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Was ist der Dank?

Der Bibeltext Hosea 11,1-11 – ausgelegt von Jürgen Burst.

Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb und rief meinen Sohn aus Ägypten. Wie ich sie auch rief, liefen sie weg von mir. Den Baalen opferten sie, und den Bildern räucherten sie. Ich aber hatte Ephraim laufen gelehrt und sie auf meine Arme genommen. Aber sie merkten nicht, dass ich sie heilte.[...]

Hosea 11,1–11

Gottes väterliche Fürsorge für Israel

Gott behandelt das Volk Israel wie seinen eigenen Sohn. Als das Volk noch klein ist, trägt er es wie ein Baby auf dem Arm, umsorgt es. Hält das Kind an beiden Händen und hilft ihm bei seinen ersten Schritten. Mit ihm als Vater lernt das Kind laufen. Wenn es Schmerzen und Nöte hat, heilt er es, macht es wieder gut.
 

Israels Undank und Hinwendung zu fremden Göttern

Und was ist der Dank?

Als das Kind älter wird, läuft es weg. Wie ein Kind, das beim Spaziergang auf dem Waldweg vorläuft und sich immer weiter entfernt und die Eltern schließlich rufen: „Warte! Warte auf uns, wir sehen dich nicht mehr!“ Aber das Kind hört nicht und läuft einfach weiter. Das nicht aus Versehen, weil es ganz verträumt den Vögeln zuhört, sondern in voller Absicht läuft das Kind vom Vater weg. „Mir doch egal, was der Alte da brüllt, ich geh meinen eigenen Weg. Nur weg von hier!“

So verhält sich Israel, sagt Gott hier in unserem Text. Und wie laufen die Menschen vor Gott davon? „Sie opferten den Baalen… und räucherten den Bildern“, lese ich.

„Baal“ bedeutet „Herr“ im Sinne von Hausherr oder auch „Gott“. Der Begriff steht für ein Sammelsurium von Göttern, zuständig für Wetter und Fruchtbarkeit. Diese Götter findet Israel bereits bei der Landnahme bei den Bewohnern Kanaans vor. Und schon vor der Einwanderung ins verheißene Land gibt es von Gott die eindringliche Warnung: „Ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ (2. Mose 20,3).

Aber dazu ist es dann leider recht schnell gekommen, zu den Nebengöttern: „Israel übernahm die Gebräuche der Völker, die Gott vor ihnen vertrieben hat und verehrt fremde Götter“, so fasst das zweite Buch der Könige in Kapitel 17 die Lage zur Zeit des Propheten Hosea zusammen. Und dort lese ich im Detail nach, was denn da so abgeht, wenn man den Baalen opfert und den Bildern räuchert: „Sie verbrannten ihre Opfergaben, verehrten das ganze Heer der Sterne am Himmel. Sie machten sich zwei gegossene Stierbilder und stellten ein Bild der Göttin Aschera auf. Sie verbrannten ihre eigenen Kinder als Opfer für die Götzen. Sie trieben Wahrsagerei und Zauberei. Kurzum: Sie taten alles, was dem Herrn missfiel und ihn beleidigen musste.“ (2. Könige 17,15–17)

Und das, obwohl Gott, der Herr, sie aus der Sklaverei aus Ägypten befreit hat. Obwohl er ihnen Land gibt und Israel zu einem geachteten Staatswesen verhilft mit den berühmten Königen David und Salomo. Und gerade jetzt, als der Prophet Hosea spricht, regiert im Nordreich König Jerobeam II. satte 41 Jahre lang und dehnt das Staatsgebiet wieder von Damaskus im Norden bis nach Eilat am Roten Meer aus. Es herrscht wirtschaftlicher Aufschwung! „Ich neigte mich zu meinem Volk und gab ihnen zu essen“, sagt Gott (Hosea 11,4).

Ja und da sollte doch dieser Sohn, den Gott auf dem Arm trug, den er laufen lehrte und hegte und pflegte auch ein wenig dankbar sein, meine ich. Und nicht jahrhundertelang mit anderen Göttern quasi ins Bett steigen und Gott betrügen.

Doch Israel läuft Gott davon. Und nun tut Gott, was ein Vater manchmal auch tun muss: Er straft seinen Sohn. Schon wenige Jahrzehnte, nachdem Hosea dieses Wort spricht, wird „das Schwert über ihre Städte kommen… und sie fressen.“ (Hosea 11,6). Israel wird noch sechs Könige haben. Drei davon werden nach kurzer Zeit im Amt ermordet, und dann wird die Streitmacht aus Assyrien anrücken: „Assur muss euer König sein.“ (Vers 5), sagte Hosea seinen Landsleuten voraus.

Er weiß: Die Bevölkerung wird schon sehr bald versuchen, vor dem heranrückenden Heer des Assyrischen Königs nach Ägypten zu fliehen. Wer bleibt, wird zitternd in Löcher und Höhlen kriechen (nach Jesaja 2,21) und hoffen, dass die für ihre Grausamkeit berüchtigten assyrischen Soldaten sie nicht entdecken.

Und, was soll ich sagen: Genauso kommt es. Im Jahr 701 v. Chr. erobert Assyrien das Nordreich Israel. Die Aufzeichnungen von König Sanherib II werden um 1830 in Ninive ausgegraben. (Taylor-Prisma, Britisches Museum, London) Darin prahlt er, über 200.000 Bewohner des Nordreiches in sein Land verschleppt zu haben. Die Hauptstadt Samaria und knapp 50 befestigte Städte macht er dem Erdboden gleich. Hiskia, der König des Südreiches, kann sich in Jerusalem zunächst durch eine hohe Tributzahlung vor der Eroberung retten. Aber das Nordreich Israel hört in diesem Jahr auf zu existieren.
 

Gottes Schmerz und seine Barmherzigkeit

Und nun? Ist Gott der Vater zufrieden, dass er seinen Sohn gestraft hat? Dass er den Israeliten gezeigt hat, wo der Hammer hängt? Dass sie jetzt wissen, wie sich die Dinge in der Götterwelt verhalten, nämlich dass es nur einen Gott gibt im Himmel und auf Erden, den Gott Abrahams, Issaks und Jakobs? Kann sich Gott jetzt zufrieden auf seinem Thron zurücklehnen, weil nun alle die Fakten erkennen?

Ja, das könnte er.

Aber er tut es nicht. Denn ihm blutet das Herz.

„Mein Herz“, sagt Gott, „wendet sich gegen mich. Ich habe Mitleid mit Dir, Israel.“ Gott gibt uns in einem seltenen Moment seine Gefühle und seinen Schmerz preis. Der Schöpfer des Universums lässt uns in sein Herz blicken, indem er sagt: „Wie kann ich dich preisgeben, Israel? Dich ausliefern? Ich habe Sodom und Gomorra, die Städte Adma und Zebojim mit Feuer und Schwefel verbrannt – So will ich es doch mit dir nicht machen! Ich will dich mit meinem grimmigen Zorn nicht verderben. So würde vielleicht ein Mensch handeln – aber nicht ich, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Nicht ich, ich lasse mich nicht von meinem Zorn mitreißen.“
 

Gottes Verheißung und ihre Erfüllung in unserer Zeit

Und dann folgt eine weitere Vorhersage, deren Erfüllung ich vielleicht gerade jetzt sehe. Gott sagt zu seinem Volk Israel: „Einmal werdet ihr mir wieder nachfolgen. Und mich suchen.“ Und Gott wird „brüllen, wie ein Löwe.“ (Vers 10). Und damit ist gemeint: Er wird sich den Feinden Israels entgegenstellen. Und ich lese die unglaublich aktuellen Zeilen: „Und wenn Gott brüllen wird, so werden zitternd herbeikommen die Söhne Israels aus Ägypten und von Westen her und aus dem Lande Assur…Zitternd wie Vögel und Tauben werden sie kommen und ich will sie wieder wohnen lassen in ihren Häusern“, will heißen in Israel.

Die aktuelle Staatsführung Israels hat für den Iran-Konflikt diese biblische Szene als Motiv gewählt: „Der Löwe brüllt!“. Israel erwehrt sich seiner Feinde mit Gottes Hilfe. Ist das Geschehen unserer Tage tatsächlich die Erfüllung des 2.700 Jahre alten Prophetenspruches? Ich vermag das hier nicht mit Sicherheit zu sagen. Entscheiden Sie für sich selbst.

Der israelische Präsident Isaac Herzog jedenfalls begrüßte dieses Frühjahr in Jerusalem während des Raketenhagels aus dem Iran und Libanon wieder mit herzlichen Worten Juden aus 30 Ländern, die sich in Israel niederlassen wollen. Seit den von der Hamas angeführten Angriffen am 7. Oktober 2023 sind laut Zahlen der Jewish Agency mehr als 60.000 neue Einwanderer nach Israel gezogen. (Quelle: Israel heute).

Die große jüdische Gemeinde im Irak, wo sich das Staatsgebiet von Assur befand, wanderte bereits kurz nach der Staatsgründung in den Jahren 1948–1952 nach Israel ein. Rund 150.000 irakische Juden wurden damals wieder in Israel heimisch. Fast 50.000 von ihnen wurden „wie die Vögel“ per Luftbrücke nach Israel gebracht.

Und als Christ stehe ich staunend davor und erkenne, wie sehr ich Gottes Herz verletzen kann durch anhaltenden Ungehorsam. Und wie sehr sich Gott doch wünscht, dass ich ihn ehre und ihm den Dank bringe, der ihm gebührt.

Als Christ bin ich eingepfropft in den Baumstumpf Israel (Römer 11,17). Gemeinsam mit Israel wachsen Sie und ich als neues Gottesvolk hin zu unserem Erlöser Jesus Christus, dem Messias der Juden und dem Retter der Welt. Lassen Sie uns für Israel beten – dass sie Frieden finden im verheißenen Land. Und lassen Sie uns nicht vergessen, Gott zu ehren und zu danken – das berührt direkt sein Herz.

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