist einfach: „Die meisten Aufnahmeländer“, so die Organisation, „seien wirtschaftlich schwach und stünden unter dem Druck, auch ihre eigene Bevölkerung schützen zu müssen.“ Und Impfstoff ist bekanntlich rar. Nur 0,3% der produzierten Impfdosen sei bisher in ärmere Länder gegangen. „Das ist ein moralischer Skandal“, sagt Marwin Meier, Gesundheitsexperte von World Vision.


ERF: Allerdings haben die G7 am Wochenende erklärt, etwa 1 Milliarde Impfdosen bis Ende 2022 an ärmere Länder weitergeben zu wollen.

Regina König: Aber „World Vision“ ist überzeugt, dass das eher nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, 11 Milliarden Dosen würden gebraucht. Deshalb fordert die Kinderhilfsorganisation die Regierungen der Geberländer auf, dafür zu sorgen, dass diese Zusage schneller Wirklichkeit wird und den gleichberechtigten Zugang zu Impfstoffen für gewaltsam vertriebene Menschen politisch zu gewährleisten.
 

Geflüchtete ganz unten in der Impfhierarchie

ERF: Gehen wir ins Inland. Das Stasi-Unterlagenarchiv ist gestern übergegangen ins Bundesarchiv. Was bedeutet das z.B. für Menschen, die ihre Akten einsehen wollen? Darunter sind ja auch viele Christen, die in der DDR  Repressalien ausgesetzt gewesen sind.

Regina König: Dabei ist zunächst wichtig: das Stasi-Unterlagen-Archiv wird zwar aufgelöst, aber die Aufarbeitung geht trotzdem weiter. Und auch die Akteneinsicht ist weiterhin möglich vor Ort in der Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin und in deren Außenstellen in den neuen Bundesländern.

Mehr als 3 Millionen Menschen haben bisher immerhin von ihrem Recht Gebrauch gemacht und Akteneinsicht genommen. Und mehr als 500 000 Mal wurde untersucht, ob die Möglichkeit einer Rehabilitierung, Entschädigung oder Strafverfolgung besteht. Und das Interesse ist ungebrochen: allein im Jahr 2018 haben mehr als 46 000 Menschen Akteneinsicht beantragt.
 

ERF: Aber welchen Vorteil hat es nun, dass das Bundesarchiv das Stasi-Unterlagen-Archiv aufnimmt?

Regina König: Die Akten sollen so sachgerechter gelagert werden können und sie sind im Bundesarchiv wohl leichter zugänglich für die Forschung. Klimatisierte Räume sollen im Bundesarchiv in Koblenz entstehen und gut ausgestattete Restaurierungs- und Digitalisierungswerkstätten. Was schätzt, du Oliver, wie umfangreich die Stasi-Unterlagen sind?
 

15.000 Säcke voll mit geschredderten Stasi-Akten

ERF: Verrate es mir…

Regina König: Sie umfassen 110 km.


ERF: Das ist allerhand! Und die Geschichte, wie diese Akten 1990 gesichert worden sind, ist legendär.

Regina König: Ja, am 15. Januar 1990 stürmten mehrere Tausend Menschen die Stasi-Zentrale in Berlin. Das war die letzte noch nicht besetzte Dienststelle des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit. Die Menschen wollten die Stasi-Mitarbeiter daran hindern, noch mehr Akten zu vernichten.

Am Tag der Wiedervereinigung, am 3. Oktober 1990, wurde Joachim Gauck dann erster Chef des Stasi-Unterlagen-Archivs, bis vorgestern leitete es der frühere DDR-Oppositionelle Roland Jahn. Neue Chefin ist nun Evelyn Zupke als erste Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur.
 

ERF: Und die bisherigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben schon enorm viel geleistet, aber es gibt auch noch einiges zu tun. 

Regina König: Es ist unvorstellbar - 15 000 Säcke mit zerrissenen Schnipseln an Stasi-Akten warten noch darauf, rekonstruiert zu werden. Da ist also noch viel Geduld und Fingerspitzengefühl nötig im Umgang mit den Stasi-Akten – und das meine ich durchaus mehrdeutig.
 

„Nur gesunde Eltern können sich gut um ihre Familien kümmern!“

ERF: Themawechsel – vom Stasi-Unterlagen-Archiv hin zum Müttergenesungswerk.

Regina König: Das feierte gestern seinen 70. Geburtstag! Obwohl: eigentlich ist das Müttergenesungswerk schon 71 Jahre alt, aber das runde Jubiläum wurde im vergangenen Jahr pandemiebedingt verschoben.
 

ERF: Trotz des stolzen Alters, die Angebote des Müttergenesungs-werkes sind sicher heute aktueller denn je.

Regina König: Richtig, denn die Pandemie hat ja ganz besonders die Mütter belastet, die alles auf einmal schultern mussten: Homeoffice plus Homeschooling und die Kita hatte auch noch geschlossen. „Die Belastungen durch die Pandemie werden Zeit und nachhaltige Maßnahmen brauchen“, sagt deshalb auch Maria Loheide vom Kuratorium des Müttergenesungswerkes, „denn nur gesunde Eltern können sich gut um ihre Familie kümmern.“ 

Der Unterstützungsbedarf von Familien sei bei der Bundesregierung zwar angekommen, aber einmalige Programme griffen zu kurz. So mahnt Maria Loheide an, dass der Rettungsschirm für Kurkliniken noch immer nicht verlängert wurde und auch die finanzielle Absicherung der Kurberatungsstellen noch fehle. 
  

Kongress Christlicher Führungskräfte startet

ERF: Also auch hier helfen nicht allein Applaus und gute Worte. Von der Familienmanagerin hin zum Kongress Christlicher Führungskräfte: der startet heute digital.

Regina König: Eigentlich sollte er in Leipzig stattfinden, wegen Corona geht der ganze Kongress nun aber online. Dabei will er ein Ermutigungskongress sein und ein Hoffnungsbringer. Am Rednerpult stehen Referenten wie der ehemalige Topmanager Thomas Middelhoff oder die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Nicola Beer.

Aber auch die Influencerin Jana Highholder ist mit von der Partie und Trigema-Chef Wolfgang Grupp. Los geht´s heute um 18h,  Ende morgen gegen 14h.
 

ERF: Ist eine Anmeldung noch möglich?

Regina König: Ja, und zwar unter kcf.de/Anmeldung. Die Teilnahme ist kostenlos.
 

ERF: Und zum guten Schluss hast du noch eine schöne Überraschung für uns….

Regina König: Es geht um die Verleihung des bundesweiten Digitalpreises. Den hat nicht ein hippes Start-up aus Berlin bekommen oder eine Schulklasse voller Nerds in München, nein: den „Preis für digitales Miteinander“ erhält das «Bümmersteder Seniorenbüro» der evangelischen Kirchengemeinde Oldenburg-Osternburg. Das ist ein generationsübergreifendes Projekt, junge Leute haben da den Älteren die digitale Welt für sich entdecken lassen.


ERF: Jung und Alt also zusammen auf der Siegerstraße - ein Mutmacher zum Schluss und damit vielen Dank an dich, Regina, für deinen Blick zurück in diese Woche.  Ein schönes Wochenende wünschen damit Regina König und Oliver Jeske.

 Regina König

Regina König

  |  Reporterin
Für ERF Plus in Mitteldeutschland unterwegs. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.

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