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/ Bibel heute

Wie lange noch?

Der Bibeltext Offenbarung 6,9-17 – ausgelegt von Christiane Stock.

Und als es das fünfte Siegel auftat, sah ich unten am Altar die Seelen derer, die umgebracht worden waren um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen. Und sie schrien mit großer Stimme: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? Und ihnen wurde gegeben einem jeden ein weißes Gewand, und ihnen wurde gesagt, dass sie ruhen müssten noch eine kleine Zeit, bis vollzählig dazukämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch noch getötet werden sollten wie sie.[...]

Offenbarung 6,9-17

Einführung: Die Offenbarung des Johannes

Kein anderes biblisches Buch hat im Laufe der Kirchengeschichte eine so vielseitige und unterschiedliche Auslegung erfahren wie die Offenbarung des Johannes. Dieses Buch hat in der Kunst und Kultur tiefgreifende Spuren hinterlassen, wenn ich an die Bildmalereien in Kirchen denke. In Theaterstücken und Opern wird das Ende der Welt immer wieder zum Thema gemacht. Mir scheint es, als würde jede Generation um ein Verständnis dieser Vielzahl an Bildern ringen, die uns in den Kapiteln vorgestellt werden. Johannes erhält sie gegen Ende des ersten Jahrhunderts, etwa 94/95 nach Chr. Dieses Buch wird geschrieben, um den Christen, besonders den leidenden, eine zuverlässige Hoffnung zu geben. Die Hauptaussage der Offenbarung liegt darin, Jesus Christus als den siegreichen König aller Könige und Herr aller Herren in den Vordergrund zu rücken.

In unserer Zeit wachsender Lebens- und Zukunftsangst kann die Offenbarung in einzigartiger Weise der Gemeinde Trost und Hoffnung vermitteln. Das kann einerseits in einem Zuspruch liegen, der die Nähe des Herrn vermittelt. Andererseits liegt ein unfassbarer Trost in der Gewissheit, dass alles Weltgeschehen im Plan und Willen Gottes verankert ist. Die Zukunftsaussicht gipfelt in dem Ausblick auf die Neuschöpfung von Himmel und Erde.
 

Das Lamm und das Buch mit den sieben Siegeln

In dem Text heute geht es um furchtbare Ereignisse, die ich ohne den Kontext gar nicht wage anzuschauen. Bevor das Buch mit den sieben Siegeln geöffnet werden kann, muss sich erst einmal eine würdige Person finden. Ich lese das in Kapitel 5. Weit und breit ist niemand in Sicht. Johannes weint darüber. Doch dann kommt ein Ältester, der ihn tröstet mit den Worten: „Es gibt da jemanden, der das Buch öffnen wird. Es ist der Löwe aus dem Stamm Juda, der Sohn Davids, der über alles gesiegt hat.“ Damit ist Jesus gemeint, der aus Liebe zu uns Menschen am Kreuz, den grausamen Tod gestorben ist, damit der Zugang zu Gott frei ist. Der Zugang war durch unsere Sünde versperrt. Sünde meint alles, was unsere Beziehung zu Gott belastet. Sein Wunsch ist es, mit uns zusammen das Leben zu gestalten. Er, der jeden Menschen einzeln kreiert hat, möchte, dass wir unser Potenzial entfalten und Freude daran haben. Das Lamm, also Jesus Christus, hat die Macht, Schuld wegzunehmen. Diesen Sieg hat er am Kreuz errungen. Ewige Gemeinschaft mit Gott ist nur dadurch möglich. Dieses Lamm darf das Buch der sieben Siegel öffnen.

Ich lasse jetzt seine Liebe in mir groß werden und vertraue mich ihm innerlich an, wenn ich von dem fünften Siegel lese.

Wie viele Menschen wurden misshandelt, gesteinigt und auch durch das Schwert getötet. Sie litten Mangel und zogen einfach wie Nomaden umher. Viele wurden enthauptet. Bei all diesem Schrecklichen ist es mehr als verständlich, wenn diese Menschen rufen: „Wie lange noch?“

Sie sind treu in ihrem Glauben. Sie machen nichts falsch, aber sie haben zu leiden. Viele Menschen müssen durch schwere Zeiten. Das haben sie nicht verdient, wie wir heute oft sagen. Wo liegt da ein Trost? Ist es nicht eher eine Sprachlosigkeit, die sich breit macht? Mir zeigt es in meiner Hilflosigkeit und den Gefühlen von Ohnmacht immer wieder, dass Gottes Wege voller Geheimnisse sind und bleiben. Er traut uns zu, beieinander zu bleiben, auch in schweren, unverständlichen Situationen.

Hier bekommt jeder Mensch ein weißes Gewand. Möglicherweise eine enorme Ermutigung auf dem Weg. Wann das Schicksal ihrer Mitstreiter und Glaubensbrüder erfüllt ist, die noch getötet werden, bleibt offen. Darin entdecke ich wieder ein Geheimnis, das mich um mein Vertrauen bittet. Es gibt niemanden, der den Durchblick in die Geheimnisse Gottes hat, und das ist auch gut so. Es ist wie eine Aufforderung, mich an seine Liebe zu erinnern. Ich vermute, dass es sein Wunsch ist, dass ich mich seinem Weg von ganzem Herzen anschließe.

Das 5. Siegel betrifft einzelne Menschen.

Das 6. Siegel vernichtet unseren Lebensraum. Alle sind betroffen. Da ist nichts aufzuhalten. Vom Erdbeben bis dahin, dass sich der Himmel wie eine Pergamentrolle zusammenrollt. Berge und Inseln verlassen ihre so sicher geglaubten Plätze. Sterne fallen vom Himmel und der Mond wird blutrot. Die Sonne verfinstert sich. Die Menschen vergehen vor Angst. Das betrifft auch die Reichen, die Könige, die Großen und Mächtigen. Der Tod scheint die beste Wahl zu sein.

Die Angst, dem Lamm, das nun auf dem Thron sitzt und regiert, zu begegnen, ist zu groß. Hier wird es offensichtlich, dass kein Mensch im Gericht bestehen kann.

Darum halte ich es für so wichtig, schon heute mit dem Lamm, Jesus Christus, zu leben. Eine echte Beziehung, in der ein Vertrauen zu ihm wächst, ist möglich.
 

Gottes Gnade im Alltag erleben

Ich erlebe immer wieder, wie Jesus gnädig mit mir umgeht.

Gnade bedeutet barmherzig geliebt zu werden. Für Jesus sind meine Fehler, Gedanken und auch Zweifel kein Problem. Er hilft mir oft, mein Leben in einem anderen Licht zu sehen. Manchmal kann ich plötzlich eine andere Perspektive einnehmen. Ich treffe Entscheidungen, mich nicht in unnötige Konflikte zu begeben, und spüre inneren Frieden.

Ich glaube, es ist schwer für Jesus, wenn ich alles alleine versuche und ihn nicht einbeziehe in meine Welt. Außen vor sein ist auch im menschlichen Umgang nicht schön.

Der Ausblick auf die Vollendung der Welt mit all ihren Begleiterscheinungen zeigt mir neu, dass Gott Klartext spricht. Er drückt sich nicht davor, uns mit der vollen Wahrheit zu konfrontieren. Sein Plan für diese Welt steht fest und wir dürfen uns an sein Versprechen aus Matthäus 28,20 halten: „Macht zu Jüngern alle Völker und vergesst eines nie: Ich bin bei euch alle Tage bis das Ende dieser Welt gekommen ist!“

Was für eine Hoffnung und welch ein Trost liegt in diesen Worten, wenn ich den Text von heute betrachte.
 

Vertrauen auf Gottes Plan und seine Geheimnisse

Vor einiger Zeit erfüllte ich mir einen Kindheitstraum. Ich kaufte mir eine neue Querflöte. Ein schöner Ausflug sollte es werden. Ich wollte mit zwei Freundinnen in eine sehr gute Werkstatt fahren. Wir meldeten uns dort an, organisierten die Fahrt und hatten unsere Wünsche bezüglich der verschiedenen Modelle besprochen. Schon Wochen vorher fieberte ich auf den Termin hin. Ich stellte mir das vor meinem inneren Auge immer wieder vor. Ich hoffte auf diese eine Flöte, die mich beim Anspielen sofort überzeugen würde. So war es dann tatsächlich.

Für mich ist das zu einem Bild geworden. Ich wusste, da bereitet jemand etwas für uns vor. So wie Gott bereits in Vorbereitung für uns ist, damit wir die Möglichkeit haben, einmal für immer bei ihm zu sein. Das Leben in der Vollkommenheit. Dazu braucht es eine neue Welt. Die alte Welt wird vergehen.

Alles, was kommen wird, muss so sein. Wozu Gott diesen Weg gewählt hat, weiß ich nicht. Da ist es wieder: Ein Geheimnis, das ich nicht ergründen kann. Dennoch weiß ich Jesus treu an meiner Seite. In den Höhen und Tiefen meines Lebens beschenkt er mich mit vielen reich erfüllten Tagen.

Sendetermine auf ERF Plus

Freitag, 30. Oktober 2026, 05:45, 11:45, 19:00

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