/ Wort zum Tag
Satt loben
Die Bibelstelle 2. Korinther 9,15 – ausgelegt von Werner Bücklein.
Wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben.
„Ein voller Bauch studiert nicht gern“, so heißt es in einem Sprichwort. Wer diesen Spruch im Internet eingibt, bekommt schnell die Erklärung, warum das so ist. Der Körper sei so mit Verdauen beschäftigt, dass das Gehirn weniger durchblutet sei und deshalb schläfrig würde. Kurz gesagt: der Fokus wandert vom Kopf zum Bauch. In Übertragung dieses Spruches könnte ich auch sagen: „Ein voller Bauch, der dankt nicht gern“. Wer erst mal rundum satt ist, in dem mag sich eine wohlige Zufriedenheit ausbreiten, die auch in dieser Hinsicht schläfrig macht. So wundert es nicht, wenn ich in der Bibel diesen Satz finde: „Wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben.“ (5. Mose 8, 10)
Das Volk Israel hat bewegte und schwierige Zeiten hinter sich. Vierzig Jahre Wüstenwanderung, Kämpfe, Hunger und Durst, Ungewissheit, Unglaube und neues Vertrauen liegen hinter ihm. Jetzt sind sie dabei, das versprochene Land einzunehmen. Auch das wird kein Spaziergang werden, wie Sie sich leicht denken können. Was Mose seinen Leuten mit auf den Weg gibt, sind Anweisungen, Lebensregeln und Gebote, wie die Menschen gut miteinander leben können, wenn die Kämpfe vorbei und sie zur Ruhe gekommen sind.
Mehrfach kann ich in diesen Kapiteln des fünften Mosebuches lesen: „… vergesst nicht …“.
Was sollten wir vergessen?
Wie wir gewandert sind und litten?
Wie wir gekämpft haben und stritten?
Wie wir gesiegt haben inmitten
all derer, die gegen uns sind?
Wie sollten wir das vergessen?
Haben mit unserer Kraft
Herausforderungen geschafft
Sind gelaufen zu erkunden
diesen Weg und überwunden
so viel Schmerz und Hoffnungslosigkeit
Jetzt: Dies Land ist einzunehmen
und danach wohl abzulehnen
was uns trennt von unserem Gott.
Wie wir uns nach Ruhe sehnen
an den Plätzen, den bequemen,
dass wir finden unsern Ort.
Wie sollten wir vergessen?
Es fällt mir nicht schwer, die Aufforderung Mose in mein Leben hineinzudenken. Auch wenn ich keine vierzig Jahre in der Wüste unterwegs war – ich kenne auch Steine und dürre Zeiten. Ich kenne die Momente, in denen ich mich nicht daran hielt, was Gott mir zugesagt hat. Ich weiß um Schuld und Versagen und kenne die Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit.
In gewissem Sinne bin ich aber auch angekommen. Ich leide keine Not, mir geht es gut, ich habe „was erreicht“, bin angesehen und geachtet. Was liegt näher, als im Gedanken vor’s Haus zu treten, mich umzuschauen und zu denken: „Gut gelaufen – da hab ich ganz schön was geschafft.“ – Aber: das ist doch alles nicht selbstverständlich. Dass ich gesund bin, Arme und Beine bewegen, meinen Kopf einigermaßen gebrauchen kann – das ist doch alles Ausdruck des Segens Gottes – so sehe und glaube ich es. Deswegen mache ich mir das zur Übung: Der Fokus wandert vom Kopf und Bauch zu Gott. Gerade dann, wenn ich nach einem guten Essen auf die Couch sinke, mir bewusst zu machen: nicht selbstverständlich – gute Gabe Gottes – Dankeschön.
Wie sagt es Mose? „Wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben.“
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