/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Was ich vor meine Augen lasse
Gedanken von Susanne Thyroff zum Bibeltext Psalm 101,3.
Ich nehme mir keine böse Sache vor; ich hasse es, Unrecht zu tun, das soll nicht an mir haften.
Online-Shopping-Rausch, Insta-Reels, Serien, schlechte Nachrichten – was setze ich mir eigentlich vor Augen? Was schaue ich mir den ganzen Tag an? Schaue ich das an, was gut und schön ist, was mir guttut? Oder sitze ich im Dunkeln vor dem blauen Bildschirm – und schalte das Gerät vielleicht sogar schnell aus, wenn jemand ins Zimmer kommt?
Der israelitische König David hat sich vor etwa 3000 Jahren eine ähnliche Frage gestellt. Er schreibt ein Lied, den Psalm 101. Und darin nimmt er sich etwas vor:
„Nichts Unwürdiges will ich vor meine Augen lassen.“
Manchmal bin ich fasziniert von bösen Dingen, von denen ich in den Nachrichten höre oder lese. Wenn ich zum Beispiel von Kindesmissbrauch erfahre, ist das so erschütternd, dass ich verstehen will: Wie kann ein Mensch so etwas tun? Dann beschäftige ich mich vielleicht lange mit solchen Berichten.
Aber tut mir das wirklich gut? Ist es gut für meine Seele, dass ich mich so intensiv mit dem Bösen beschäftige – selbst dann, wenn es nur aus Neugier ist oder aus dem Wunsch heraus, es verstehen zu wollen?
David zieht eine klare Grenze. Er möchte dem Bösen keinen Platz vor seinen Augen geben.
Denn was ich anschaue, zieht mich in eine Richtung: Es kann mich entweder hin zum Bösen ziehen – oder es kann mich innerlich aufrichten. Darum richtet David seinen Blick bewusst aus. Gleich am Anfang es Psalms 101 sagt er: „Von Gnade und Recht will ich singen.“
Anders gesagt: Ich will mich mit dem beschäftigen, was gut ist. Mit dem, was aufbaut. Denn was ich anschaue, prägt mein Herz. Und deshalb stelle ich mir diese Frage immer wieder neu:
Was lasse ich heute vor meine Augen?
Ihr Kommentar
Kommentare (1)
Ja, es ist wohl wahr, dass man aufpassen muss, sich nicht allzu viel Negatives vor die Augen zu führen. Das heißt aber nicht, dass man, wie manche Christen es neuerdings praktizieren, gar keine … mehrNachrichten mehr schaut und dann folglich überhaupt nicht mehr informiert ist darüber, was auf der Welt los ist. Das war auch der Fall beim israelischen Geiseldrama in den vergangenen Jahren. In kaum einem Gottesdienst hörte ich, dass man für de gefangenen jüdischen Geiseln in den Tunneln unter der Erde gebetet hätte. Ja, manche besonders empfindliche Christen wollten von dieser Grausamkeit unter der Erde lieber gar nichts sehen und hören. Andere wiederum blieben dran und scheuten nicht, sich mit dem unermesslichen Leid der Gefangenen und ihrer Angehörigen zu konfrontieren, um dafür zu beten, dass sie freikommen. Es geht im Leben also nicht immer darum, ob ich mich selber genügend "wohlfühle". Das Leid der anderen geht mich wohl etwas an, aber die Sorgen sollten dann schnell zum Gebet werden, damit man nicht, wie die Autorin richtig sagt, mit heruntergezogen wird.